OTS0058 / 01.09.2010 / 09:45 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Frauenbericht 2010 / Parlament


Frauenbericht 2010: Die Einkommensschere bleibt weiterhin offen Die Situation von Frauen in Österreich im Zeitraum von 1998 bis 2008 =


   Wien (PK) - Mit dem Frauenbericht 2010 (III-174 d.B.) legt das 
Bundeskanzleramt einen umfassenden Überblick zur Entwicklung der 
Situation der weiblichen Bevölkerung Österreichs im Zeitraum von 
1998 bis 2008 vor. Es ist dies der vierte Frauenbericht seit 
1975. Der erste Teil des Berichts enthält detaillierte 
statistische Analysen der Statistik Austria. Der zweite Teil des 
Berichts widmet sich in vertiefenden Beiträgen Fragen der 
Entwicklung der Frauenpolitik, der Erwerbsarbeit von Frauen und 
ihrer ökonomischen Situation sowie dem Thema Gewalt gegen Frauen 
in Beziehungen. 
Bundesministerin für Frauen und Öffentlichen Dienst Gabriele 
Heinisch-Hosek hält im Vorwort fest, wesentliche Verbesserung für 
Frauen seien zwar erreicht worden, es bleibe aber noch viel zu 
tun. Die Gleichstellung von Frauen und Männern sei noch nicht 
erreicht. Noch immer verdienen Frauen für gleiche Arbeit um bis 
zu 18 % weniger als Männer. Der Frauenbericht sei ein klarer 
Handlungsauftrag an alle politischen EntscheidungsträgerInnen auf 
allen Ebenen, und auch die Sozialpartner, die Wirtschaft und alle 
MeinungsbildnerInnen seien gefordert, meint Heinisch-Hosek. 
Die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung ist weiblich
In Österreich lebten zu Jahresbeginn 2009 rund 4,3 Mio. Frauen, 
dies entspricht einem Anteil von 51,3 % der Gesamtbevölkerung. 
Bis zum 50. Lebensjahr gibt es etwas mehr Männer als Frauen, 
danach verschiebt sich die Geschlechterproportion zugunsten der 
Frauen. Die Lebenserwartung der Österreicherinnen hat sich seit 
1970 kontinuierlich auf derzeit 83 Jahre erhöht. Frauen leben 
damit durchschnittlich um 5,4 Jahre länger als Männer. 
Am Höhepunkt des Babybooms im Jahr 1963 lag die durchschnittliche 
Kinderzahl pro Frau bei 2,8. Gegenwärtig hat sich die 
Fertilitätsrate auf niedrigem Niveau (rund 1,4 Kinder pro Frau) 
stabilisiert. Das Durchschnittsalter bei der Geburt des ersten 
Kindes ist dabei angestiegen (24,6 Jahre im Jahr 1988, aktuell 
28,1 Jahre).
Der Anteil unehelicher Geburten liegt in Österreich bei knapp 
40 %, für Erstgeburten bei über 50 %. Die Zahl der 
Eheschließungen ist seit vier bis fünf Jahrzehnten tendenziell 
rückläufig, wobei das Erstheiratsalter sich stark erhöht hat. 
Aktuell heiraten Frauen im Durchschnitt mit rund 29 Jahren und 
Männer mit knapp 32 Jahren das erste Mal. Die Zahl der 
Ehescheidungen hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten 
verdoppelt, die Gesamtscheidungsrate liegt bereits nahe der 50 %-
Marke. Die Zahl der alleinlebenden Frauen im mittleren 
Erwachsenenalter (25 bis 49 Jahre) als auch die Zahl der 
alleinerziehenden oder in einer Lebensgemeinschaft lebenden 
Frauen ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich angestiegen. 
Im Alter ab 50 Jahren lebt nur eine Minderheit der Frauen in 
einer Partnerschaft. 
