Wien (OTS/ÖGB) - "Würden Sie es als 'Gewinn' bezeichnen, wenn
Ihnen ein Taschendieb die Hälfte vom Geld wieder zurückgibt, dass er
Ihnen vorher weggenommen hat?", relativiert Bernhard Achitz,
Leitender Sekretär des ÖGB, die Jubelmeldungen über 2,4 Prozent
Ertrag der Pensionskassen. "Von einem niedrigen Ausgangspunkt lässt
es sich leicht wachsen. Man darf aber nicht vergessen: Ist der Kurs
in einem Jahr um 50 Prozent gefallen, muss er um 100 Prozent steigen,
damit er wieder den Ausgangswert erreicht", rechnet Achitz vor. 2,4
Prozent Ertrag sind also gerade einmal ein Tropfen auf den heißen
Stein.++++
Die Kassen könnten wesentlich besser abschneiden, wenn sie dort
investieren würden, wo die größten Gewinne zu holen wären. "Tun sie
aber nicht", sagt Achitz, "denn sie zahlen lieber in Produkte jener
Banken ein, die die Eigentümerinnen der jeweiligen Kassen sind. Der
ÖGB fordert ein Verbot von solchen Investments in die eigenen
Muttergesellschaften."
Nur im staatlichen Pensionssystem gibt es sozialen Ausgleich
"Die Pensionskassen machen ein gutes Geschäft mit dem Krankjammern
der öffentlichen Pensionen. Doch es ist unbedingt notwendig, dass das
staatliche Pensionssystem erhalten bleibt: Es ist die einzige Säule,
die soziale Gerechtigkeit bringt, denn man sammelt auch
Versicherungsmonate, wenn man krank, arbeitslos oder in Karenz ist -
ohne dass man dafür Beiträge bezahlen muss", sagt Achitz. Alle
privaten Vorsorgen verlangen dafür hohe Extraprämien. Außerdem gibt
es bei den Privaten keinerlei sozialen Ausgleich in Form einer
Ausgleichszulage (also keine Mindestpension).
Soziale Sicherheit darf nicht von den Aktienkursen abhängen
Die privaten Pensionsversicherungen können nur funktionieren, solange
die Kurse an den Börsen steigen. "Die Kurse steigen aber nur, solange
frisches Geld nachkommt - wenn weniger Menschen arbeiten oder die
Einkommen geringer sind, kommt kein frisches Geld nach, die Kurse und
damit die Altersversorgung der ZusatzpensionistInnen schrumpelt
zusammen", sagt Achitz:"Die Finanzkrise hat es ja deutlich gezeigt:
Soziale Sicherheit darf nicht von Aktien und Veranlagungen abhängig
sein!"
Neben dem Investitionsverbot in die Muttergesellschaften fordert der
ÖGB:
+ sichere und transparente Veranlagung
+ niedrigere und transparente Verwaltungskosten
+ Möglichkeit, jederzeit die Pensionskasse zu wechseln
+ Möglichkeit, aus der Pensionskasse auszusteigen
"Zusätzlich sollen die Eigentümer der Pensionskassen verpflichtet
werden, Ertragsausfälle zu ersetzen, wenn ihre Veranlagungen nicht
die versprochene Rendite bringen. Denn derzeit haben die
Pensionskassen und ihre Eigentümer so gut wie überhaupt kein Risiko -
das bleibt vor allem bei den ArbeitnehmerInnen und den
PensionistInnen hängen", kritisiert Achitz.
Rückfragehinweis:
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ÖGB Öffentlichkeitsarbeit
Florian Kräftner
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OTS0099 2010-08-13/11:21
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NGB0001 0417