- 23.08.2010, 19:42:06
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Dienstag, 24. August 2010, von Kathrin Siller: "Killerspiele schaffen keine Verbrecher"
Computerspiele sind nicht das Problem. Es sind die Eltern, die ihre Kinder damit alleine lassen.
Innsbruck (OTS) - Das Spiel endet nie. Mit seiner virtuellen Figur
kämpft man sich von Level zu Level und ist das letzte erreicht, gibt
es noch immer Neues zu entdecken. Gleich wie die Online-Rollenspiele
gestalten sich auch die Diskussionen darum: Sie enden nie. Studien,
die die Wirkung der Spiele analysieren, zeigen ein Spektrum auf, das
von nicht bis extrem aggressionsfördernd reicht. Immer wieder gibt es
Vorstöße seitens der Politik, nach denen "Killerspiele" überhaupt
verboten werden müssen. Denn genau sie sollen Schuld an der angeblich
steigenden Verrohung der Jugend sein. Die Spiele bieten nämlich keine
Möglichkeiten zur friedlichen Problemlösung, es geht nur darum, den
Gegner so schnell wie möglich zu vernichten. Das lässt vielleicht
abstumpfen, muss allerdings nicht zwangsläufig zu Aggressivität
führen.
Gefragt sind aber vor allem die Eltern: Die europäische
PEGI-Kennzeichnung für Computerspiele gibt ihnen beim Kauf z. B.
Altersempfehlungen und Hinweise auf Gewaltszenen. Überdies können
Eltern mit einem "KidTime"-Stick die Zeit, die ihr Nachwuchs am PC
verbringt, steuern. Allerdings ist es sinnvoller, wenn Eltern
versuchen, die Faszination nachzuvollziehen, hin und wieder sogar
mitspielen. Damit lassen sich Aggression und latente Wut in geordnete
Bahnen lenken. Das Problem liegt schließlich in dem Umfeld, in dem
die Jugendlichen ihre virtuellen Kämpfe ausfechten. Ist ihr Leben
bereits von familiärer Gewalt und fehlender Kommunikation geprägt,
stimuliert jede Gewaltdarstellung ihr Aggressionspotenzial weiter.
Häufig sind es gerade Kinder von bildungsfernen und desinteressierten
Eltern, die sich in Spielewelten verlieren. Und gegen gleichgültige
Väter und Mütter sind all die gut gemeinten Informationsanstrengungen
wirkungslos.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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