Frauen holen auf in der Bildung - aber nicht in allen Bereichen
Ein deutlicher gesellschaftlicher Wandel lässt sich am Zugang von 
Frauen zu höherer Bildung ablesen. Der Anteil der Personen mit 
lediglich Pflichtschulabschluss sinkt insgesamt, ist aber bei den 
Frauen immer noch höher als bei den Männern. Seit einigen Jahren 
erwerben allerdings etwas mehr Frauen als Männer einen Hochschul-
, Akademie- oder Kollegabschluss.
Beim Schulbesuch sind Frauen an allgemein bildenden höheren 
Schulen und berufsbildenden höheren Schulen stärker vertreten als 
Männer, ihr Anteil unter den MaturantInnen beträgt inzwischen 
60 %. Unter den Lehrlingen liegt der Frauenanteil hingegen nur 
bei 34,5 %. Etwa gleich viele Mädchen wie Burschen erwerben einen 
Sekundarabschluss. Eine starke Ungleichheit zeigt sich in der 
Auswahl der berufsbildenden Schultypen. Mädchen besuchen 
überdurchschnittlich oft wirtschaftsberufliche, sozialberufliche 
und kaufmännische, nur selten aber technisch-gewerbliche Schulen. 
Auch in der Wahl der Lehrberufe zeigen sich starke 
Geschlechterunterschiede. Die Hälfte aller weiblichen, aber nur 
knapp ein Zehntel der männlichen Lehrlinge wählt eine Lehre im 
kaufmännischen Bereich. Klassische Männerberufe findet man 
weiterhin im Metall- und Elektronikbereich.
Frauen sind seit 2000/2001 unter den Studierenden 
überrepräsentiert und haben im Studienjahr 2004/2005 auch bei den 
Abschlüssen ihre männlichen Studienkollegen überholt. Ihr Anteil 
an den Abschlüssen mit Doktorat beträgt jedoch nur 42 %. Es zeigt 
sich auch in der Fächerwahl eine sehr starke 
geschlechtsspezifische Segregation. In technischen Studiengängen 
öffentlicher Universitäten liegt der Anteil der Studentinnen bei 
lediglich 21,5 %. Das Lehrpersonal an Schulen besteht zu rund 
70 % aus Frauen, an den öffentlichen Universitäten stellen Frauen 
nur knapp 40 % des Lehrpersonals im Mittelbau und gar nur 16 % 
der ProfessorInnen. 
Beim lebenslangen Lernen sind Frauen generell aktiver als Männer, 
ausgenommen Frauen, die nach der Pflichtschule keine anerkannte 
Berufsausbildung oder Schule abgeschlossen haben. Auch sind 
Frauen in der beruflichen Weiterbildung oft stark benachteiligt. 
Erwerbstätige Frauen müssen berufsbezogene Kurse und Schulungen 
überproportional oft in ihrer Freizeit absolvieren. 
Frauen im Beruf: Segregierter Arbeitsmarkt, Teilzeitbeschäftigung
Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist in den letzten zehn Jahren 
gestiegen. Über 80 % der Frauen im zentralen Erwerbsalter (25 bis 
54 Jahre) und mehr als 90 % der gleichaltrigen Männer sind 
erwerbstätig bzw. arbeitslos. 2008 standen 1,4 Millionen 
erwerbstätigen und 53.000 arbeitslosen Frauen in diesem 
Altersbereich lediglich 193.000 ausschließlich haushaltsführende 
Frauen gegenüber.
Die Frauen-Erwerbsquote der 15- bis 64-Jährigen lag 2008 bei 
68,6 % (1998: 61,4 %) und ist damit im Zehnjahresvergleich 
stärker gestiegen als jene der Männer (1998: 80,2 % auf 81,4 %). 
