- 09.03.2011, 11:54:37
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Arbeitsbedingungen in den Gesundheitsberufen: Überlastung muss aufhören!
AK und Gewerkschaften präsentieren aktuelle Studie
Wien (OTS) - (GdG-KMSfB/ÖGB). Die Arbeitsbedingungen in den
Gesundheitsberufen und die daraus resultierende Gefahr der
Überlastung sind für Beschäftigte und PatientInnen nicht länger
tragbar. Die Arbeitsbedingungen in den Gesundheitsberufen müssen
durch rasche Maßnahmen verbessert werden. Das ist die Kernaussage der
heutigen Präsentation der Studie "Arbeitsbelastungen in den
Gesundheitsberufen in Wien und Niederösterreich" durch VertreterInnen
der AK und der Gewerkschaften GdG-KMSfB, GPA-djp und vida.++++
Im Auftrag der AK-Wien, AK-Niederösterreich und der
Niederösterreichischen Ärztekammer hat die Sozialökonomische
Forschungsstelle (SFS) die Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen
in den Gesundheitsberufen am Beispiel Wien und Niederösterreich
untersucht. Nach abgeschlossener Auswertung der Datensätze und
zusätzlichen Interviews mit Beschäftigten der Gesundheitsberufe wurde
diese Studie heute, Mittwoch, in der ÖGB-Zentrale Catamaran
präsentiert.
Die Ergebnisse der Studie sind aus Sicht der AK und der
Gewerkschaften GdG-KMSfB, vida und GPA-djp alarmierend. Gerda
Mostbauer, Vorsitzende des Fachausschusses Gesundheitsberufe der AK
Wien: "Die Beschäftigten gehen nur allzu oft an die Grenzen ihrer
Belastbarkeit. Sie sind wesentlichen Arbeitsbelastungen durch
Arbeitsorganisation, psychischen und körperlichen Belastungen und
durch Probleme im Umgang mit PatientInnen ausgesetzt."
"Die Beschäftigten werden mit ihren Problemen in hohem Maße
allein gelassen", weiß Mostbauer. Rund die Hälfte der Befragten gibt
an, im letzten Jahr keine Maßnahmen der betrieblichen
Gesundheitsförderung erhalten zu haben. Wie wichtig diese für die
Betroffenen wäre, zeigt die Untersuchung ebenfalls: 70 Prozent
fordern einen Rechtsanspruch auf betriebliche Gesundheitsförderung.
Die Forderung der AK und der beteiligten Gewerkschaften: Eine
Offensive zum Gesundheitsschutz soll rasch Abhilfe schaffen.
Bernhard Harreither, Vorsitzender der Hauptgruppe II in der
GdG-KMSfB (Gewerkschaft der Gemeindebediensteten - Kunst, Medien,
Sport, freie Berufe): "Für die Gewerkschaften kommt dieses
erschreckende Studienergebnis nicht überraschend. Durch den Abbau von
Überstunden im Pflegedienst ist der Gegenwert von 600
Vollzeitarbeitsplätzen eingespart worden." Die Beschäftigten in den
Spitälern der Gemeinde Wien leisten heute deutlich mehr als noch vor
zehn Jahren: Bereits umgesetzte
Rationalisierungsmaßnahmen haben dazu geführt, dass auf jeden
Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin immer mehr Arbeit entfällt. Wenn
jetzt auch noch wie geplant die rasche Nachbesetzung freier
Dienstposten verzögert wird, steigt die Belastung für jene, die die
Arbeit der Fehlenden mit erledigen, weiter an.
Es werden heute mehr Leistungen für die gleiche Zahl an PatientInnen
in weniger Spitalsbetten in immer kürzerer Zeit erbracht. Die
GdG-KMSfB fordert daher die rasche Nachbesetzung dieser Dienstposten.
Notwendig ist auch ein Stopp der fortgesetzten Einsparungsmaßnahmen.
Aktuell gibt es beim AMS Österreich 7.000 vorgemerkte freie
Stellen im Gesundheitswesen, die nicht rechtzeitig besetzt werden
können. Willibald Steinkellner, stellvertretender Vorsitzender der
Gewerkschaft vida: "Zu wenige junge Menschen sind bereit, einen Beruf
im Gesundheitsbereich zu ergreifen. Im Gesundheitswesen stehen wir in
den nächsten 30 Jahren vor den größten Zuwachsraten bei der Nachfrage
nach Pflege und Betreuung. Gleichzeitig steht das Gesundheitswesen
unter ständigem Sparzwang." Hinzu kommt ein jetzt schon deutlicher
Mangel an qualifizierten Fachkräften. vida fordert, dass allen
Betreibern von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen per Gesetz ein
Mindestpersonalschlüssel vorgeschrieben wird. Damit soll die
personelle Unterbesetzung unterbunden werden. Zur kurzfristigen
Verbesserung der Situation muss die Sozialmilliarde rasch umgesetzt
werden. Zur nachhaltigen Finanzierung plädiert die Gewerkschaft für
die Einführung eines Pflegefonds, der durch Vermögenssteuern gespeist
werden soll. Um die Arbeitsbedingungen in der mobilen Betreuung und
Pflege zu verbessern, muss außerdem eine Arbeitsplatzevaluierung
durch das Arbeitsinspektorat auch in Privathaushalten ermöglicht
werden.
Werden die Gesundheitsberufe nicht entlastet, drohen harte
Konsequenzen. Barbara Teiber, Regionalgeschäftsführerin der
GPA-djp-Wien: "Burn-Out ist eines der größten und dringendsten
Probleme der Beschäftigten. Besonders wichtig erscheint uns, dass als
erster Schritt unbedingt gesetzliche Standards eingehalten werden.
Einen wichtigen Beitrag dazu leisten BetriebsrätInnen, wenn sie in
Arbeitszeitbelangen das Mitspracherecht aktiv nutzen und die
Arbeitszeiten einer strengen Kontrolle unterwerfen. Wir brauchen
keine Infragestellung der Standards sondern im Gegenteil eine bessere
Bezahlung und eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen."
Rückfragehinweis:
GdG-KMSfB - Referat für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Ronald Pötzl Tel: (01) 313 16 - 83 615, E-Mail: [email protected] GPA-djp Öffentlichkeitsarbeit Mag. Martin Panholzer Tel.: 05 0301-21511, Mobil: 05 0301-61511, E-Mail: [email protected] vida - Presse und Öffentlichkeitsarbeit Martina Fassler Tel: 0664/614 57 32 , E-Mail: [email protected] Informationen im Internet: www.gdg-kmsfb.at, www.vida.at, www.gpa-djp.at
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