- 10.06.2011, 09:00:44
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Leichte Wachstumsabschwächung auf hohem Niveau
Wien (OTS/WIFO) - Nach der kräftigen Dynamik seit Herbst 2010
kündigt sich nun eine gewisse Abschwächung der internationalen
Konjunktur an. Während aus Asien nach wie vor starke Wachstumsimpulse
kommen, lassen die jüngsten Daten in den USA und im Euro-Raum für das
II. Quartal eine anhaltende, aber verlangsamte Expansion erwarten.
Auch in Österreich dürfte das Wirtschaftwachstum im II. Quartal etwas
schwächer ausfallen als im I. Quartal. Der Preisauftrieb ist laut
Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) im Euro-Raum
weiterhin mäßig, in Österreich liegt die Inflationsrate allerdings
deutlich über dem Durchschnitt des Euro-Raumes.
Die Weltwirtschaft behält ihren Expansionskurs bei. Nach wie vor
kommen die stärksten Wachstumsimpulse aus den asiatischen
Schwellenländern. In den USA und im Euro-Raum zeigten sich aber
zuletzt Anzeichen einer gewissen Abschwächung der Dynamik.
In den USA fiel das Wirtschaftswachstum bereits im I. Quartal 2011
mit +0,5% gegenüber dem Vorquartal gedämpft aus. Die jüngsten Daten
für das II. Quartal zeigen einen anhaltend mäßigen Aufschwung.
Insbesondere sank im Mai der Purchasing Manager Index im
Sachgüterbereich deutlich. Gleichzeitig verläuft die Erholung auf dem
Arbeitsmarkt nach wie vor zäh, die Arbeitslosenquote steigt seit
April wieder geringfügig. Auch die Debatte um die Entwicklung der
Staatsfinanzen dürfte die Stimmung derzeit belasten.
Im Euro-Raum nahm das BIP im I. Quartal mit +0,8% gegenüber dem
Vorquartal kräftig zu (IV. Quartal 2010 +0,3%). Regional bleibt die
Entwicklung uneinheitlich: Vom lebhaften Wachstum in Deutschland
(+1,5%) profitierten auch die Nachbarländer. Die Volkswirtschaften
des südlichen Euro-Raumes entwickelten sich dagegen wesentlich
schwächer, belastet durch die Staatsschuldenkrisen und die hohe
Arbeitslosigkeit. Konjunkturumfragen deuten auch für den Euro-Raum
auf einen anhaltenden, möglicherweise jedoch etwas schwächeren
Aufschwung im II. und III. Quartal hin: Der Vertrauensindex für die
Industrie sank im Mai geringfügig, und auch die Geschäftserwartungen
laut ifo-Index sind seit zwei Monaten leicht rückläufig.
Dank der lebhaften Steigerung der Sachgütererzeugung wuchs die
österreichische Wirtschaft im I. Quartal gegenüber der Vorperiode um
0,9%. Die vorlaufenden Indikatoren aus dem WIFO-Konjunkturtest vom
Mai 2011(Produktionserwartungen, Geschäftslage in sechs Monaten)
zeigen jedoch ebenfalls einen leichten Rückgang auf die Werte vom
Herbst 2010. Die Auftragsbestände beurteilen die Sachgütererzeuger
aber nach wie vor günstig. Weiterhin schwach entwickelt sich der
Tiefbau, der Produktionsindex lag im Februar um 10,4% unter dem
Vorjahreswert. Die Tourismusumsätze fielen in der Wintersaison
2010/11 um 1,0% geringer aus als im Vorjahr.
Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website (
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 )
Die Erholung des Arbeitsmarktes hält an: Saisonbereinigt stieg die
aktive Beschäftigung im April und Mai 2011 gegenüber dem Vormonat um
0,1% bzw. 0,2%. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote beträgt nach
österreichischer Berechnungsmethode seit Jänner unverändert 6,7%.
Die Rohstoffpreishausse verstärkt die Inflation in den
Industrieländern. Im Euro-Raum erreichte die Inflationsrate im April
2011 laut HVPI 2,8%. Der Preisauftrieb ohne Energie und
unverarbeitete Nahrungsmittel ist aber nach wie vor mäßig (April
1,8%). In Österreich betrug die Inflationsrate laut nationalem VPI im
April 3,3%, die Kerninflationsrate (ohne Energie und unverarbeitete
Nahrungsmittel) lag bei 2,6%. Die Kerninflationsrate laut HVPI war
mit 2,9% um 1,1 Prozentpunkte höher als im Durchschnitt des
Euro-Raumes.
Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der
WIFO-Website ( http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 )
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen"
Bezug genommen.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.
Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).
Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.itkt.at/ ). Die Indikatoren sind
Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen
Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".
Rückfragehinweis:
Dr. Gerhard Rünstler
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-234 * Fax. +43 1 798 93 86
[email protected]
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