• 13.07.2010, 10:22:44
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  • OTS0061 OTW0061

Empfehlungen zur Verbesserung des Hochschulsektors Endbericht zum Dialog Hochschulpartnerschaft liegt dem Parlament vor

Wien (PK) - Der dieser Tage dem Parlament zugeleitete Endbericht
zum Dialog Hochschulpartnerschaft (III-163 d.B.) enthält neben
einer detaillierten Übersicht über den im November 2009
gestarteten Dialogprozess auch seine Ergebnisse in Form von
Empfehlungen, die in den fünf Arbeitsforen unter Leitung des BMWF
konzipiert wurden.

Im Vorwort des Berichts äußert Wissenschaftsministerin Beatrix
Karl ihr Bedauern darüber, dass es einem großen Teil der
Studierenden und den Rektoren der öffentlichen Universitäten
nicht möglich war, den gemeinsam initiierten Dialog auch
gemeinsam zum Abschluss zu bringen. Das Ausscheiden dieser
Gruppen habe die Sinnhaftigkeit des gesamten Unternehmens aber
nicht in Frage gestellt, sondern die Bedeutung des
gemeinschaftlichen Erarbeitens wichtiger Entscheidungsgrundlagen
noch zusätzlich unterstrichen. Dabei dürfe man, so Karl, aber
nicht vergessen, dass es zur effektiven Umsetzung vieler
Empfehlungen eines langen Atems aller Beteiligten bedürfe.

Die Empfehlungen der Arbeitsforen im Überblick

Im Zuge der Diskussionen des ersten Arbeitsforums, das sich mit
dem gesellschaftlichen Auftrag des tertiären Sektors
auseinandersetzte, wurden durchaus unterschiedliche
Erwartungshaltungen formuliert. Die Ergebnisse der Beratungen
liegen in Form von Leitsätzen vor, die sich auf die
gesellschaftliche, institutionelle und individuelle Ebene
beziehen. Diese Grundsätze umfassen u. a. die Sicherstellung der
Freiheit der Wissenschaft, die Aufrechterhaltung der
institutionellen Vielfalt, die Förderung der horizontalen und
vertikalen Durchlässigkeit sowie die Bereitstellung qualitativer
Information für eine fundierte Studienwahl.

Vor dem Hintergrund wachsender Studierendenzahlen bei begrenzten
budgetären Mitteln beschäftigte sich das zweite Arbeitsforum mit
der koordinierten Entwicklung des tertiären Sektors, wobei Fragen
der hochschulischen Organisation, Qualitätssicherung und der
Koordination mit der österreichischen FTI-Strategie auf der
Agenda standen. Die Empfehlungen des Forums reichen von der
verstärkten Internationalisierung aller Hochschulsektoren über
den anteilsmäßigen Ausbau von Fachhochschulen und die
Weiterentwicklung der Profile der tertiären Bildungseinrichtungen
bis hin zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die
Kooperation zwischen den hochschulischen Einrichtungen. Was den
letzten Punkt anbelangt, so seien "Brückenprofessuren"
vorstellbar, durch die die gemeinsame Lehrtätigkeit an
Fachhochschulen und Universitäten forciert würde. Eine
intensivere Zusammenarbeit zwischen Wissenschafts- und
Bildungsministerium wäre besonders in Hinblick auf die geplante
"Lehrer/innenausbildung Neu" wünschenswert.

Einen wesentlichen Rahmen und Bezugspunkt für das dritte
Arbeitsforum bildeten der Bologna-Prozess und die damit
verbundene Neugestaltung der europäischen Studienarchitektur -
Themen, bei denen laut Bericht erhebliche Informationsdefizite
bestanden. Das Forum habe sich deshalb auch bemüht, mehr
Transparenz in den Bologna-Prozess und seine tatsächlichen Ziele
zu bringen und kursierende Mythen zu widerlegen. Daneben standen
die Themen "Lebenslanges Lernen", Mobilität,
Qualifikationsprofile, "Employability" und "Student centred
learning" im Fokus der Diskussion. Was den Bereich Mobilität
betrifft, so sollen - laut Empfehlungen des Arbeitsforums - u. a.
die Curricula in Hinblick auf die Gleichwertigkeit der
Gesamtausbildung im europäischen Raum evaluiert und
weiterentwickelt werden. Auch hielte man es für sinnvoll, ein
vorbereitendes Fremdsprachen-Angebot für österreichische
HochschülerInnen, die im Ausland studieren möchten,
bereitzustellen und Anerkennungsverfahren zu beschleunigen. Das
Prinzip der forschungsgeleiteten Lehre solle sich in der
Gestaltung der Curricula niederschlagen, die Rahmenbedingungen
für das Fortkommen in den Curricula müssten außerdem einer
Überprüfung unterzogen werden. Weitere Empfehlungen betreffen u.
a. die Forcierung der Anerkennung von Bachelor-Abschlüssen, die
Entwicklung von Qualifikationsprofilen und die Aufwertung der
Lehre.

Auf der Agenda des vierten Arbeitsforums standen die Optimierung
der Nahtstelle zwischen Schule und Hochschule sowie die Themen
Studienberatung und -information, Zugangsregelungen, soziale
Durchlässigkeit an den Universitäten, soziale Absicherung von
Studierenden und Drop-out-Problematik. Grundlegender Konsens
herrschte im Forum darüber, dass sowohl die Zahl der
StudienanfängerInnen als auch die Zahl der StudienabsolventInnen
erhöht werden soll. Verbesserungen seien vor allem bei der
Information der Studieninteressierten anzustreben. Außerdem gelte
es Maßnahmen zu ergreifen, um den Zugang zur Hochschule frei von
Beeinträchtigung durch soziale Faktoren zu machen. Keinen Konsens
konnte die Dialoggruppe in Hinblick auf die Frage der
Zugangsregelungen erzielen. Über den Hochschulzugang und die
bereitzustellenden Kapazitäten sei jedoch dringend ein
politischer Konsens herzustellen.

Das fünfte Arbeitsforum widmete sich den Themen Ressourcen und
Finanzierung und gelangte zu dem Schluss, dass am Ziel, bis
spätestens 2020 mit öffentlichen und privaten Mitteln 2 % des BIP
für tertiäre Bildungseinrichtungen aufzubringen, festzuhalten
sei. Etliche Stakeholder-Gruppen fordern deshalb eine stärkere
Mittelzuführung in den ersten Jahren bis Ende 2010. Angesichts
der Wirtschaftskrise seien Investitionen in den Bildungsbereich
dringend zu empfehlen. Die damit zusätzlich aufgebrachten
finanziellen Mittel sollen - so die Empfehlungen - vor allem in
den weiteren Ausbau des Fachhochschulsektors fließen. (Schluss)

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