- 06.09.2011, 21:00:36
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 7. September 2011. Von KATHARINA ZIERL. "Integration braucht Innovation".
Innsbruck (OTS) - Unertitel: Die erfolgreiche Integration von
Migranten bedarf neuer, zielgerichteter Lösungsansätze. Die
Privatschul-Initiative einiger türkischstämmiger Unternehmer zählt
nicht dazu, treibt sie doch eher die Parallelgesellschaft voran.
Die Nachricht hat eingeschlagen. Emotionalen Staub aufgewirbelt.
Türkischstämmige Unternehmer wollen in Tirol ein Privatgymnasium
realisieren. Um - wie sie selbst sagen - den Migrantenkindern die
Integration zu erleichtern. Der Aufschrei im Land war und ist groß.
Das überrascht nicht, enthält diese Mitteilung doch einiges an
Zündstoff. Nicht nur auf den ersten Blick.
Der Versuch der Türken, eine Schule ganz nach den Vorstellungen und
Bedürfnissen der eigenen Kultur einzurichten, ist legitim. Zu
hinterfragen, welche Intention hinter einem derartigen Vorhaben
steckt, allerdings auch. Und zwar fernab von unnötigen
fremdenfeindlichen Pauschal-Verurteilungen, die nur Ängste schüren
und inhaltlich überflüssig sind.
Integration braucht Innovation. Ziel muss es also sein, Lösungen zu
finden. Lösungen, die Barrieren und Vorurteile abbauen. Ob die
Initiative einiger türkischstämmiger Unternehmer einen derartigen
Lösungsansatz bietet, ist zweifelhaft. Separiert sich eine Gruppe
bewusst, kann das nicht zur Integration beitragen. Vielmehr werden
vorhandene Berührungs-ängste größer, den Kindern wird indirekt
suggeriert, dass sie nicht Teil der österreichischen Gesellschaft
sind.
Das nach außen wirkende Signal der Absonderung wiederum hat zur
Folge, dass die Vorurteile gegen Ausländer neue, ungesunde Nahrung
erhalten und das Aufeinanderzugehen in weite Ferne rückt. Statt einem
Miteinander kann es dann - wie auch bislang schon vielerorts - nur
ein gegenseitig mehr oder weniger geduldetes Nebeneinander der
unterschiedlichen Kulturen geben.
Dabei könnten gerade Kinder im unkomplizierten Umgang miteinander
vorhandene Barrieren abbauen. Dafür braucht es allerdings Eltern, die
dazu bereit sind, ihre Kinder offen und frei von kulturellem Ballast
in die Welt zu schicken. Sowohl auf österreichischer als auch auf
ausländischer Seite.
Neben der Bereitschaft von Migranten, sich aktiv integrieren zu
wollen, und der Toleranz von Einheimischen, das auch zuzulassen,
braucht es allerdings geeignete Einrichtungen, die genau das
ermöglichen. Kinder mit Migrationshintergrund müssen besser gefördert
werden. Ihre Bedürfnisse müssen im Schulsystem Platz finden. Kein
einfaches, aber ein dringend notwendiges Unterfangen. Zumindest dann,
wenn Integration mehr sein soll als ein plakativer, aber
inhaltsleerer Begriff, der sich gut für Wahlkämpfe eignet.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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