Der Anstieg ist in erster Linie auf eine starke Zunahme von 
Teilzeitarbeit zurückzuführen, mittlerweile arbeiten rund vier 
von zehn Frauen Teilzeit, damit liegt die Teilzeitquote von 
Frauen in Österreich (2008: 41,5 %, 1998: 30,7 %) deutlich über 
dem EU-Durchschnitt (31,1 %). Frauen wünschen sich wesentlich 
häufiger als Männer eine Ausweitung ihrer Erwerbsarbeitszeit. Die 
Arbeitslosenquote von Frauen lag 2008 leicht über jener der 
Männer (3,6 %). 
Der österreichische Arbeitsmarkt weist eine starke vertikale 
Segregation (niedrige berufliche Stellungen werden häufiger 
Frauen zugewiesen, höhere Positionen hingegen von Männern 
dominiert) wie auch eine horizontale Segregation auf, d.h. Frauen 
und Männer konzentrieren sich auf unterschiedliche Berufe und 
Wirtschaftszweige.
Frauen sind weitgehend im selben Ausmaß von Sonderformen der 
Arbeitszeit (Samstags- und Sonntagsarbeit, Abend- und 
Nachtarbeit, Schicht-, Wechsel- oder Turnusdienst) betroffen wie 
Männer, verrichten darüber hinaus aber den Großteil unbezahlter 
Arbeiten wie Haushaltsführung und Kinderbetreuung. Männern 
leisten mehr Überstunden, bekommen diese aber auch häufiger in 
finanzieller oder anderer Form abgegolten als Frauen.
Die Geburt eines Kindes stellt für Frauen nach wie vor einen 
nachhaltigen Einschnitt bzw. Rückschritt in der Erwerbskarriere 
dar. Ein Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit ist oft schwierig, 
beispielsweise waren 36,3 % der davor erwerbstätigen Frauen 
selbst 32 Monate nach der Geburt des Kindes ohne Beschäftigung. 
Für Frauen bringt Elternschaft eine Unterbrechung und meist eine 
deutliche Reduzierung der Erwerbsarbeit (geringfügige 
Beschäftigung, Teilzeit) mit sich. Bei den Männern ist eher ein 
umgekehrter Trend zu verzeichnen.
Relative Einkommenssituation der Frauen hat sich nicht verbessert
Zur sozioökonomischen Situation der Frauen in Österreich hält der 
Bericht fest, dass im Vergleich zu den anderen EU-Mitgliedstaaten 
sehr große geschlechtsspezifische Verdienstunterschiede bestehen. 
Es gibt hier, wie die Studie festhält, einen beträchtlichen 
"Diskriminierungseffekt" für Frauen im Berufsleben.
Die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste der Frauen in 
Österreich lagen 2006 um 25,5 % unter jenen der Männer, größere 
Unterschiede gab es nur in Estland und Slowenien. Im 
Zeitvergleich zeigt sich in Österreich keine Verbesserung der 
relativen Einkommenssituation der Frauen. Während der Median der 
Bruttojahreseinkommen von unselbständig erwerbstätigen Frauen im 
Jahr 1998 bei 60,4 % des entsprechenden Männereinkommens lag, 
waren es 2007 59,4 %. Betrachtet man ganzjährig 
Vollzeiterwerbstätige, so erreichten Frauen 2007 78 % des Medians 
der Bruttojahreseinkommen der Männer. Frauen arbeiten öfter in 
Branchen mit niedrigen Einkommen und verdienen auch innerhalb der 
einzelnen Branchen und Berufe deutlich weniger als Männer. Ebenso 
liegen die Einkommen der Frauen in den unterschiedlichen 
hierarchischen Positionen (HilfsarbeiterInnen bis führende 
Tätigkeiten) unter jenen der Männer, wobei bei ArbeiterInnen der 
Unterschied besonders groß ist. Auch bei den selbständig 
Erwerbstätigen bestehen große Einkommensunterschiede zwischen 
Frauen und Männer. Im Öffentlichen Dienst fallen die 
Einkommensnachteile weit geringer aus als bei selbständig und 
unselbständig Erwerbstätigen in der Privatwirtschaft. 
