• 22.11.2010, 19:56:04
  • /
  • OTS0314 OTW0314

Prammer überreicht Demokratiepreis 2010 im Parlament Diesjährige Auszeichnung geht an Frauen und Fraueninitiativen

Wien (PK) - Im Rahmen eines Festakts im Hohen Haus überreichte
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer heute den mit 15.000 ?
dotierten Demokratiepreis der Margaretha Lupac-Stiftung. Der Preis
der beim Parlament eingerichteten Stiftung geht zu gleichen Teilen
an Gitta Martl, langjährige Generalsekretärin des Vereins "Ketani"
in Linz, die Direktorin des Wiener Gymnasiums Rahlgasse Heidi
Schrodt sowie an den Innsbrucker Verein "Frauen aus allen Ländern".

Prammer würdigte in der Eröffnungsrede das Engagement der
Preisträgerinnen auf dem Gebiet der Minderheitenrechte und der
Geschlechterdemokratie und wies auf das Ziel der Lupac-Stiftung hin,
Demokratie, Parlamentarismus und Toleranz zu fördern. Der
Demokratiepreis sei ihr besonders ans Herz gewachsen, weil er es
ermögliche, engagierte VertreterInnen der Zivilgesellschaft "vor den
Vorhang zu holen", meinte sie. In diesem Sinn äußerte sich Prammer
auch über die zahlreichen Bewerbungen und Nominierungen erfreut, aus
denen die drei Preisträgerinnen von einer Jury ausgewählt worden
seien.

Detailliert ging die Nationalratspräsidentin auch auf die
Entstehungsgeschichte der Stiftung ein und erinnerte an die
"unglaublich beeindruckende Person" Margaretha Lupac.

Die Laudationes für die Preisträgerinnen hielten
Universitätsprofessor Oliver Rathkolb, die Vizepräsidentin des
Verfassungsgerichtshofs Brigitte Bierlein und ORF-Generaldirektor
Alexander Wrabetz. So hob Rathkolb die enormen Verdienste Gitta
Martls um die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Sinti und Roma
hervor und unterstrich das Bemühen des Vereins Ketani, auch den
Alltag der Menschen zu erreichen. Dies sei etwa durch die Gründung
einer Fußballmannschaft gelungen. Martl setze sich sowohl mit
Integration als auch mit Identität auseinander, betonte Rathkolb.
Als Wissenschafter wies er bedauernd darauf hin, dass der
seinerzeitige Kindesentzug in Roma-Familien bis heute ein Tabuthema
in Österreich sei.

Brigitte Bierlein machte auf die lange Tradition des Gymnasiums
Rahlgasse aufmerksam, welches sich ihrer Meinung nach zu Recht
Gender-Kompetenzschule nennt. Vom Konzept der Schule, das
Kommunikation, Kooperation und Konfliktlösung in den Mittelpunkt
stellt, wäre auch Margaretha Lupac überzeugt gewesen, zeigte sie
sich überzeugt und wies unter anderem auf zahlreiche Einzelprojekte
hin. Gerade in einer Zeit, wo die Themen Bildungsauftrag und
Schulreformen im besonderen Fokus des öffentlichen Interesses
stünden und es nicht leicht sei, innovative Schulkonzepte zu
verfolgen, seien, so Bierlein, SchuldirektorInnen nach dem Vorbilds
Schrodt gefragt.

Alexander Wrabetz wies darauf hin, dass der Verein "Frauen aus allen
Ländern" Außerordentliches auf dem Gebiet der Integration leiste und
Migrantinnen viel praktische Hilfe biete. Besonders beeindruckt
zeigt er sich vom "Erzählcafé", das den Frauen einen ungezwungenen
Austausch ohne Männer ermögliche. Wrabetz sprach auch an, dass der
Verein auf Unterstützung angewiesen sei und freute sich darüber,
dass der Demokratiepreis 5.000 Euro in die Vereinskassen bringe.

Unter der Moderation von Astrid Zimmermann kamen auch die
Preisträgerinnen selbst zu Wort. So schilderte Gitta Martl etwa,
dass am Beginn ihres Engagements die Sorge um ihre Eltern,
insbesondere um ihre Mutter gestanden sei. Allein, ohne
MitstreiterInnen, hätte sie es nicht geschafft, meinte sie, hinter
ihr seien aber immer andere Menschen gestanden. Manchmal könne man
Recht auch "mit sehr viel Geduld" zum Durchbruch verhelfen. Die
Freude über Erfolge habe Rückschläge immer aufgewogen, unterstrich
Martl.

Heidi Schrodt gab zu bedenken, dass es großen Engagements einzelner
LehrerInnen bedürfe, um das, was der Schule als Bildungsauftrag
vorgegeben werde, auch tatsächlich umzusetzen. Ihr selbst sei es
schon als Schülerin wichtig gewesen, sich für diejenigen
einzusetzen, die ungerecht behandelt worden seien, sagte sie. Wenn
man sich mit einem Schulschwerpunkt wie Geschlechtergerechtigkeit
"hinauswagt", müsse man auch mit viel Widerstand rechnen,
unterstrich Schrodt, vor allem am Anfang ihrer Direktorinnenzeit
habe sie das "sehr heftig erlebt".

