TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Donnerstag, 24. Februar 2011, von Peter Nindler: "Eine hart erkämpfte Modellregion"
Die Diskussion über die Doppel-staatsbürgerschaft für Südtiroler muss seriös geführt werden.
Innsbruck (OTS) - Die Frage der Doppelstaatsbürgerschaft für
Südtiroler ist endlich dort gelandet, wo es auch eine Antwort gibt:
im österreichischen Parlament. Die 21.000 Unterschriften sind zu
respektieren und verdienen es, politisch ernst genommen zu werden.
Die Bindung zu Österreich hat für viele Südtiroler einen zentralen
Wert, den sie mit einem rotweißroten Pass noch verstärken wollen.
Denn der italienische wurde ihren Müttern und Vätern nach der
Zerreißung Tirols aufgezwungen.
Südtirol hat nie auf das Selbstbestimmungsrecht verzichtet und das
historische Unrecht konnte auch durch eine umsichtige und beharrliche
Autonomie- und Schutzmachtpolitik in Bozen, Innsbruck und Wien nicht
ungeschehen gemacht werden. Doch die Autonomie ist heute Motor für
die europäische Modellregion Südtirol, die sich trotz der ständigen
Störfeuer der italienischen Zentralregierung behaupten kann. Mit der
Europaregion Tirol, so konturlos sie manchmal auch erscheinen mag,
hat die geistige und kulturelle Landeseinheit einen wichtigen Impuls
bekommen.
Was am Ende der von Südtirols LH Luis Durnwalder geprägten
"dynamischen Autonomie" steht, weiß heute noch niemand. Aber zu oft
wird mit der legitimen Vision der Selbstbestimmung
Schwarz-Weiß-Politik betrieben. So trüben ideologisch verwirrte
Trittbrettfahrer, die lediglich eine Feindbilddebatte
heraufbeschwören wollen ("Wer nicht sofort für ein Los von Rom ist,
ist dagegen"), eine differenzierte Diskussion über den künftigen
Status von Südtirol.
Eine Realität darf trotz aller politischen Diskussionen nicht
außer Acht gelassen werden. 2011 gibt es ein friedliches
Zusammenleben von drei Sprachgruppen in Südtirol. Die Autonomie hat
dies ermög-licht, sie ist auch ein Garant dafür.
Chefredaktion ,
Tel.: 05 04 03 DW 610