Die Pensionen, die Frauen aus der gesetzlichen 
Pensionsversicherung beziehen, sind wegen niedriger 
Erwerbseinkommen und lückenhafter Versicherungsverläufe nach wie 
vor deutlich niedriger als die der Männer. Pensionen und andere 
Transferleistungen werden häufiger von Frauen als von Männern 
bezogen. 2008 wurden rund 61 % der Pensionen der gesetzlichen 
Pensionsversicherung an Frauen ausgezahlt, beim Bezug einer 
Ausgleichszulage lag der Frauenanteil bei 69 %. Über zwei Drittel 
der PflegegeldbezieherInnen sind Frauen, Kinderbetreuungsgeld 
wird ebenfalls nahezu ausschließlich von Frauen bezogen (2008: 
96 %). 
Der Lebensstandard von Frauen ist in vielen Fällen von der Höhe 
der Einkünfte des Partners abhängig. Zwei von drei Frauen leben 
als Angehörige in einem Mehrpersonenhaushalt und haben keine 
eigenen Einkünfte oder geringere Einkünfte als der Hauptverdiener 
im Haushalt. Die am stärksten armutsgefährdete Gruppe sind die 
Alleinerzieherinnen. Ohne Erwerbstätigkeit lag das 
Armutsgefährdungsrisiko ihrer Haushalte bei 60 %. Eine der 
Schlussfolgerungen des Berichts lautet, dass 
Frauenerwerbstätigkeit ein zentraler Faktor der Armutsvermeidung 
ist und durch flexible Arbeits- und Kinderbetreuungsmodelle sowie 
ausreichende außerfamiliäre Betreuungseinrichtungen gefördert 
werden könnte.
Frauenspezifische Probleme des Gesundheits- und Pflegebereichs
Gesundheit und Krankheit, aber auch der Zugang zum 
Gesundheitssystem werden wesentlich von sozialen Faktoren 
bestimmt. Geschlechtsunterschiede spielen dabei eine große Rolle, 
weiters Alter, die Familien- und Lebensform, die ethnische 
Zugehörigkeit, Bildung und soziale Schicht. Frauen sind im 
Gesundheitssystem in Entscheidungspositionen noch immer 
unterrepräsentiert, obwohl sie die Mehrheit der MitarbeiterInnen 
stellen. 
Pflege ist weiblich: aufgrund der höheren Lebenserwartung stellen 
Frauen den Großteil der zu Pflegenden, aber auch mehrheitlich das 
Pflegepersonal, sei es als professionell Pflegende, als pflegende 
Angehörige oder als legale und illegale Pflegerinnen aus Südost-
und Osteuropa. Frauen nehmen den Bereich der Altenpflege zwar 
mehr in Anspruch als Männer, leisten zu ihm aber durch meist 
geringfügig oder gar nicht bezahlte informelle Pflegeleistungen 
einen unverzichtbaren Beitrag.
Zu Frauengesundheit und Pflege bedarf es noch weiterer 
gesundheitswissenschaftlicher Forschung. Vor allem in der 
Epidemiologie, der Versorgungsforschung und der Evaluation fehlen 
noch Daten, die ein Monitoring von Effektivität und Effizienz 
gesundheitspolitischer Maßnahmen erlauben, um im 
Gesundheitsbereich die Rücksichtnahme auf genderspezifische 
Unterschiede zu ermöglichen. 
Ländlicher Raum: Qualifizierte Frauen wandern ab 
Frauen spielen bei der Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit 
ländlicher Räume - im Besonderen der peripheren Regionen - eine 
wesentliche Rolle, finden dort aber auch spezifische Nachteile 
vor. Die Definition des "Ländliches Raums" im vorliegenden 
Bericht erfolgt nach dem Grad der Urbanisierung auf einer 
fünfstufigen Skala, mit der Großstadt Wien, wo mit Jahresbeginn 
20 % der österreichischen Bevölkerung lebten, an einem Ende. Am 
anderen Ende stehen stark agrarisch geprägte Gemeinden (unter 
20.000 EinwohnerInnen und eine Agrarquote von 7 % oder mehr), wo 
nur rund 14 % der Bevölkerung Österreichs leben. Der Frauenanteil 
betrug in Wien 52,2 %, in den stark agrarischen Gemeinden 49,8 %. 
