• 14.11.2010, 11:52:21
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Leitartikel der Tiroler Tageszeitung von MARIO ZENHÄUSERN "Sprachliche Integration geht nur mit Druck"

Ausgabe vom 14. November 2010

Innsbruck (OTS) - Die Kritik an der Integrationspolitik ist
berechtigt, weil sie nicht mit Nachdruck auf das Erlernen der
Landessprache pocht.

Die kritischen Worte des türkischen Botschafters Kadri Ecved
Tezcan zur österreichischen Integrationspolitik haben ein kollektives
Aufheulen ausgelöst. Aber auch eine intensive Debatte über das Thema.
Letzteres geschah nicht zum ersten Mal. Vor mehr als vier Jahren
löste die damalige Innenministerin Liese Prokop einen noch viel
größeren Wirbel aus, als sie via Tiroler Tageszeitung eine bis dahin
unter Verschluss gehaltene Integrationsstudie präsentierte. Brisanter
Inhalt: 45 Prozent der Moslems im Land (die überwiegende Mehrheit der
türkischstämmigen Menschen in Österreich sind Moslems) haben kein
Interesse an wie immer gearteten Integrationsbemühungen.

An dieser Tatsache hat sich nicht viel geändert. Viele
türkischstämmige Menschen sind nach wie vor Integrationsverweigerer.
Hauptursache sind sprachliche Defizite: Wer nicht Deutsch kann, hat
weder Interesse noch sieht er Sinn darin, sich mit "den Anderen"
abzugeben.

Dieser mangelnde Wille mag da und dort an fehlenden oder falschen
Angeboten liegen: Sprachkurse für türkische Frauen an
Volkshochschulen oder anderen Einrichtungen sind sinnlos, wenn die
Männer ihren Frauen verbieten, sie zu besuchen. Es geht in erster
Linie um den fehlenden Druck, die Sprache des Gastlandes zu erlernen:
der Druck der Politik, aber auch der Druck der Gesellschaft. Beide
müssen von den Zuwanderern das Erlernen der Landessprache mit allem
Nachdruck verlangen. Ausnahmslos.

Wer übrigens glaubt, dass die Sprachprobleme der türkischen
Einwanderer in erster Linie eben deren Probleme seien, irrt gewaltig.
Zu viele verlassen jetzt schon die Schule als Verlierer, ohne Chance
auf berufliche Karriere und finanzielle Unabhängigkeit. Sie landen
irgendwann fast zwangsweise im heimischen Sozialsystem - und werden
damit zum Problem von uns allen.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion, Tel.: 05 04 03 DW 610

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