• 10.08.2011, 21:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Donnerstag, 11. August 2011, von Mario Zenhäusern: "Dokumentation des Versagens"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die Probleme der Lebenshilfe Tirol
sind nicht erst heuer entstanden: Jahrelang haben Führungsspitze und
Aufsichtsrat es verabsäumt, auf das explosionsartige Wachstum zu
reagieren. Der jetzige Schlussstrich ist auch eine Chance.

Der Endbericht der Expertenkommission in Sachen Lebenshilfe ist der
vorläufige Schlusspunkt einer öffentlichen Debatte, die über weite
Teile untergriffig geführt wurde. Das 13-seitige Papier ist nicht
mehr und nicht weniger als eine Dokumentation des kollektiven
Versagens: erstens der früheren Lebenshilfe-Spitze, die sich im Laufe
der Jahre weit vom eigentlichen, humanitären und sozialen Gedanken
der Lebenshilfe entfernt hat, und zweitens des Aufsichtsrates. Der
ist seiner Funktion als Kontrollorgan nicht oder nur sehr bedingt
nachgekommen und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, vieles von
dem, was jetzt zu Recht angeprangert wird, geduldet zu haben.
Die Lebenshilfe Tirol ist in den 47 Jahren seit ihrer Gründung
nicht nur gewachsen. Sie ist regelrecht explodiert. Derzeit betreuen
rund 1000 Mitarbeiter in 79 Einrichtungen und 111 Wohngemeinschaften
mehr als 1200 Personen mit Behinderung.
Auf dieses rasante Wachstum haben die Verantwortlichen viel zu
träge reagiert. Der Versuch, die inneren Strukturen an die neuen
Bedingungen anzupassen, der Lebenshilfe ein ihrer Größe
entsprechendes Management zu verpassen, verpuffte. Er musste
verpuffen, weil die wahren Machthaber in der Lebenshilfe auch danach
schalteten und walteten, wie sie wollten.
Die Rücktritte des Präsidenten sowie des früheren Direktors auf
der einen sowie die Neuausschreibung der Geschäftsführung auf der
anderen Seite machen jetzt den Weg frei für einen soliden Neuanfang.
Der Expertenbericht ist dabei so etwas wie eine Checklist, was zu
tun, vor allem aber, was künftig zu unterlassen ist.
Was im Bericht nicht steht, was aber trotzdem unbedingt notwendig
ist, um verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen, ist totale
Transparenz. Es kann und darf nicht sein, dass die Lebenshilfe für
ihre Klienten Millionenbeträge von Land und Bund kassiert, den
Hauptfinanziers aber jede Einsicht in die Bücher verweigert. Wer
öffentliche Gelder bekommt, muss Rechenschaft darüber ablegen, wie er
diese Gelder verwendet hat. Dieser Grundsatz muss auch für die
Lebenshilfe gelten.
Detail am Rande: Das Land Tirol hat sich bisher damit begnügt, der
Lebenshilfe über einen (von LH Herwig van Staa mit dem
Lebenshilfe-Präsidenten Hanspeter Zobl ausverhandelten) Rahmenvertrag
jährlich an die 40 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. In
Zukunft wird wohl ein Vertreter des Landes im Aufsichtsrat sitzen.
Wie überall sonst auch, wo das Land Hauptgeldgeber ist.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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