- 12.10.2010, 16:52:07
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- OTS0251 OTW0251
Kunst und Kultur auf dem Prüfstand Kulturausschuss befasst sich mit Berichten der Bundesregierung
Wien (PK) - In seiner heutigen Sitzung beschäftigte sich der
Kulturausschuss des Nationalrats mit dem Kunstbericht sowie mit
dem Kulturbericht der Bundesregierung (III-166 bzw. III-165
d.B.).
Einleitend meinte Bundesministerin Claudia Schmied, gerade in
wirtschaftlich schwierigen Zeiten brauche es ein klares
Bekenntnis des Staates zu Kunst und Kultur. Dieser müsse sich als
konstanter, berechenbarer und verlässlicher Partner erweisen und
sich im Sinne der Planbarkeit auch zu langjährigen Förderungen
verpflichten.
Es gehe ihr um eine weltoffene, zur Diskussion anregende Kunst
und Kultur, wobei auch eine entsprechende Kulturvermittlung
unabdingbar sei. Schwerpunkte ihrer Arbeit lege sie auf
zeitgenössische Kunst, aber auch auf regionale Kunstinitiativen.
Es habe insgesamt mehr Geld für die Kunst gegeben, berichtete die
Ministerin, wovon vor allem die Filmwirtschaft profitiere, was
gut für den Filmstandort Österreich sei. Auch die gezielte
Förderung des künstlerischen Nachwuchses sei ihr ein Anliegen,
betonte die Ressortchefin. Aus aktuellem Anlass informierte sie
die Abgeordneten, dass das Volkskunde- und Völkerkundemuseum
perspektivisch in den KHM-Komplex eingebunden werden sollen, wozu
sie nun weitere Stellungnahmen erwarte.
Abgeordnete Heidemarie Unterreiner (F) verwies auf den Bericht
des Rechnungshofs, wonach auch bei den Subventionen
Einsparungspotentiale gegeben seien. Im Sinne von mehr
Transparenz wäre es ihrer Meinung nach sinnvoll, zu erfahren,
wohin die Gelder nun wirklich fließen und wo gegebenenfalls
Einsparungen vorgenommen werden könnten.
Konkret beklagte die Rednerin, dass das Volkskundemuseum
jahrelang finanziell ausgehungert worden sei, während die
ExpertInnen eine Zusammenführung beider Museen für
kontraproduktiv hielten. Die Ministerin möge ihre Haltung daher
noch einmal überdenken.
Abgeordneter Josef Cap (S) würdigte die Qualität der Berichte und
ging sodann auf interkulturelle Aspekte der Kunst ein. Erfreut
zeigte er sich darüber, dass in den Schulen wieder vermehrt
Schach angeboten würde, und es sei ein Zeichen der Emanzipation,
dass es hier auch eigene Programme für Mädchen gebe.
Abgeordnete Claudia Durchschlag (V) sprach die Zukunft der
Bundestheater an, um sodann auf den Architekturatlas zu sprechen
zu kommen, bei dem sie wissen wollte, wieviel dieser gekostet
habe und worin dessen Mehrwert bestehe. Schließlich erkundigte
sie sich nach allfälligen Erkenntnissen über die Effekte des
Festivals "Kulturhauptstadt Linz".
Abgeordneter Ewald Sacher (S) thematisierte die Musikförderung
und hier insbesondere die Förderung des musikalischen
Nachwuchses.
Abgeordnete Tanja Windbüchler-Souschill (G) trat für mehr
Transparenz im Förderungswesen ein. Sie hielt es für
wünschenswert, die jeweils getroffenen Entscheidungen
nachvollziehbarer zu machen. Weiters thematisierte die Rednerin
den Zustand der heimischen Popmusik.
Abgeordneter Wilhelm Molterer (V) bezeichnete die "Vienna Art
Fair" als hoch interessantes und informatives Element in der
heimischen Ausstellungslandschaft. Daneben beklagte er den
allmählichen Verlust einer ganzen Bildhauergeneration von
Hrdlicka bis Prantl und regte an, hier eine Strategie zur Pflege
und zum Erhalt des Werkes zu entwickeln.
