• 04.08.2011, 09:12:18
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GLOBAL 2000 warnt: Evakuierungszone 30 km um Fukushima soll aufgehoben werden

Aus wirtschaftlichen Überlegungen werden Strahlungsrisiken verharmlost und Kinder zu Versuchskaninchen

Wien (OTS) - Vor fast genau fünf Monaten kam es im japanischen
Atomkraftwerk Fukushima nach einem zerstörerischen Tsunami zu drei
Kernschmelzen, es traten massive Mengen an radioaktiven Stoffen in
die Umgebung aus. Erst am Montag veröffentlichte der Betreiber TEPCO
Dosiswerte von 10 000 mSv pro Stunde zwischen Reaktor 1 und 2, was
der Jahresdosis für einen Menschen in Westeuropa pro Sekunde
entspricht. Die Bevölkerung im Umkreis von 20 km um die Atom-Wracks
wurde evakuiert, die Bevölkerung im 30-km-Radius gewarnt, sich auf
eine Evakuierung vorzubereiten, insbesondere Schwangere und
Kleinkinder sollten sich in geschlossenen Räumen aufhalten - seit
fünf Monaten. Nun will die japanische Regierung die
Evakuierungsvorgabe per Ende August aufheben: "Die betroffene Zone
soll als bewohnbar erklärt werden. Diese Ankündigung kommt nur drei
Tage nach Veröffentlichung der gemessenen Rekordwerte. Hier stehen
eindeutig wirtschaftliche Interessen über dem öffentlichen Auftrag
des Schutzes von Menschenleben", zeigt sich Dr. Reinhard Uhrig,
Atomexperte von GLOBAL 2000, entsetzt: "Besonders die Kinder der
Gegend macht dies zu Versuchskaninchen - und alles nur, weil TEPCO
schlicht kein Geld für Entschädigungszahlungen hat."

In der Ortschaft Namie 24 km entfernt von den Atom-Wracks liegen die
Strahlenwerte bei 30 Mikrosievert pro Stunde - nach 3,5 Stunden
entspricht dies in etwa einem Lungenröntgen für alle Personen, die
sich in der Stadt aufhalten, oder 7 Lungenröntgen pro Tag. Dennoch
wurde die Stadt erst verspätet evakuiert. "Bei medizinischen Röntgen
werden alle Schutzmaßnahmen getroffne, um die Strahlenbelastung für
den Körper möglichst gering zu halten . Bei Verstrahlung ganzer
Landstriche geht es plötzlich viel pragmatischer zu", betont Uhrig.
Obendrein kam es nicht nur innerhalb von 30 km rund um das
Atomkraftwerk zu massiven Verstrahlungen: In Iitate 34 km entfernt
von den Fukushima-Reaktoren liegt der Wert z. B. noch bei 12
Mikrosievert - alle 8 Stunden ein Lungenröntgen oder 3 pro Tag.

45 Prozent der Kinder mit radioaktivem Jod belastet

Es gibt erschreckende Parallelen zu Tschernobyl, auch dort wurde die
Bevölkerung unnötig kontaminiert. Die Grenzwerte für die Gabe von
Jodtabletten in Japan wurden auf 100 mSv Strahlendosis angesetzt (die
WHO empfiehlt 50 mSv für Erwachsene, 10 mSv für Kinder) - nur die
Evakuierten in der 20 km-Zone haben Jodtabletten erhalten, eine
Jod-Gabe in einem viel größeren Radius von mindestens 150 km wäre
jedoch nötig gewesen: 45 % von über 1000 untersuchten Kindern
außerhalb des Fukushima-Sperrgebiets haben laut einer im Juli
veröffentlichten Studie radioaktives Jod in der Schilddrüse
eingelagert, ein einjähriges Kind eine so hohe Dosis, dass es allein
von dieser Jod-Dosis auf eine Jahresdosis von 50 mSv kommt - mehr als
die doppelte Dosis eines deutschen AKW-Arbeiters.

Die japanische Regierung hat - auch aufgrund des massiven Drucks von
NGOs wie der GLOBAL 2000-Partnerorganisation Friends of the Earth
Japan - angekündigt, den Grenzwert für Kinder durch Strahlenbelastung
aus dem Boden von jährlich 20 mSv per Ende August senken zu wollen.
"Die nun geplante Aufhebung der Evakuierungszone bewirkt jedoch das
Gegenteil", zeigt sich Uhrig alarmiert. Im Laufe der Explosionen
wurden nicht nur kurzlebige Radionuklide wie Jod in die Umgebung
ausgeworfen, sondern neben Plutonium und Strontium auch große Mengen
Cäsium mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren - die betroffenen
Landstriche wären erst nach 300 Jahren wieder bewohnbar. "Das ist
vergleichbar mit dem historischen Zeitraum seit der Geburt von Maria
Theresia - wenn bei ihrer Geburt am 13. Mai 1717 ein AKW explodiert
wäre, wäre die Gegend erst heute wieder bewohnbar. Wieder zeigt sich,
wie unverantwortlich der Weiterbetrieb von AKWs ist. Fukushima zeigt:
Hochrisikoreaktoren jetzt abschalten, alle anderenso schnell wie
möglich."

Rückfragehinweis:
GLOBAL 2000
Nunu Kaller
Tel.: +43 699 1 42000 20
mailto:[email protected]
www.global2000.at

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