- 04.08.2011, 21:00:32
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. August 2011. Von NINA WERLBERGER. "Neue Gefahr aus dem Süden".
Mit Italien und Spanien erreicht die Schuldenkrise eine neue Dimension. Europa braucht jetzt eine Anwort.
Innsbruck (OTS) - Die Eurozone ist zum chronischen Patienten
geworden, bei dem offenbar keine Medizin mehr anschlägt. Keine
milliardenteuren Notfall-tropfen, keine Beruhigungspillen der
Zentralbank, keine aufmunternden Worte der Politiker. Nur zwei Wochen
nach der erneuten Griechenland-Rettung wird an den Märkten nun munter
auf eine vermeintliche Pleite Italiens und Spaniens gewettet. Damit
ist die Lage so dramatisch wie kaum je zuvor in der Schuldenkrise:
Wenn Italien als drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone kippt, dann
wäre das zweifellos eine Bedrohung für die gesamte Währung - und
letztlich für alle 17 Eurostaaten inklusive Österreich. Ähnlich
kritisch würde es sich mit dem gewichtigen Euroland Spanien
verhalten, das im Fall der Fälle den Eurokrisenfonds wohl sprengen
würde.
Die Gefahr aus dem Süden ist existenziell, und sie kann nur mit
radikalem und beherztem Eingreifen gebannt werden. Homöopathische
Arznei wie die jüngste EU-Idee, den Rettungsfonds noch weiter
auszuweiten, wird kaum reichen. Die Zeit drängt. Den Politikern der
Euroländer muss es jetzt gelingen, möglichst zu verhindern, dass
Italien und Spanien in einen Teufelskreis geraten. Denn landen die
Südeuropäer erst in diesem verhängnisvollen Strudel aus Zweifeln,
hohen Zinsen, Vertrauensverlust und damit noch größeren Zweifeln und
höheren Zinsen, dann droht dem Euro tatsächlich der Kollaps.
Zwingend ist, dass die Staaten ihre Hausaufgaben machen und die
Haushalte konsolidieren, um neues Vertrauen aufzubauen. Doch darüber
hinaus ist jener "Plan B" unumgänglich, um den sich alle Beteiligten
bisher gedrückt haben. Für den Ernstfall braucht es eine radikale
Kur. Wenn es nicht mehr anders geht, dann sollte ein Euroland auch
geordnet pleitegehen und sich neu aufstellen können.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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