Abgeordnete Christine Muttonen (S) beleuchtete Aspekte der
Kulturvermittlung und verwies auf den Themenkomplex europäischer
Förderungen für heimische Kunst.
Abgeordneter Stefan Markowitz (B) warf erneut die Frage der
Aufklärung über die seinerzeitigen Schäden in der Albertina auf
und wollte wissen, wer hier nun die Verantwortung zu übernehmen
habe.
Abgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager (V) unterstrich die
Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit den Ländern bei der
Kunstförderung, aber auch der Kunstvermittlung, überdies sprach
sie den aktuellen Stand bei den Digitalisierungsstrategien an.
Abgeordnete Ruth Becher (S) erkundigte sich danach, ob es bereits
konkrete Evaluierungen hinsichtlich eines freien Jugendeintritts
bei Museen gebe, Anna Franz (V) erkannte die Lehrerbildung als
Basis zielführender Kunstvermittlung und stellte Gedanken zur
Baukultur an.
Abgeordneter August Wöginger (V) erinnerte daran, dass man sich
bezüglich der Museenlandschaft der Zukunft auf eine
Rahmenzielvereinbarung geeinigt habe, was die Frage aufwerfe, wie
es um diese stehe. Selbiges sprach auch Abgeordnete Christine
Lapp (S) an, die sich zudem mit Kinder- und Jugendliteratur
auseinandersetzte.
Abgeordneter Walter Rosenkranz (F) hielt es für kritikwürdig,
generell freien Eintritt zu gewähren, dafür aber höhere
Basissubventionen einzumahnen. Hier sei seitens der
MuseumsdirektorInnen mehr Kreativität gefordert, meinte er.
Überdies sprach er das Mahler-Jahr an, wo er sich nach einer
allfälligen Unterstützung des Bundes erkundigte.
Abgeordnete Ulrike Königsberger-Ludwig (S) ging auf regionale
Kulturinitiativen und das öffentliche Bibliothekswesen ein,
Abgeordneter Andreas Karlsböck (F) unterstrich die Wichtigkeit
der Kontrolle hinsichtlich der Verwendung öffentlicher Gelder.
Nach einer Antwortrunde durch die Bundesministerin griff
Abgeordnete Silvia Fuhrmann (S) die Frage Völkerkundemuseum und
Volkskundemuseum noch einmal auf und zeigte sich enttäuscht
darüber, dass die seinerzeitigen Visionen anscheinend nicht mehr
aktuell seien. Die Reaktion der betroffenen Direktoren sei daher
verständlich. Diese Ansicht vertrat auch Abgeordneter Wolfgang
Zinggl (G), der meinte, man verabschiede sich vom gesamten
Konzept einer zukunftsorientierten Museenlandschaft, wenn man
kein eigenständiges Kulturmuseum für Volks- und Völkerkunde
schaffe. Zudem übte er heftige Kritik an der Leitung des MAK, wo
er Verschwendung und Günstlingswirtschaft ortete und erklärte,
hier sei Aufklärung dringend geboten.
Die Ministerin bemerkte, die Frage der Zukunft des
Völkerkundemuseums und des Volkskundemuseums sei Gegenstand
weiterer Beratungen. Sie halte am Konzept "Museum neu" fest,
meine aber, dass eine Eingliederung dieser Einheiten in den KHM-
Komplex diesem Konzept noch nicht widerspreche.
Sie sagte zu, den Vorwürfen hinsichtlich der Leitung des MAK
nachgehen zu wollen und kündigte an, eine Entscheidung über
Weiterbestellung oder Neuausschreibung der Leitung noch im
November treffen zu wollen.
Sowohl der Kulturbericht als auch der Kunstbericht wurden mit den
Stimmen von SPÖ, ÖVP und BZÖ mehrheitlich zur Kenntnis genommen.
(Schluss)
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