- 01.09.2011, 21:00:33
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 2. September 2011 von Katharina Zierl "Österreich braucht Bildungsnachhilfe"
Innsbruck (OTS) - Utl.: Österreichs Universitäten platzen aus
allen Nähten, der Anteil an ausländischen Studenten ist nicht nur in
Innsbruck frappierend. Pseudoinnovative Impulse wie die
Voranmeldepflicht bringen das Bildungssystem keinen Schritt weiter.
Die gute Schulnachricht zuerst: An österreichischen Universitäten
wird niemand benachteiligt. Bei uns darf jeder studieren, denn
Diskriminierungen gilt es in jedem Fall zu vermeiden. Freier Zugang
zur Bildung für alle also. Auch für unsere deutschen Nachbarn, die
das Angebot der freien Bildung nur allzugerne nutzen und die
heimischen Unis geradezu stürmen.
Die Folge des Andrangs: Österreichs Universitäten sind überlaufen,
Masse löst Klasse immer öfter ab. Eine Entwicklung, die so nicht mehr
zu verantworten ist. Es herrscht dringender Handlungsbedarf.
Zielführende Maßnahmen sollten am Stundenplan stehen. Anstattdessen
fährt die Politik mit der verpflichtenden Voranmeldung wieder einmal
eine - diesmal bereits vorprogrammierte - Niederlage ein.
Dass eine generelle Diskriminierung von ausländischen Studenten an
Österreichs Unis in der Europäischen Union rechtlich nicht haltbar
und dem Gemeinschaftsgedanken nicht dienlich ist, mag stimmen. Wenn
die Qualität der Bildung allerdings leidet, müssen Grenzen gesetzt
werden. Rechtsexperten sehen durchaus Möglichkeiten, um den Anstrum
aus dem Ausland zumindest zu bremsen. Es gebe Schlupflöcher. Und
genau diese müssen bis zum Letzten ausgenutzt werden.
Auch in Sachen Studiengebühren kommt das Schlagwort des freien
Bildungszugangs regelmäßig aufs Tapet. Plakativ und immer wieder dann
enthusiastisch eingesetzt, wenn die Debatte um Studiengebühren wieder
einmal Teil des politischen Kleinkriegs geworden ist. Niemand soll
ausgegrenzt werden, finanziell schlechter gestellte Familien dürften
nicht unter Gebühren leiden. Massenwirksame Ansagen, die vielerorts
ungefilterte Zustimmung finden.
Fakt ist, dass Familien, die sich das Studium für ihren Nachwuchs
nicht leisten können, unterstützt werden. Die Studiengebühren werden
im Falle von sozialer Bedürftigkeit zur Gänze ersetzt. Ein nicht ganz
unwesentliches Detail, das in der öffentlichen Debatte von
Studiengebühr-Gegner gern verschwiegen wird.
Österreichs Unis brauchen Geld. Gebühren allein können das
finanzielle Defizit nicht decken, aber zumindest einen wesentlichen
Beitrag leisten.
Es gilt, endlich die heißen Bildungseisen anzupacken. Und sowohl bei
Zugangsbeschränkungen als auch bei Studiengebühren Maßnahmen zu
setzen, die zwar unpopulär, aber wirksam sind.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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