OTS0197 / 29.07.2010 / 18:13 / Channel: Politik / Aussender: Tiroler Tageszeitung
Stichworte: Pressestimmen


TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 30. Juli 2010 von Wolfgang Sablatnig "Echtes Sparen geht nur mit Flexibilität"

Utl.: Der Wechsel von Soldaten in andere Ministerien sollte Vorbild für den ganzen Öffentlichen Dienst sein.


   Innsbruck (OTS) - Kaum in einem anderen Bereich offenbart sich das
Dilemma des öffentlichen Dienstes so deutlich wie beim Bundesheer.
Verteidigungsminister Norbert Darabos rühmt sich, er nehme
Verwaltungsreform ernst und habe allein in seiner Zentralstelle schon
Hunderte Arbeitsplätze abgebaut. Gratuliere. Bloß bringt ihn das bei
seinem 530 Millionen Euro schweren Sparpaket bisher kaum weiter. Denn
echter Personalabbau ist im öffentlichen Dienst nicht vorgesehen. 
Stattdessen warten Hunderte Soldaten und Zivilbedienstete darauf, mit
Hilfe des sogenannten "Personalproviders" einen neuen Job zu finden.
An anderen Stellen im öffentlichen Dienst hingegen herrscht 
Personalmangel. Bei der Polizei etwa, auch in der Justiz. Und trotz
Sparpaket könnten dort auch Leute unterkommen.
Die Pläne für den Wechsel von Hunderten Heeresangehörigen zur Finanz
und ins Innenministerium oder von Postlern zur Polizei sollten da ein
Vorbild sein. Der Verteidigungsminister kann sich über echte
Einsparungen freuen, wenn die Beamten nicht mehr aus seinem Budget
bezahlt werden. Und die Betroffenen bekommen wieder eine berufliche
Perspektive. Denn das Dasein als "900er" - so die interne Bezeichnung
imk Verteidgungsressort - ohne echte Aufgabe und Herausforderung
schürt mehr Frust als es Lebensqualität fördert. 
Dass derartige Projekte erst jetzt in größerem Rahmen anlaufen,
zeigt, wie beharrend und reformbedürftig der Beamtenapparat insgesamt
ist. Es würde schon weiterhelfen, die Voraussetzungen für eine
Versetzung zu erleichtern. Schon dann könnten die Ministerien und
Behörden schneller und flexibler auf neue Herausforderungen
reagieren. Unterm Strich würden dabei auch Einsparungen zu lurkieren
sein, ohne dass Kündigungen oder echter Personalabbau nötig wären.
Rückfragehinweis:
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