- 29.07.2011, 21:00:33
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 30. Juli 2011 von Mario Zenhäusern "Die zwei Welten des HC Strache"
Der FPÖ-Chef will in die politische Mitte, streift aber immer wieder am rechten Rand - ein Widerspruch.
Innsbruck (OTS) - Heinz-Christian Strache ist ein Gespaltener. Auf
der einen Seite gibt sich der FPÖ-Chef seit Monaten betont
staatsmännisch, tunlichst darauf bedacht, alles zu vermeiden, was
seinem großen Ziel - die Freiheitlichen politisch an die Spitze zu
führen - schaden könnte. Der Fall Königshofer kam ihm da gerade
recht. Der Parteiausschluss des unbelehrbaren rechten Rabauken soll,
zumindest aus Straches Sicht, die Distanzierung der FPÖ von
ewiggestrigem Gedankengut belegen. Eine Taktik, die auch Straches
Vorbild und politischer Ziehvater Jörg Haider erfolgreich anwendete
und die ihn schließlich mit Hilfe der ÖVP an die Schalthebel der
Macht führte.
Auf der anderen Seite tummeln sich in der FPÖ nach wie vor Personen,
die Königshofers krudem Gedankengut immer noch einiges abgewinnen
können. Politiker wie Martin Graf, Susanne Winter oder Barbara
Rosenkranz, um nur einige zu nennen, stehen für ein Weltbild, das so
gar nicht ins Konzept des neuen HC Strache passen will. Zu einer
eindeutigen Distanzierung konnte oder wollte sich der Parteichef
bisher aber nicht durchringen. Auch die Tatsache, dass sich der blaue
Strahlemann gern im Licht bekannter ausländischer Rechtsausleger
sonnt, widerspricht der These vom geläuterten Spalter, Hetzer und
Populisten.
Trotz dieses Gegensatzes ist HC Strache jüngsten Umfragen zufolge
drauf und dran, die beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP zu
überholen. Das liegt aber nicht in erster Linie an der FPÖ und ihren
Versuchen, sich politisch in der Mitte zu positionieren. Vielmehr ist
die Untätigkeit der Regierung für Straches Aufstieg verantwortlich.
Die macht derzeit übrigens Sommerpause. Zu spüren ist das kaum: Wer
den politischen Stillstand zur Regierungsform erhebt, muss nicht
notwendigerweise physisch anwesend sein.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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