Frauen im Alter von 18 bis 26 Jahren wandern am häufigsten in die 
Städte ab. Das deutlich höhere durchschnittliche 
Qualifikationsniveau von Frauen in den Städten resultiert zu 
einem großen Teil aus der Abwanderung hoch qualifizierter Frauen 
aus ländlichen Regionen.
Stadt-Land-Unterschiede in der Bildungs- und 
Beschäftigungsstruktur zeigen sich auch in der Höhe und 
Verteilung der Einkommen. Das mittlere Bruttojahreseinkommen von 
unselbständig erwerbstätigen Frauen sinkt mit der steigenden 
Agrarquote des Wohnorts. In Gemeinden mit hoher Agrarquote ist 
die Frauenerwerbstätigkeit aufgrund des hohen Anteil selbständig 
erwerbstätiger Frauen zwar am höchsten (69 % im Jahr 2008 vs. 
62 % in Wien), doch handelt es sich dabei oft um mithelfende 
Angehörige in der Landwirtschaft. In ländlichen Gebieten bietet 
der Dienstleistungssektor weniger Beschäftigung für Frauen als im 
städtischen Raum.
Starke Benachteiligungen ländlicher Gebiete zeigen sich bei der 
Kinderbetreuung, im ländlichen Raum steht ein Großteil der 
Kindergärten weniger Stunden pro Tag zur Verfügung als in den 
Städten. Auch im agrarischen Sektor erreichen Frauen selten 
Spitzenpositionen. 2007 wurden zwar 39 % aller bäuerlichen 
Betriebe von Frauen geführt - ab einer Betriebsgröße von 200 
Hektar waren es allerdings nur mehr 17 %. In der 
Landwirtschaftskammer sind Frauen unterrepräsentiert, die 
regionalen Landwirtschaftskammern haben einen Frauenanteil von 
lediglich 15 %.
Schwache sozioökonomische Lage von Migrantinnen
Zu Jahresbeginn 2009 lebten rund 725.000 Frauen ausländischer 
Herkunft in Österreich, knapp 17 % der weiblichen Bevölkerung. 
Sieben von acht Frauen mit ausländischer Herkunft stammen aus 
anderen europäischen Staaten, etwa die Hälfte davon aus anderen 
EU- oder EWR-Staaten bzw. der Schweiz. Weitere 
Hauptherkunftsländern sind die Nachfolgestaaten Jugoslawiens und 
die Türkei.
Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit bekamen 2008 
deutlich mehr Kinder als Österreicherinnen und waren bei der 
Geburt des ersten Kindes deutlich jünger als österreichische 
Mütter. Der Anteil der Eheschließungen zwischen österreichischen 
und ausländischen Staatsangehörigen ist in den vergangenen drei 
bis vier Jahrzehnten deutlich angestiegen. Beim Zuzug nach 
Österreich überwiegen die Männer, nur aus einigen osteuropäischen 
(vor allem Tschechien und Slowakei) und asiatischen Staaten 
(Thailand und Philippinen) wanderten mehr Frauen als Männer zu. 
Gründe der Zuwanderung von Frauen waren überwiegend der 
Familiennachzug und Ausbildung, die kurzzeitige Saisonarbeit 
sowie Asylwanderung wurde zu zwei Dritteln von Männern 
bestritten.
Ausländische Frauen absolvieren tendenziell kürzer dauernde 
Ausbildungen, doch findet man bei ihnen nicht nur einen höheren 
Anteil niedrig Qualifizierter, sondern auch mehr Akademikerinnen 
als unter den Österreicherinnen. Die Beschäftigung im Ausland 
geborener Frauen konzentrierte sich dabei auf wenige Branchen. 
