- 07.10.2010, 10:44:51
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Giftschlamm in Ungarn: WWF befürchtet schlimmere Umweltauswirkungen als nach Baia Mare-Katastrophe
Wien/Kolontar (OTS) - Seit Mittwoch Früh befinden sich Mitarbeiter
des WWF Ungarn im Katastrophengebiet. Die Experten rund um Gábor
Figeczky, stv. Geschäftsführer des WWF Ungarn, machen sich derzeit in
Kolontar, einem der sechs betroffenen Dörfer, ein Bild vom Ausmaß der
Katastrophe. "Vorerst ist es unmöglich, das genaue Ausmaß der
Naturschäden abzuschätzen", so Figeczky. "Wir sind aber sicher, dass
sich der rote Schlamm bis in nahe gelegene Natura
2000-Europaschutzgebiete ergießen wird. Die Naturschäden werden
demnach auch von internationaler Bedeutung sein.
"Der Schauplatz erinnert auf gespenstische Art und Weise an die
Bergbau-Katastrophe von Baia Mare im Jahr 2000", so Figeczky vom WWF.
Damals trat das kontaminierte Wasser aus dem Sammelbecken der
Gold-Aufbereitungsanlage im Rumänischen Baia Mare aus. Der mit
Schwermetallen versetzte Cyanid-Schlamm gelangte über in die Theiß in
die Donau.
Cyanid und Schwermetalle haben unterschiedliche Wirkungen. Cyanid
vernichtet alle Lebewesen, mit denen es in Kontakt gerät, sofort, und
zieht anschließend zusammen mit der Flut weiter. Die Schwermetalle
hingegen werden vom Boden und von den Pflanzen aufgenommen, weshalb
ihre Wirkung längere Zeit nachweisbar bleibt. Die Auswirkungen sind
jedoch nicht weniger schwerwiegend als jene von Cyanid.
"Schwermetalle können noch jahrzehntelang im Boden bleiben, und auf
Menschen und Tiere so schwerwiegende Folgen wie Wachstums- und
Fortpflanzungsstörungen haben", erklärt Figeczky.
Daher ist auch der Schwermetallgehalt der jetzigen
Verschmutzungskatastrophe eine Schlüsselfrage. Im Jahr 2000 starben
bei der Katastrophe an der Theiß alle Wasserlebewesen außer den
Wirbellosen lokal vollkommen aus. Fischotter und Vögel konnten sich
damals noch rechtzeitig vor den Fluten in Sicherheit bringen.
"Der Großteil der von der Katastrophe betroffenen Wasserlebewesen
wird die Verschmutzung voraussichtlich nicht überleben", befürchtet
Figeczky. "Das zeigt auch das Sterben des Fischbestandes des
Marcal-Flusses, der ökologisch tot ist". Zwar werden ähnlich wie bei
der Cyanid-Katastrophe vor zehn Jahren, die einzelnen Arten später
zurückkehren, bzw. die verbleibende Population wird das Gebiet wieder
bevölkern können. Allerdings können auch die Fachleute derzeit noch
nicht abschätzen, wie viel Zeit das in Anspruch nehmen wird. Derzeit
wird an mehreren Stellen Gips in den Marcal-Fluss eingebracht. "Nach
Meinung einiger Fachleute ist die Wirkung dieser Maßnahme allerdings
zu hinterfragen", so Figeczky.
Auch die Substanz, die die Lauge neutralisieren soll (Anm.: wird
nicht namentlich genannt), kann für Pflanzen und Tiere giftig sein.
"Einige Arten sind sofort nach dem Kontakt mit der Substanz verendet.
Bei anderen muss mit Vergiftungen und der Anhäufung von
Schwermetallen gerechnet werden", erklärt Figeczky.
Laufend werden Haustiere eingesammelt. "Die rot gefärbten Tiere haben
opal-artige Augen. Sie werden in Schubkarren transportiert, weil sie
sich aufgrund ihrer Verletzungen nicht mehr selbst fortbewegen
können. Die Situation der Nutztiere ist nicht besser. "Die Schäden in
der wildlebenden Fauna können wir derzeit jedoch noch nicht einmal
schätzen", so Figeczky.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, WWF-Pressesprecher, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, Email: [email protected].
Für den WWF in Ungarn: Gabor Figeczky, WWF Ungarn, Tel. +36-306785398
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