- 07.09.2011, 21:00:35
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 8. September 2011. Von PETER NINDLER. "Der Herr Doktor mit Fragezeichen".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Mario-Max Schaumburg-Lippe ist eine
wandelnde Peinlichkeit, seine Dissertation spricht für sich. Am Ende
einer langen Plagiatsdebatte ist dann auch die Wissenschaft oft mit
ihrem Latein am Ende.
Mario-Max Schaumburg-Lippe, der in den Hochadel adoptierte Prinz, hat
niemanden mit seiner Dissertation getäuscht. Deshalb wird das
Verfahren zur Aberkennung seines Doktortitels von der Uni Innsbruck
nicht wieder aufgenommen. Seine damaligen Betreuer fühlten sich nicht
hintergangen, obwohl die Art und Weise, wie die übernommenen
Textpassagen in seiner Arbeit zitiert wurden, viele Fragen aufwirft.
Aber manchmal ist auch die Wissenschaft mit ihrem Latein am Ende. Bei
Schaumburg-Lippe, der vormals Mario Wagner hieß, passt die Debatte
über seine Doktorarbeit aber in das Bild einer wandelnden
Peinlichkeit.
Gutachter, Doktorväter und -mütter wurden nicht getäuscht. Ein
Muster, das sich auch bei der Privatuniversität des Landes, der
Haller UMIT, wie ein roter Faden durch die Vergangenheit zieht. Dort
geht es nicht um den Verdacht von Plagiaten, sondern um die mangelnde
wissenschaftliche Qualität der Doktorarbeiten im inzwischen
aufgelösten Fach der Gesundheitswissenschaften. Die Vielzahl an
fachfremden Arbeiten waren nur möglich, weil die zuständigen
Professoren nicht nur ein Auge zugedrückt, sondern schlichtweg
weggesehen haben. Der schnelle Doktortitel lockte wie ein Elixier,
das jede Form von wissenschaftlicher Grundanständigkeit betäubt hat.
Aber es geht letztlich in der gesamten akademischen Diskussion um
Plagiate: Die Redlichkeit der Forschung steht auf dem Prüfstand,
Dissertationen sind nichts anderes als eigenständige
Forschungsarbeiten.
Der Fall Guttenberg hat eine Lawine losgetreten, weil er aufgezeigt
hat, wie leicht man sich zum Doktor machen kann. Guttenberg stolperte
jedoch über die Ge- und Enttäuschten, obwohl der deutsche Boulevard
die Plagiatsaffäre um Guttenbergs Dissertation zuerst als lässliches
Kavaliersdelikt downgraden wollte. Ja, auch das lehrte uns die
Auseinandersetzung mit dem Diebstahl geistigen Eigentums. Auch
Sehende können blind sein.
Anfangs sträubten sich auch die Universitäten, reagierten mit
Abwehrreflexen gegen die Kritik der Plagiatsjäger. Die Hochschulen
wollten sich einfach nicht getäuscht fühlen, denn das wäre ein
Eingeständnis mangelnder wissenschaftlicher Sorgfalt gewesen. Doch
mit der Zeit mussten sie die Fehler annehmen, damit sie daraus etwas
lernen können.
Der Selbstreinigungsprozess ist aber nicht mehr aufzuhalten. Dafür
muss man letztlich Guttenberg und Co. dankbar sein.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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