- 26.08.2011, 08:45:03
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Japan senkt Radioaktivitäts-Grenzwerte für Schulen
GLOBAL 2000: Erfolg für Partnerorganisation Friends of the Earth Japan - Schulkinder leben jedoch weiterhin in radioaktivem Minenfeld
Wien (OTS) - Das japanische Wissenschaftsministerium hat heute
angekündigt, endlich die Radioaktivitätsgrenzwerte für Schulen auf
den westlichen Grenzwert von 1 Millisievert pro Jahr zu senken.
Unmittelbar nach dem Super-GAU in Fukushima waren sie angehoben
worden: "Die Anhebung der Grenzwerte auf die Jahresdosis eines
deutschen Atomkraftwerks-Arbeiters - 20 Millisievert - war eine
wahnsinnige Verzweiflungstat der japanischen Regierung, um nicht
zugeben zu müssen, dass ein viel größeres Gebiet als die
Evakuierungszone stark radioaktiv belastet ist", berichtet Akiko
Yoshida von japanische Partnerorganisation von GLOBAL 2000, Friends
of the Earth Japan. "Wir haben zusammen mit Wissenschaftlern und
Eltern aus der betroffenen Region seit Monaten für die Senkung der
Grenzwerte und flächendeckende Radioaktivitätsmessungen
kampagnisiert, diese Senkung ist ein großer Erfolg für uns. Es ist
aber klar, dass der jetzt angesetzte Grenzwert nur durch Rechentricks
einhaltbar ist -- die Kinder dürfen sich nur einen Teil des Tages in
so stark belasteten Schulen aufhalten, und radioaktive Nahrungsmittel
dürfen auch nicht ins Schul-Mittagessen gelangen."
Schulkinder im verstrahlten Gebiet: Bitte nicht ans Fenster setzen
Durch die radioaktiven Freisetzungen aus den explodierten Reaktoren
und das verdampfende hochradioaktive Kühlwasser wurde eine viel
größere Region als die von der Regierung festgelegte 20 km-Zone um
das havarierte AKW radioaktiv verstrahlt. In Schulen der 60 Kilometer
entfernten Großstadt Fukushima ist der Boden so stark mit langlebigen
Cäsium-Isotopen belastet, dass die Radioaktivität in der Luft immer
noch bei bis zu 2,1 Mikrosievert pro Stunde liegt - oder 18
Millisievert pro Jahr. "Die Regierung hat im Juli ausführliche
Messungen mit Dosimetern in den 55 Schulen der Region durchführen
lassen, in denen selbst der viel zu hohe Grenzwert von 20
Millisievert überschritten worden wäre", berichtet Dr. Reinhard
Uhrig, Atomexperte von GLOBAL 2000. "Man hat dann einfach im
Schulgebiet die Erde oberflächlich abgetragen und durch unbelastete
Erde ersetzt, um die Strahlungsdosis zu senken. Diese Verbesserung
ist jedoch nur punktuell - die Schulwege sind weiterhin verseucht.
Besonders belastet sind die Straßenkanäle, an denen die Schulwege oft
entlangführen. Dort hat sich radioaktiver Schlamm angesammelt."
Keine Freiluftaktivitäten möglich
Die im Juli veröffentlichten Messungen ergeben auch, dass die jetzt
vorgegebenen Grenzwerte nur eingehalten werden können, wenn die
Schulen Freiluft-Aktivitäten wie Sport oder den Gebrauch von
Pausenhöfen und Spielplätzen sehr stark einschränken oder ganz
verbieten: 41 Schulen erlauben den Aufenthalt für SchülerInnen im
Freien nur stundenweise, 13 gar nicht. Nur eine Schule konnte die
Kinder wieder unbegrenzt ins Freie lassen.
Selbst innerhalb der Schulgebäude gibt es Unterschiede in der
Strahlenbelastung durch die Nähe zu den Fenstern - je weiter man sich
im Inneren des Klassenzimmers befindet, desto niedriger ist die
Belastung. "Es zeigt sich, dass hier höchstens Schadensbegrenzung
betrieben werden kann. Niemand kann ausschließen, dass Kinder in
diesem radioaktiven Minenfeld mit hochradioaktiven Stellen in
Berührung kommen. Wir erwarten innerhalb der kommenden Jahre eine
statistisch signifikante Erhöhung der Krebserkrankungen bei
japanischen Schulkindern", erklärt Uhrig. "Die Regierung muss die
Belastung des gesamten betroffenen Gebietes lückenlos kontrollieren
und weitere besonders stark belastete Gebiete evakuieren lassen --
wie dies auch nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl in der
Ukraine und Weißrussland gemacht werden musste."
Rückfragehinweis:
GLOBAL 2000
Nunu Kaller
Tel.: +43 699 1 42000 20
mailto:[email protected]
www.global2000.at
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