• 30.09.2010, 08:40:45
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Suizidprävention: Rechtzeitige Psychotherapie kann Leben retten!

Durchgängige Kassenfinanzierung gefordert!

Wien (OTS) - Jährlich sterben in Österreich rund 1.300 Menschen
durch Suizid. Zwar ist die Selbstmordrate rücklaufig, dennoch ist die
Zahl der Suizide fast doppelt so hoch wie die Zahl der Verkehrstoten.
Im Bundesländervergleich hat Wien die niedrigste Selbstmordrate. Dies
kann auf die erfolgreiche Suizidpräventionsarbeit durch ein größeres
Angebot an Beratungsstellen, Krisenzentren und höhere
PsychotherapeutInnendichte zurückgeführt werden.

Die psychotherapeutische Behandlung von Menschen in
Krisensituationen und von Menschen mit depressiven Erkrankungen ist
ein wichtiger Bestandteil der Suizidprävention. Insbesondere die
Tatsache, dass Menschen mit Depressionen im Vergleich zur
Allgemeinbevölkerung ein 20-fach erhöhtes Suizidrisiko aufweisen, ist
besorgniserregend. Angehörige von Depressiven sollten besonders
aufmerksam sein, um Anzeichen von Suizidgefährdung zu erkennen.

Diese Anzeichen können sein:

- Suizidgedanken und Suizidhandlungen 
 - Direkter oder indirekter Suizidhinweis - 80 % der Menschen, die
   einen Suizid unternehmen, kündigen diesen vorher an 
 - Akute Krise - psychosoziale oder traumatische Krise, 
   Lebensveränderungskrise
 - Affektive Einengung, Rückzug und Resignation
 - Einengung der Wertwelt und Einengung und Entwertung 
   zwischenmenschlicher Beziehungen 
 - Schwere Depression oder übergroße Angst
 - Besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn der Betroffene einer 
   Risikogruppe angehört (z.B. Alkohol-, Drogen- und 
   Medikamentenabhängigkeit) oder depressiv, alt und/oder vereinsamt
   ist

Um richtig auf diese Anzeichen zu reagieren, sollten Sie als
Nahestehende/r oder Angehörige/r folgendes beachten: 

 - Suizidalität als Notsignal wahrnehmen und akzeptieren
 - Wenn Sie im Kontakt zu einem Menschen den Eindruck haben, er 
   könnte an Selbstmord denken, fragen sie ihn aktiv danach 
 - Ein vorurteilsloses Gespräch über die Suizidabsichten bringt den
   Betroffenen meist eine erhebliche Entlastung
 - Liegt eine Krise vor, fordern sie den Betroffenen auf, so viel 
   wie möglich über die belastenden Ereignisse zu erzählen  
 - Herausfinden, was der Betroffene selbst tun kann, um sich zu 
   helfen und welche Menschen miteinbezogen werden können, um in 
   einer Krisensituation zu unterstützen 
 - Professionelle Hilfe in einer Kriseninterventionsstelle suchen
 - Nach der Krisenintervention sollte Psychotherapie in Anspruch 
   genommen werden

Lange Wartezeiten können fatale Folgen haben

"Je länger depressive PatientInnen und Menschen in
Krisensituationen unbehandelt bleiben, desto größer wird das
Suizidrisiko. Die rechtzeitige Psychotherapie ist dabei die Methode
der Wahl und kann Leben retten", erläutert Dr. Eva Mückstein,
Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie
(ÖBVP). Leider verweigern die Krankenkassen noch immer den
Gesamtvertrag für Psychotherapie. Kassenfinanzierte Therapieplätze
sind kontingentiert und die von den Kassen mit nur Euro 21,80
bezuschusste Psychotherapie können sich Viele nicht leisten.

Sich in eine Psychotherapie zu begeben, ist für Depressive oft ein
schwerer Schritt. "Leider finden die Betroffenen dann oft keinen
kassenfinanzierten Psychotherapieplatz oder müssen lange Wartezeiten
bis zu einem Jahr in Therapiezentren in Kauf nehmen. Ganz besonders
die Psychotherapie nach der kurzfristigen Behandlung in einem
Krisenzentrum duldet - will man fachgerecht vorgehen - keinerlei
Aufschub", so Mückstein.

Auch der Infostelle des Wiener Landesverbandes für Psychotherapie
(WLP) ist das Problem bekannt. "Oft wenden sich Hilfesuchende
verzweifelt an uns, weil sie erkannt haben, dass sie professionelle
Hilfe benötigen. Die meisten von ihnen würden sofort eine
Psychotherapie in Anspruch nehmen, doch sie können es sich nicht
leisten", beschreibt Leonore Lerch, Vorsitzende des WLP, die
Situation.

Die Infostelle des WLP bietet kostenlose Erstberatung für
Menschen, die auf der Suche nach einer/einem PsychotherapeutIn sind
und ist montags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr unter 01/512 71 07
zu erreichen.

Rückfragehinweis:

Dr. Eva Mückstein
   Präsidentin des ÖBVP
   0676/600 46 76
   
   ÖBVP Büro
   Mag. Martina Filipovic 
   01/512 70 90 23

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