Sie waren in geringerem Maße erwerbstätig als im Inland geborene 
Frauen, hatten eine höhere Arbeitslosigkeit (2008 knapp 7,8 %) 
als österreichische Staatsbürgerinnen (5,3 %) und verdienten 2007 
nur rund zwei Drittel des Durchschnittseinkommens von 
Österreicherinnen. 39 % der Haushalte von Migrantinnen mussten 
einen überdurchschnittlich hohen Teil (mehr als ein Viertel) des 
verfügbaren Haushaltseinkommen für Wohnkosten aufwenden, 
gegenüber 18 % der von Österreicherinnen geführten Haushalte 
(2007). Dementsprechend waren Migrantinnen mehr als doppelt so 
oft armutsgefährdet.
Mehr politische Repräsentanz, aber noch keine Gleichstellung
Die Repräsentation von Frauen in der Politik hat sich im 
gesamteuropäischen Trend seit den 1990er-Jahren zwar verbessert, 
Frauen sind aber in Parlamenten und Regierungen nach wie vor 
unterrepräsentiert. In Österreich lag der Frauenanteil im 
Nationalrat nach den Wahlen 2008 bei 27 %, nachdem er nach den 
Nationalratswahlen 2002 schon rund 34 % betragen hatte. Im EU-
Durchschnitt waren 24 % der Abgeordneten in den nationalen 
Parlamenten Frauen. 
Veränderungen gibt es im Wahlverhalten von Frauen und Männern. 
Wählten Frauen in den 1990er-Jahren noch verstärkt Mitte-Links- 
und Männer eher Mitte-Rechts-Parteien, schwächt sich dieses 
geschlechtsspezifische Muster im Wahlverhalten ab. Bei den 
Nationalratswahlen 2008 war sowohl bei den Frauen als auch bei 
den Männern eine Mehrheit für Mitte-Rechts-Parteien zu erkennen. 
Frauen werden auch bei Wahlen selten als Spitzenkandidatinnen 
aufgestellt und finden sich auch selten in den Führungsgremien 
von Gewerkschaftsbund, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer und 
Industriellenvereinigung. Ebenso sind in wirtschaftlichen 
Führungspositionen nach wie vor nur wenige Frauen vertreten. Die 
Vorstände der größten börsennotierten Unternehmen hatten 2008 
lediglich einen Frauenanteil von 6 %. 
Verfestigte Rollenbilder wandeln sich nur sehr langsam
Der zweite Teil des Berichts enthält vertiefende Beiträge zu 
Problemfeldern der Situation von Frauen in Österreich. In der 
Entwicklung der Frauenpolitik wird feststellt, dass sich der 
Fokus zunehmend auf Fragen der Gleichstellungspolitik verlagert. 
Das tradierte Rollenverhalten von Männern und Frauen wirke sich 
auf Bildungs- und Berufslaufbahn und letztlich zuungunsten der 
ökonomischen Situation von Frauen aus, hält die Studie fest. 
Mehrere kulminierende Faktoren, wie ein geschlechtsspezifisch 
segregierter Bildungsweg und Arbeitsmarkt, Unterbrechungen des 
Erwerbslebens durch Zeiten der Kinderbetreuung, fehlende 
Kinderbetreuungseinrichtungen und geringere regionale Mobilität 
bringen Frauen wesentliche Nachteile im Berufsleben und führen zu 
deutlich niedrigeren Einkommen. Daraus folgt eine häufigere 
Überschuldung und eine schlechtere Absicherung von Frauen im 
Alter. Ein weiteres Thema ist die Gewalt gegen Frauen in 
Beziehungen. Zum Schutz von Frauen sind in den letzten Jahre 
einige gesetzliche Maßnahmen gesetzt worden, die aber in der 
Praxis nicht immer greifen, vor allem, wenn Frauen im ländlichen 
Bereich oder Migrantinnen betroffen sind. (Schluss)
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