Innsbruck (OTS) - Universitäten schließen? Professoren entlassen?
Die Drohung von ÖVP-Wissenschaftsministerin Beatrix Karl für den
Fall, dass die Unis 2012 nicht mehr Geld erhalten, ist nicht ernst zu
nehmen. Und doch: Dass Karl am Dienstag den Teufel an die Wand gemalt
hat, war wohl überlegt und hat fürs Erste auch den Zweck erreicht:
Aufmerksamkeit zu erregen.
Auch wenn ihre drastische Wortwahl von Schließungen und
Entlassungen den Uni-Chefs nicht behagte - wer verunsichert seine
Arbeitnehmer schon gern derart - sind sie der Ministerin dankbar.
Karl hat öffentlich Partei für sie ergriffen: Einmal mehr direkt in
der Forderung nach Wiedereinführung der Studiengebühren. Zum anderen
hat sie ihnen und damit auch ihrem Parteikollegen und Finanzminister
Josef Pröll indirekt - nach ihrem Ja zum Budgetrahmengesetz
allerdings zu spät - Engagement im Kampf um kommende
Wissenschaftsbudgets avisiert.
Fundierter und überzeugender als eine Drohung wäre es ohnehin
gewesen, mit dem aktuellen OECD-Bericht zu argumentieren, wonach
Akademiker dem Staat einen finanziellen Nettonutzen bringen: Das Mehr
an Steuereinnahmen und Sozialabgaben, das ein Universitätsabsolvent
abführt, ist weitaus höher als die Kosten der öffentlichen Hand für
dessen Ausbildung. Der Staat verdient am Akademiker - Österreich im
OECD-Vergleich sogar überdurchschnittlich gut.
Doch Signale, mehr Geld in Forschung und Bildung zu pumpen, wie
das Deutschland trotz seinen Sparpakets tut, gibt es nicht. So droht
den Unis ein düstereres Zukunftsszenario als das von Karl und
zugleich ein realistischeres: Die Zahl der Studierenden steigt, das
Budget stagniert, und die Qualität von Lehre und Forschung sinkt. Das
wäre der einzige Verdienst, aber der kann nicht gewollt sein, und er
brächte auch kein Geld.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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OTS0254 2010-09-08/20:00
082000 Sep 10
PTT0001 0307