Silvia Ortner, die den Preis gemeinsam mit Julia Schindler
stellvertretend für den Verein "Frauen aus allen Ländern"
entgegennahm, hob die Notwendigkeit hervor, für Migrantinnen einen
Raum für Begegnungen zu schaffen und die Stärke der Frauen in den
Fokus zu rücken. Migrantinnen seien oft doppelt benachteiligt, zum
einen als Frau und zum anderen als Fremde, skizzierte sie. Ortner
wünscht sich mehr Unterstützung der öffentlichen Hand und bedauerte
auch, dass MigrantInnen nach wie vor das Wahlrecht vorenthalten
werde.

Die Preisträgerinnen

Rosa Gitta Martl gehört der Volksgruppe der Sinti an. Aufgrund der
Erfahrungen ihrer Familie gründete sie 1998 gemeinsam mit Albert
Kugler den Verein "Ketani" in Linz, dessen Generalsekretärin sie
lange Zeit war. Dieser Verein ist vor allem für Sinti und Roma nicht
nur eine Anlaufstelle bei konkreten Fragen im Umgang mit Behörden,
er hilft auch bei alltäglichen Problemen wie der Arbeits- oder
Ausbildungsplatzsuche.

Ihre persönliche, tragische Lebensgeschichte hat Martl im Buch "Uns
hat es nicht geben sollen: Rosa Winter, Gitta und Nicole Martl. Drei
Generationen Sinti-Frauen erzählen" veröffentlicht. Mit
unglaublichem Engagement hat sie sich um den Abbau von Vorurteilen
bei der Mehrheitsbevölkerung und um Aufklärungsarbeit bemüht. Dabei
stand stets das Miteinander zwischen Bevölkerungsgruppen und das
Verbindende im Vordergrund und nicht die Polarisierung. 2009 wurde
Martl in den Migrationsbeirat der Stadt Linz berufen.

Das Gymnasium Rahlgasse in Wien versteht sich als "GenderKompetenz-
Schule" und legt seine Schwerpunkte auf Geschlechterfragen,
Sozialkompetenz und Umwelt. Davon zeugen etwa das Pilotprojekt
"Gendertraining" und so genannte "Mädchen- und Buben-Tage".

Maßgeblich beteiligt an dieser Schulentwicklung ist Direktorin Heidi
Schrodt, die das Gymnasium seit 1992 leitet. Auch ihre eigene
Biographie macht Schrodts Engagement für Geschlechterfragen
deutlich. Von 1993 bis 1995 war sie Mitglied der interministeriellen
Arbeitsgruppe zur Behandlung von frauenspezifischen Fragen im
Bereich des Unterrichtswesens. Seit Herbst 2000 arbeitet sie mit den
Wissenschaftlerinnen Edit Schlaffer und Cheryl Benard zum Thema
"geschlechtssensible Koedukation" zusammen. 2007 gründete Schrodt
die parteiunabhängige Bildungsinitiative "BildungGrenzenlos".

Der Innsbrucker Verein "Frauen aus allen Ländern" wurde 2001 als
Kultur-, Bildungs- und Beratungsinitiative für Frauen und Mädchen
mit Migrationshintergrund gegründet. Ziel des Vereins ist es, durch
zielgruppenspezifische Angebote Integration zu erleichtern sowie
einen geschützten Begegnungsraum für Frauen und Mädchen mit
Migrationshintergrund zu schaffen. So werden etwa aktive,
lebenspraktische Hilfe für die betroffenen Frauen durch diverse
Bildungsangebote sowie Lern-, Beratungs- und "Erzählcafes"
angeboten.

Mit seinen Aktivitäten will der Verein nicht zuletzt die
Entscheidungskompetenz der Mädchen und Frauen fördern, ihre
Selbständigkeit stärken und Isolation entgegenwirken. Großes
Augenmerk wird dabei auch auf die Vernetzung und Kooperation mit
anderen Einrichtungen und Organisationen gelegt. Besonders
hervorzuheben ist das private, zivilgesellschaftliche Engagement
durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und der Non-Profit-Gedanke.

2011 schreibt Lupac-Stiftung wieder Wissenschaftspreis aus

Mit dem Demokratiepreis der Margaretha Lupac-Stiftung werden alle
zwei Jahre Personen und Einrichtungen ausgezeichnet, die sich in
besonderer Weise für Demokratie, Geschlechterdemokratie oder
Minderheitenrechte engagieren bzw. sich für den Dialog in der
politischen Auseinandersetzung, in der Kunst und in
gesellschaftlichen Fragen als Ausdruck von Toleranz und Integration
einsetzen. Der Preis wird alternierend mit dem Wissenschaftspreis
der Stiftung vergeben. Dessen nächste Ausschreibung ist für Anfang
2011 in Aussicht genommen.

Bereits heute Vormittag hat Nationalratspräsidentin Barbara Prammer
im Hohen Haus ein Doppelheft der Schriftenreihe "Parlament
Transparent" über die Margaretha Lupac-Stiftung präsentiert, das
sich auch mit aktuellen demokratiepolitischen Fragestellungen
auseinandersetzt. Zu den AutorInnen gehören unter anderem
Politikwissenschaftler Hubert Sickinger, Europarechtsexperte Joseph
Marko, der deutsche Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt und die
deutsche Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan (siehe PK-Meldung
Nr. 909/2010).

Für die musikalische Umrahmung der heutigen Veranstaltung, an der
auch Bundesratspräsident Martin Preineder teilnahm, sorgte das
Frauenstreichquartett "String Fizz." (Schluss)

HINWEIS: Fotos von der Preisübergabe finden Sie - etwas
zeitverzögert - auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at)
im Fotoalbum.

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: [email protected], Internet: http://www.parlament.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NPA

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel