- 17.09.2010, 11:55:25
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Lugger und Amann präsentieren bei 16. St. Wolfganger Tagen aktuelle Analyse der Wohnkosten in Österreich:
Zu hohe Qualitätsnormen gefährden stabiles System
St. Wolfgang (OTS) - Eine Analyse der Wohnkosten in Österreich
präsentierten bei den 16. St. Wolfganger Tagen der Obmann der ARGE
Eigenheim, Prof. Dr. Klaus Lugger und Dr. Wolfgang Amann. Dabei ging
es den Studienautoren vor allem darum, eine allgemein taugliche
Interpretationsgrundlage der zahlreichen Basisdaten zu erarbeiten.
Lugger: "Damit könnte die gängige Praxis beendet werden, dass jede
Lobby immer nur das aus der Wohnstatistik herausliest, was ihr gerade
in den Kram passt." Die zu hohen Qualitätsnormen gefährden Lugger
zufolge immer mehr die bisher stabile Entwicklung.
ÖVP-Wohnbausprecher NR Johann Singer, Oberösterreichs
Wohnungsreferent LHStv. Franz Hiesl und Bauexpertin Dr. Margarete
Czerny vom Wifo betonten die Wichtigkeit von Luggers und Amans
Analyse, die von den rund 100 Delegierten intensiv diskutiert wurde.
Singer: "Es ist sehr wichtig, die Entwicklung der Wohnkosten im Auge
zu behalten damit der Wohnungsmarkt weiterhin allen sozialen
Schichten zugänglich bleibt."
Hiesl betont: "Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten muss
die Leistbarkeit von sozialem Wohnbau für die Menschen sichergestellt
sein. Manche gesetzliche Anforderungen sind einfach nicht mehr
zeitgemäß, aber sie verursachen höhere Wohnkosten. Deshalb müssen wir
das System der Wohnbauförderung weiterentwickeln und alle
Rahmenbedingungen genau unter die Lupe nehmen".
Für Czerny ist "sicheres Wohnen ein Gebot der Stunde - vor allem
vor dem Hintergrund der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung. Die
wohnungspolitischen Instrumente sind ein wichtiger Grant für die
Sicherung einer leistbaren Wohnungsversorgung in der Zukunft".
Die Entwicklung der Wohnkosten ist ein politisches Topthema, ist
Amann überzeugt: "Mit dieser Studie konnten wir aufzeigen, dass sich
nicht alle von der Statistik festgestellten Kostensteigerungen im
Geldbeutel der Österreicher auswirken. In vielen Fällen ist die
Statistik selbst für die Kostensteigerungen verantwortlich. Wir
müssen mit den verfügbaren Daten wirklich behutsam umgehen. Die
Wohnkostenstatistik ist eine wertvolle Quelle für wohnungspolitische
Analysen. Sie eignet sich aber nicht für interessenpolitische
Schnellschüsse. Wenn sie dafür missbraucht wird, kommt es leicht
dazu, dass von denselben Daten gegensätzliche Positionen abgeleitet
werden. Das ist offensichtlich wenig hilfreich, wenn es darum geht,
unser wohnungspolitisches System ohne ideologische Scheuklappen
weiterzuentwickeln."
Moderater Anstieg der Wohnkosten ähnlich der Gesamtteuerung
Die Wohnkosten in Österreich steigen gemäß Mikrozensus moderat an.
Die stark überdurchschnittlichen Kostensteigerungen 2004 sind
überwiegend auf methodologische Gründe zurückzuführen. Im
Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2009 stieg der Wohnungsaufwand um
2,4% pro Jahr, ohne Berücksichtigung der Jahre 2004 und 2005 um nur
1,8%. Der durchschnittliche Anstieg des Verbraucherpreisindex lag im
selben Zeitraum bei 1,9%.
Betriebskosten stagnieren bei kaum der halben Inflation
Bemerkenswert ist die geringe Zunahme der Betriebskosten um nur
0,7% p.a. zwischen 2001 und 2009. Dadurch ist ihr Anteil am gesamten
Wohnungsaufwand von 35% in den 1990er Jahren auf 31% gesunken. Die
Betriebskosten können damit nicht mehr länger als Kostentreiber
gebrandmarkt werden. Sie tragen im Gegenteil zur Stabilisierung der
Wohnkosten bei.
Stabile Wohnkostenbelastung
Der durchschnittliche Wohnungsaufwand aller Wohnungen (inkl.
Betriebskosten und USt., aber ohne Energie) liegt aktuell bei 5,50
Euro/m2, jener der Mietwohnungen bei 6,20 Euro/m2. Die
EU-Armutsstudie belegt eine stabile Situation der Wohnversorgung mit
überwiegend guten oder sehr guten Werten im internationalen
Vergleich, allerdings mit einer Verschärfung der Situation für
armutsgefährdete Haushalte. 2009 liegen die Mieten im gemeinnützigen
Sektor bei 5,70 Euro/m2 um 13% unter jenen privater Mietwohnungen
(Euro 6,60.-).
Steigende Wohnkosten wegen zunehmender Wohnflächen
Gemäß Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung macht Wohnen
(einschließlich Energie) 22,4% der Konsumausgaben privater Haushalte
aus. Dieser Anteil steigt seit Jahrzehnten an. Er lag Anfang der
1990er Jahre bei ca. 17% und erreichte 2005 21%. Der langfristige
Anstieg der Konsumausgaben für Wohnen ist gut aus der Zunahme der
durchschnittlichen Wohnfläche pro Person erklärbar, die seit Anfang
der 1990er Jahre um fast 30% auf heute über 42m2 zulegte.
Wohnbauförderung unter massivem Druck
Amann: "Zuletzt trugen die sehr niedrigen Kapitalmarktzinsen dazu
bei, dass der zusätzliche Aufwand kaum auf die Mieten durchschlug.
Dies wird sich mittelfristig mit Sicherheit ändern. Die
Wohnbauförderung der Länder wird in sinkendem Ausmaß in der Lage
sein, den steigenden Kostendruck abzufedern. Die Wohnbauförderung
steht unter massivem Druck, einerseits aufgrund von
Budgetrestriktionen, andererseits wegen dem verstärkten Einsatz in
der Sanierung und die steigenden Kosten für Wohnbeihilfen."
Lugger warnt vor zu hohen Qualitätsstandards
Sorgen bereiten dem ARGE-Obmann die vielfältigen Kostenschübe im
Bereich der Grund- und Bau- und Bewirtschaftungskosten. An Beispielen
nennt Lugger:
Zu viele vorgeschriebene Tiefgaragenplätze (Pro Wohneinheit bis zu
drei TG-Plätze); das Nullenergiehaus; Ergebnisse von
Architektenwettbewerben, die mehr die äußere Hülle als die
Kundenbedürfnisse zum Inhalt haben, Liftanlagen ab dem 2. Stock,
Verbot von Wohnungen im Erdgeschoß usw.
Rückfragehinweis:
Prof. Dr. Klaus Lugger
Obmann der ARGE Eigenheim
Tel. +436502004505, [email protected]
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