- 14.05.2011, 11:54:46
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ÖGJ-Kongress: Bundespräsident Fischer: Gleiches Recht auf Bildung nicht praktisch umgesetzt
32. Bundesjugendkongress des ÖGB unter dem Motto "Plan B-ildung - Wir beseitigen die Schieflage!" eröffnet
Wien (OTS/ÖGB) - "Die Gewerkschaftsjugend ist ein Teil der
Gewerkschaftsbewegung, und die ist, historisch bewiesen, ein
unverzichtbarer Teil der Demokratie, und wenn es darum geht, aus
einer Marktwirtschaft eine soziale Marktwirtschaft zu machen", sagte
Bundespräsident Heinz Fischer: "Wenn man eine Gesellschaft sich
selbst überlässt, wird sie in der Macht- und in der Vermögenspyramide
steiler werden. Entgegenwirken ist eine Aufgabe der Demokratie und
der Gewerkschaftsbewegung."
"Es ist mir ein Bedürfnis, dass wir eine starke, lebendige, mutige
Gewerkschaftsjugend haben. Wer, wenn nicht ihr, sollt aufstehen und
dagegen ankämpfen, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und
Aggressivität gegen Menschen mit anderer Sprache toleriert werden",
sagte Fischer. Engagement sei auch in der Bildungspolitik notwendig:
"Alle Menschen haben das gleiche Recht auf Bildung, sagt die
Europäische Menschenrechtskonvention. Das Prinzip wird allgemein
anerkannt, aber die Praxis entspricht noch nicht diesem Prinzip."
Willkürlich werde zu einem beliebigen Zeitpunkt selektiert, für
welche Kinder welcher Bildungsweg vorgesehen sei.
Werner Faymann: Aufstehen und für soziale Gerechtigkeit kämpfen
"Nur durch Beteiligung an der Demokratie kann man etwas bewegen. Wenn
man nur zuhause bleibt, überlässt man Veränderung den anderen -
denen, die sie nicht menschen- und jugendfreundlicher machen wollen",
warnte Bundeskanzler Werner Faymann. Er kritisierte, dass jene
Kräfte, die immer einen schwachen Staat verlangt hätten, in der
Wirtschaftskrise auf einmal verlangt hätten, "dass der Staat stark
genug sein soll, um die Banken zu retten und die Krise zu beseitigen.
Die Armut, die in der Krise gestiegen ist, ist noch lange nicht
beseitigt, aber jetzt kommen dieselben wieder und verlangen die
Kürzung von Sozialbudget und die Kürzung der Löhne unter dem Titel
der Wettbewerbsfähigkeit." Das ist ein Europa gegen die
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, dagegen müssen wir nicht nur
wachsam sein, sondern auch aufstehen und für soziale Gerechtigkeit
auftreten. "Mit Sozialkürzungen kann man vielleicht besser Schulden
zurückzahlen, aber man gefährdet den sozialen Zusammenhalt", schloss
Faymann.
Barbara Prammer: Besonders auf die Mädchen schauen
"Wir müssen, was die Lehrausbildung betrifft, ganz besonders auf die
Mädchen schauen. Dabei müssen auch die Unternehmen mitspielen: Mehr
Frauen in die Technik", orderte Nationalratspräsidentin Barbara
Prammer: "Man muss den Mädchen auch in nicht traditionellen
Frauenberufen eine Chance geben. Prammer betonte dann die Wichtigkeit
eines hohen Bildungsniveaus für die Gesellschaft: "Es gibt keine
Demokratie ohne ein gutes Bildungssystem. Ein demokratisches System
mit Rechten und Verpflichtungen ist ein Wert an sich, macht aber auch
die Qualität des Standorts aus." Man müsse den sozialen Zusammenhang
in den Mittelpunkt stellen.
Claudia Schmied: Bildungspolitik ist kein Abendspaziergang
"Bildungspolitik ist kein Abendspaziergang an der alten Donau,
sondern eine harte Bergtour. Wir müssen gemeinsam hart an einem
besseren Bildungssystem arbeiten", sagte Unterrichtministerin Claudia
Schmied: "Bildungspolitik ist Wirtschaftspolitik, Sozial- und
Gesellschaftspolitik. Wohlstand und Demokratie hängen von der
Bildungspolitik ab, deshalb müssen wir das Bildungsniveau anheben."
Zu den Anträgen des Jugendkongresses sagte Schmied: "Bildung ist
zentral für unsere Regierungsarbeit. Ich kann nur sagen, ich begrüße
jeden einzelnen Punkt, den ihr in euren Anträgen bei diesem Kongress
fordert. Ich freue mich, dass ich die Sozialpartner in der
Bildungspolitik an meiner Seite weiß."
Erich Foglar: Nicht jammern, sondern Jugendliche ausbilden
"Wenn es um die Zukunft der Jugend geht, kann man an Bildung einfach
nicht vorbeikommen. Nichts ist berechtigter als der Slogan: Die
Schieflage beseitigen!", sagte ÖGB-Präsident Erich Foglar: "Das
System gehört radikal geändert, das beginnt bei einer gemeinsamen
Schule. Wir müssen Stärken stärken und Schwächen schwächen statt
selektieren und aussortieren."
Eine Schieflage gebe es aber auch bei der Lehrlingsausbildung: "Wir
haben viel zu viele Trittbrettfahrer, die von den gut ausgebildeten
Fachkräften profitieren wollen, deren Ausbildung andere finanzieren."
Österreich könne nur mit gut ausgebildeten Facharbeitern und einem
hohen Bildungsniveau die Zukunft bestreiten. Wer sich über
Fachkräftemangel beklagt, hat als oberste Verpflichtung, Fachkräfte
auszubilden. An die Wirtschaft gerichtet, sagte Foglar: "Nicht über
Fachkräftemangel jammern, sondern Jugendliche einstellen und
ausbilden!"
Herbert Tumpel: Mehr Qualität in der Lehrlingsausbildung notwendig
Auch AK-Präsident Herbert Tumpel appellierte an die Unternehmer, mehr
Jugendliche auszubilden: "Nicht immer nur Mangel feststellen,
sondern selber aktiv werden! Es gibt nicht genug Betriebe, die jungen
Menschen eine Ausbildung und damit eine Chance geben." Es gehe aber
nicht nur darum, wie viele Lehrstellen angeboten würden, sondern
auch, wie diese gestaltet seien: "Wir müssen gemeinsam an der
Qualität der schulischen Bildung und der Lehrausbildung arbeiten. Es
gibt viele Betriebe, wo hochwertig ausgebildet wird, aber es gibt
auch die anderen, wo die Qualität wirklich zu wünschen übrig lässt."
Das sei auch der Grund, warum manche Jugendlichen ihre Ausbildung
vorzeitig abbrechen: "Wegen mangelnder Betreuung fallen jungen
Menschen bei den Prüfungen durch, hier muss noch viel passieren",
forderte Tumpel.
Rückfragehinweis:
ÖGB-Öffentlichkeitsarbeit
Florian Kräftner
(0664)301 60 96
[email protected]
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