• 05.11.2010, 09:00:15
  • /
  • OTS0026 OTW0026

Österreichs Export- und Industriekonjunktur weiterhin in Schwung

Wien (OTS/WIFO) - International hält die Konjunkturerholung an,
wenngleich sich das Wachstum zuletzt in Asien und den USA
abgeschwächt hat. Österreichs Exportsektor und die Industrie
profitieren besonders von der starken Konjunktur in Deutschland.
Während Bauwirtschaft und Tourismus nur langsam aus der Krise finden,
liefert der Handel positive Impulse. Auch der Arbeitsmarkt belebt
sich weiter, insbesondere in den industrienahen Bereichen.

Trotz der Konjunkturerholung schwächte sich das
Weltwirtschaftswachstum zuletzt ab. Insbesondere in Asien verlor die
Expansion von Außenhandel und Industrieproduktion an Schwung. Während
sich das Exportwachstum nominell gegenüber dem Vorjahr in Japan seit
März 2010 verlangsamt, blieb es in China auch im III. Quartal noch
stark.

Die Wirtschaft der USA expandierte im III. Quartal mit +0,5%
gegenüber dem Vorquartal erneut nur mäßig. Bereits im II. Quartal
2010 fiel die Rate geringer aus, nachdem sich die Wirtschaft rasch
aus der Krise erholt hatte. Während von der Konsum- und
Investitionsnachfrage Wachstumsimpulse kamen, drückte die Entwicklung
des Außenhandels die Dynamik. Für die kommenden Monate liefern
Vorlaufindikatoren widersprüchliche Signale. Der Arbeitsmarkt
reagiert bislang nur sehr langsam auf die Belebung der Wirtschaft.

In der EU hält die Erholung an, verläuft jedoch in den einzelnen
Ländern weiterhin ungleichmäßig. Besonders stark ist die Konjunktur
in Deutschland. Nach dem dynamischen II. Quartal deuten
Vorlaufindikatoren auf eine anhaltende Belebung im III. Quartal hin.
Die exportgestützte Industrieproduktion trägt weiterhin das Wachstum.

Dank des positiven internationalen Umfeldes bleibt auch die
österreichische Industrie- und Exportkonjunktur in Schwung. Die
jüngsten Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtests deuten auf eine
anhaltende Expansion in der Sachgütererzeugung hin. Der Anteil der
Unternehmen, die zuletzt ihre Produktion steigern konnten, ist
anhaltend hoch, nimmt allerdings seit einigen Monaten nicht weiter
zu. Zuletzt war zudem die Zahl der Unternehmen, die neue
Arbeitsplätze schufen, wieder höher als jene, die Personal abbauen
mussten.

Im Gegensatz dazu hält die Schwäche in der Bauwirtschaft und
insbesondere im Tiefbau an. Auch der Tourismus erholt sich nur
allmählich von der Krise. Die Gäste sparen an den Nebenausgaben und
bleiben weniger lang; teils sinken die Zimmerpreise. Dies drückt die
Umsätze.

Besser entwickelt sich der Handel: Die Pkw-Neuzulassungen stiegen
in den letzten Monaten deutlich, der Großhandel profitiert von der
Export- und Industriekonjunktur.

Die Inflationsrate stieg im September auf 1,9% (nach 1,7% im
August). Der Preisauftrieb ist wesentlich durch die Verteuerung von
Mineralölprodukten bestimmt. Ohne Energie betrug die Inflationsrate
im September 1,5%.

Mit der Konjunktur belebt sich auch der Arbeitsmarkt weiter. Im
Vorjahresvergleich stieg im Oktober die Zahl der Beschäftigten
(insbesondere in der Industrie), jene der gemeldeten Arbeitslosen
sank neuerlich. Erstmals seit mehr als zwei Jahren verringerte sich
auch die Zahl der Personen in Schulungen des AMS, welche nicht in der
Arbeitslosenstatistik aufscheinen.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem Vorquartal,
werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies schließt
auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl von
Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im Text
wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen" Bezug
genommen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Wachstumsüberhang

Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres auf die Veränderungsrate des Folgejahres .
Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres , wenn
das BIP im Jahr auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres (in
saisonbereinigten Zahlen) bleibt.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um Preiseffekte
bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell ausgewiesen (z. B.
Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (siehe auch http://www.
statistik.at/).

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund 1.500
österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen und
künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist eine
halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit (http://www.itkt.at/). Die Indikatoren sind
Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen
Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Rückfragehinweis:
Mag. Sandra Bilek-Steindl
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-244 * Fax. +43 1 798 93 86
[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel