• 11.08.2011, 21:00:33
  • /
  • OTS0192 OTW0192

TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 12. August 2011, von Nina Werlberger: "Pensionsschock auf Raten"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Private und betriebliche
Pensionsvorsorge-Modelle sollten die Lücke im staatlichen System
schließen. Sie scheitern nicht nur an Börse-Turbulenzen, sondern auch
an dilettantischen Fehlern und Reform-Unwillen.

Das österreichische Pensionssystem mit seinen drei Säulen kann man
sich nicht nur optisch als griechischen Tempel vorstellen - es ist
auch so einsturzgefährdet wie viele antike Bauten. Dass die erste
Säule bedrohlich wankt, haben die Österreicher längst akzeptiert und
erwarten nicht viel von der staatlichen Pension. Heute erhalten 3,5
Arbeitskräfte einen Pensionisten, in zwanzig Jahren müssten diese
Last 2,3 Aktive schultern - die Konsequenzen sind klar. Die Politik
hat die Österreicher erfolgreich zu Selbervorsorgern erklärt, um die
klaffende Lücke zu schließen - mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass
sich eine Alles-wird-gut-Stimmung breitmachte, Millionen Bürger
hoffnungsfroh in private Pensionsfonds einzahlten und Unternehmen
Milliarden in Pensionskassen anlegten. Mittlerweile ist klar: Aus der
schönen neuen Pensionswelt wird nichts, denn auch der zweite und
dritte tragende Pfeiler des Pensionstempels sind arg ins Wanken
geraten. Die betriebliche Vorsorge (2. Säule) und die Privatpension
(3. Säule) ächzen bedrohlich unter den Turbulenzen an den Börsen,
dilettantischen Konstruktionsfehlern und Reform-Unwillen.
Österreichs Firmenpensionisten drohen für den Zeitraum 2000 bis
2010 Kürzungen von bis zu 45%. 15.000 Tiroler sind davon betroffen,
Zehntausende zukünftige Senioren sehen ihre Zusatzrente bröckeln.
Gründe für das Debakel sind unrealistische Renditeziele gepaart mit
der Achterbahnfahrt an den Kapitalmärkten, wo die Pensionskassen die
Gelder vielfach veranlagt haben. Seit zweieinhalb Jahren wird
ergebnislos an einer Reform gearbeitet.
Nicht viel besser sieht die Situation bei der privaten Vorsorge,
der 3. Säule, aus. Die staatlich geförderte "Zukunftsvorsorge" lockte
seit 2003 rund 1,5 Mio. Österreicher an, indem sie satte Gewinne
durch Zocken an den Börsen bei gleichzeitiger totaler Sicherheit des
Kapitals versprach - ein Ding der Unmöglichkeit. Als die Börsen in
der Finanzkrise in den Keller rasselten, war von Gewinnen keine Rede
mehr. Den meisten bleibt aktuell kaum mehr als ihr Kapital mit der
Prämie. Dazu sind die Vorsorgeprodukte kompliziert, intransparent,
teuer und können nicht vorzeitig gekündigt werden.
Um die angeknacksten Pensionssäulen und damit die Altersvorsorge
der Österreicher vor dem Umkippen zu bewahren, braucht es dringend
eine schonungslose Reform. Natürlich ist eine kränkelnde
Zusatzpension besser als gar keine. Aber die Probleme dürfen deshalb
nicht weiter beschönigt werden. Sonst droht Österreich sehr bald ein
finanzieller Pensionsschock auf breiter Front.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel