- 18.10.2010, 17:38:22
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Volksgruppentag: Podiumsdiskussion über "Perspektiven der Jugend" SchülerInnen messen zweisprachigem Unterricht große Bedeutung zu
Wien (PK) - Österreich habe allein schon wegen seiner Geschichte
eine enorme Verantwortung, was Minderheitenrechte betrifft. Das
betonte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer bei einer
Podiumsdiskussion zum Thema "Perspektiven der Jugend" anlässlich des
heute stattfindenden Volksgruppentags im Parlament. Im Anschluss an
das zweisprachige Theaterstück "Korosko kolo / Kärntner Reigen" der
Gruppe Sanjelovec/Traumtänzer diskutierten Schülerinnen und Schüler
aus Kärnten, Burgenland, Wien und Südtirol unter anderem über die
Bedeutung von muttersprachlichem Unterricht, Vorurteile gegenüber
Mitgliedern der österreichischen Volksgruppen, fehlende
zweisprachige Ortstafeln in Kärnten und den einen oder anderen
schiefen Blick bei Verwendung der Muttersprache in der
Öffentlichkeit.
In ihrem Impulsreferat hob Nationalratspräsidentin Prammer
insbesondere die Notwendigkeit hervor, in politische Bildung bzw.
"Demokratiebildung" zu investieren. Demokratie sei die einzige
Gesellschaftsform, die gelernt werden müsse, meinte sie, es gehe
unter anderem um Partizipation, das Aufbringen von Verständnis für
Minderheiten und das Bewusstmachen des Umstands, dass Menschenrechte
unteilbar seien. Hier stehe man, so Prammer, vor großen
Herausforderungen. Allgemein machte Prammer geltend, dass Sprache
wesentlich zur Identität beitrage, und wertete es als enorme
Bereicherung, zweisprachig aufzuwachsen.
Am Podium saßen neben Prammer und Moderatorin Ani Gülgün-Mayr (ORF)
vorwiegend Schülerinnen und Schüler aus zweisprachigen Schulen bzw.
Schulen mit Unterricht in einer Volksgruppensprache. Sie werteten es
als großen Vorteil, auch in ihrer Muttersprache und nicht nur in
Deutsch unterrichtet zu werden.
Fehlender Unterricht in der Muttersprache führe zu Assimilierung,
gab etwa Lara Domeneghetti von der Südtiroler Kunstschule Cademia zu
bedenken und äußerte die Befürchtung, dass kleine Sprachgruppen wie
die ladinische auszusterben drohten. Auch die Burgenlandkroatin Lisa
Racz wies auf das Problem der Assimilation von Kindern und
Jugendlichen hin. Teresa Wild, Schülerin des zweisprachigen
Gymnasiums in Oberwart, zeigte sich überzeugt, dass jemand, der
zweisprachig aufwachse, toleranter gegenüber fremden Sprachen und
gegenüber Fremden im Allgemeinen sei.
Pavel Brezina machte auf die lange Tradition der tschechischen
Komensky-Schule in Wien aufmerksam. Er selbst sei als Kind von
Tschechien nach Wien gekommen, schilderte er, und profitiere vom
bilingualen Unterricht in allen Fächern. Seine ganze Familie seien
Tschechen, durch den Tschechisch-Unterricht von Kindheit an, könne
er sich mit ihnen problemlos verständigen. Alexander Sarközi,
Schüler einer deutsch-englischsprachigen Schule im 22. Wiener
Gemeindebezirk, verwies darauf, dass Romanes erst seit kurzem eine
"kodifizierte" Sprache sei und damit unterrichtet werden könne. Als
positives Beispiel für Sprachenvielfalt und gelungene Integration im
Unterricht hob Johanna Fritz ihre Schule, das GRG Ödenburgerstraße
in Wien 21, hervor.
Die beiden Kärntner Schüler am Podium, Dominik Urak vom slowenischen
Gymnasium und Fabian Türk von der zweisprachigen Handelsakademie in
Klagenfurt, sprachen auch politische Aspekte an. So wertete es Urak
als unverständlich, dass zweisprachige Ortstafeln in Kärnten nach
wie vor umstritten seien, und plädierte dafür, die slowenische
Umgangssprache stärker zu fördern. Türk unterstrich, die
Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in Kärnten
sei Voraussetzung, um bestehende Ressentiments zwischen
"Deutschkärntnern" und Kärntner Slowenen zu beseitigen und eine
Grundlage für ein künftiges Miteinander zu schaffen. Er forderte
zudem, den Staatsvertrag in vollem Umfang zu erfüllen.
Weitere Podiumsdiskussionen im Rahmen des Volksgruppentags fanden zu
den Themen "Vertretung der Volksgruppen" (Impulsreferat
Staatssekretär Josef Ostermayer), "Schule und Bildung"
(Impulsreferat Unterrichtsministerin Claudia Schmied) sowie
"Wirtschaft und regionale Zusammenarbeit" (Impulsreferat
Staatssekretär Reinhold Lopatka) statt. Zu den Podiumsteilnehmern
gehörten unter anderem Rudolf Vouk, Rudolf Sarközi, Susanne
Weitlaner und Martin Ivancsics.
Parallel zu den Podiumsdiskussionen wurde mit Musikdarbietungen, der
Puppentheatergruppe Lutke Mladje KDZ, Lesungen sowie Filmen von
Ingrid Konrad, Gisa Ruland, Milena Osip, Marika Schmiedt und
Emmerich Gärtner-Horvath auch viel Kulturelles geboten. (Schluss)
HINWEIS: Fotos vom Volksgruppentag finden Sie - etwas zeitverzögert
- auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at) im Fotoalbum.
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