• 06.09.2010, 12:36:45
  • /
  • OTS0136 OTW0136

vida: Mit einer Pflege-Lehre sind Probleme der Branche nicht lösbar

Sozialmilliarde, um bessere Entlohung und mehr Personal sicherzustellen

Wien (OTS/ÖGB) - "Um den Personalmangel und die Finanznot im
Bereich Pflege und Betreuung zu lindern, rufen einige Politikerinnen
und Politiker nach einer Pflege-Lehre. Doch damit wäre weder den
Jugendlichen noch den PatientInnen gedient", sagt der
stellvertretende vida-Vorsitzende Willibald Steinkellner. Nötig sei
vielmehr eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, meint die
Gewerkschaft.++++

"15-Jährige in Pflege und Betreuung einzusetzen, um damit Kosten zu
sparen, halte ich für unverantwortlich. Die Lehre droht dann für
viele in einer inneren Leere zu enden. Denn selbst viele Erwachsene
halten dem hohen psychischen Druck und der hohen Arbeitsbelastung in
der Branche kaum stand. Laut einer Studie der AK NÖ ist jede/r fünfte
Beschäftigte Burn-Out gefährdet", sagt Steinkellner.

Die Arbeit mit alten, kranken, dementen und sterbenden Menschen
erfordere geistige Reife und eine gute Ausbildung. "Deshalb ist auch
im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz das Mindestalter für
Pflegeberufe mit 17 Jahren festgelegt. Das soll auch in Zukunft so
bleiben", verlangt Steinkellner.

Auch an der Personalknappheit im Pflege- und Betreuungsbereich würde
die Einführung eines Lehrberufes wenig ändern. Bleiben die
Arbeitsbedingungen so wie sie sind - also überlange Arbeitszeiten,
relativ bescheidene Entlohnung, großer Stress - wird sich an der
hohen Fluktuation der Beschäftigten in Pflege und Betreuung nichts
ändern. "Die ArbeitnehmerInnen würden dann früher in den Pflegeberuf
einsteigen, aber auch wieder früher aussteigen als das derzeit der
Fall ist", erklärt der Gewerkschafter.

Gewerkschaft fordert Sozialmilliarde für Pflege und Betreuung

Nicht nur die ArbeitnehmerInnen-Vertretungen, auch die
Arbeitgeber-Organisationen hätten in den vergangenen Wochen bereits
mehrmals auf die bedenklichen Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht,
die den Beschäftigten in Pflege und Betreuung zugemutet werden.
"Anstatt populistisch nach einer Pflege-Lehre zu rufen, sollten alle
Beteiligten, egal ob aus Bund, Ländern oder Gemeinden, einsehen, dass
es mehr Geld für Pflege und Betreuung braucht. An der Sozialmilliarde
und dem Pflegefonds führt kein Weg vorbei", sagt Steinkellner.
Dadurch solle mehr Personal, höhere Einkommen und die bessere
Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Beschäftigten
sichergestellt werden. "Nur wenn die Arbeitsbedingungen passen, wird
sich das Problem des Personalmangels in Pflege und Betreuung lösen
lassen", so Steinkellner abschließend.

ÖGB, 6. September 2010

Rückfragehinweis:

vida-Öffentlichkeitsarbeit
   Mag. Martina Fassler
   [email protected]
   Tel: 0664/614 57 32
   www.vida.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NGB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel