OTS0085 / 08.09.2010 / 10:41 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Besuch / Neugebauer / Pal Schmitt / Parlament / Prammer / Ungarn


Der neugewählte Präsident Ungarns im österreichischen Parlament Themen: EU-Präsidentschaft, Donauraumstrategie, Wirtschaft =


   Wien (PK) - Im Rahmen seines ersten Auslandsbesuches traf gestern 
Nachmittag der neugewählte Präsident der Republik Ungarn Pal 
Schmitt im Hohen Haus mit Nationalratspräsidentin Barbara 
Prammer, dem Zweiten Präsident des Nationalrats Fritz Neugebauer 
und Abgeordneten zu einem Gespräch zusammen. In ihren 
Begrüßungsworten betonte Nationalratspräsidentin Prammer die gute 
Zusammenarbeit der beiden Länder, die vor allem auch auf 
parlamentarischer Ebene exzellent sei. 
Präsident Pal Schmitt freute sich, die gute Tradition fortsetzen 
zu können, dass der erste Auslandsbesuch eines ungarischen 
Präsidenten nach Österreich führt. Nachdem Ungarn im nächsten 
Halbjahr die EU-Präsidentschaft innehat, skizzierte Schmitt die 
diesbezüglichen Vorhaben seines Landes. Ungarn wolle insbesondere 
die regionale Zusammenarbeit intensivieren, sagte er. Ein 
wichtiges Anliegen sei das gemeinsame historische Erbe, die 
Donau. Die Wahrung der Subsidiarität in der europäischen 
Gesetzgebung sei am besten durch eine stärkere Einbeziehung der 
nationalen Parlamente gewährleistet, zeigte sich Präsident 
Schmitt überzeugt. 
Nationalratspräsidentin Prammer betonte ihrerseits die Bedeutung 
der regionalen Partnerschaft, die auf Ebene der 
Parlamentspräsidenten sehr gut funktioniert. Obwohl hier keine 
Beschlüsse gefasst werden, sei sie doch ein wesentliches 
Instrument im gemeinsamen Meinungsbildungsprozess. Sie stimmte 
mit dem Gast überein, dass parlamentarische Initiativen und der 
Austausch auf parlamentarischer Ebene einen wesentlichen Faktor 
im europäischen Integrationsprozess darstellen. 
Prammer thematisierte aber auch die geplanten Verfassungsreformen 
Ungarns und die Situation der Roma, die in Europa zunehmend 
Sorgen bereite. Der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer 
sprach darüber hinaus die Frage der Doppelstaatsbürgerschaft für 
Angehörige der ungarischen Minderheit in der Slowakei an. 
In seiner Antwort wies Präsident Pal Schmitt darauf hin, dass 
Ungarn ein eigenes Staatssekretariat für Fragen der zahlenmäßig 
bedeutenden Roma-Minderheit eingerichtet habe, das mit einem 
Experten für Menschen- und Minderheitenrechte besetzt worden sei. 
Zentrale Aufgabe sei es, bildungsferne Schichten an Bildung 
heranzuführen, Arbeitsplätze zu schaffen und Vorurteile 
abzubauen. Im ungarischen Parlament gebe es auch Roma-Abgeordnete 
und die Minderheit werde auch in Zukunft automatisch 
Abgeordnetenplätze erhalten, erklärte Schmitt. 
Die Doppelstaatsbürgerschaft für Ungarn im Ausland enthalte kein 
Wahlrecht und sei nur dazu gedacht, die Verbundenheit mit der 
alten Heimat zu stärken, versicherte der Präsident weiters. 
Ungarn hoffe, mit der neuen slowakischen Regierung eine für beide 
Seiten zufriedenstellende europäische Lösung zu finden. 
Auf die Frage des Abgeordneten Wilhelm Molterer (V), wie Ungarn 
zur Lösung der Wirtschaftskrise in der Zusammenarbeit mit dem IWF 
künftig vorzugehen gedenke, erläuterte Schmitt, man wolle das 
Problem der Staatsschulden aus eigener Kraft lösen. Ungarn strebe 
den Beitritt zur Eurozone an, die nächsten fünf Jahre werde man 
aber zur Stabilisierung des Forint verwenden.
Anlass zur Sorge gebe der Universitätsbereich, räumte Schmitt 
gegenüber Abgeordnetem Andreas Karlsböck (F) ein. Der Bologna-
Prozess habe das angestrebte Ziel der verstärkten Mobilität der 
Studierenden noch nicht erreicht. Bedauerlich sei, dass viele 
AkademikerInnen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit Ungarn 
verlassen. (Schluss)
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