- 02.07.2010, 13:45:04
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Licht und Schatten in der heimischen Kultur Kulturbericht 2009 liegt dem Parlament vor
Wien (PK) - "Der Staat gewinnt in den wirtschaftlich schwierigen
Zeiten, die wir derzeit durchlaufen, in vielen Bereichen, aber im
besonderen Maße in der Kultur, besondere Bedeutung als
verlässlicher, stabiler und der Sache verpflichteter Partner. Ich
sehe es als die zentrale Aufgabe meines Hauses, die
Rahmenbedingungen für Künstlerinnen und Künstler sowie für
Kulturinstitutionen finanziell sicher zu stellen." So leitet
Bundesministerin Claudia Schmied den "Kulturbericht 2009" des
Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur ein. (III-165
d.B.)
Dieses klare Bekenntnis zur Verantwortung des Staates für die
Förderung der Kunst sei untrennbar verbunden, so Schmied, mit
einem solchen zur Wahrung der Autonomie von Kunst und Kultur. Es
gelte zu fördern, zu unterstützen, zu ermutigen, "aber all das,
ohne in die Freiheit der Kunst einzugreifen". Deshalb sei in den
letzten Jahren die Abwicklung der Förderungen professionalisiert
worden. Man habe darauf geachtet, dass alle Entscheidungen
transparent und nachvollziehbar seien und dass mehrjährige
Förderverträge den Kunstschaffenden und ihren Institutionen
maximale Planungssicherheit garantieren.
Kulturpolitische Zielsetzungen
Sodann listet die Ministerin die "wichtigen kulturpolitischen
Ziele" auf, denen die besondere Aufmerksamkeit des Hauses
gegolten habe: "Wir haben den Fokus auf die Förderung junger
Künstlerinnen und Künstler am Beginn ihrer Karriere gerichtet.
Sie werden unter anderem mit Stipendien, Auslandsaufenthalten
oder Galerie- und Messeförderungen unterstützt." Und weiter heißt
es im "Kulturbericht" wörtlich: "Als Beispiel dafür stehen die
Start-Stipendien, die 90 jungen Menschen aus allen Bereichen der
Kunst die Umsetzung ihrer künstlerischen Vorhaben erleichtern und
ihnen helfen, in die österreichische und internationale
Kunstszene einzusteigen. Die nachhaltige Beachtung des Gender-
Aspekts, auf den wir auch alle Jurys verpflichtet haben, hat dazu
geführt, dass bei den Start-Stipendien ein Frauenanteil von 62
Prozent erreicht werden konnte."
Zu den weiteren Zielen zählt die Ministerin schließlich noch die
Kunstvermittlung an den Schulen und Kunst in der Lehrerbildung.
Die Gesamtheit der genannten Ziele solle, so Schmied, "zu einem
breiten Verständnis für eine offene Kultur führen".
Sodann betont das Regierungsmitglied, dass "wir - ob Ministerin
oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sektionen für Kunst und
Kultur" von "Leidenschaft erfasst", sich "auch im Jahr 2009 mit
aller Kraft dafür eingesetzt" haben, "Kunst und Kultur zu
pflegen".
Nun auf den eigentlichen Bereich, nämlich den "Kulturbericht",
kommend, hält die Ministerin als wesentliches Ereignis des Jahres
2009 fest, dass die Bundesmuseen und die Nationalbibliothek im
Berichtszeitraum zwei große Ziele verfolgt hätten: die Schärfung
des eigenen Profils und die Stärkung der Kernkompetenzen. Zu
diesem Zweck "wurden für alle Institutionen neue Museumsordnungen
erlassen." Seit 2. Januar 2010 gelte zudem freier Eintritt für
Jugendliche in den Bundesmuseen, womit "der Jugend die
kulturellen Werte" vermittelt werden sollen.
Die Anhebung der Basisabgeltung - erstmalig seit der
Ausgliederung der Bundesmuseen - soll, so Schmied, den
Handlungsspielraum der Institutionen gerade in einem ungünstigen
wirtschaftlichen Umfeld stärken. Auch bei den Bundestheatern habe
man den Bundeszuschuss erhöht, um deren im internationalen
Vergleich einzigartige Position zu sichern. Im Bereich des
Denkmalschutzes konnten wichtige Projekte zur Erhaltung des
kulturellen Erbes unterstützt und weitere vorbereitende Schritte
zur zukünftigen Positionierung des Bundesdenkmalamtes gesetzt
werden. "Und auch für die Öffentlichen Büchereien und die
Volkskultur konnten Adaptierungen der Fördermodelle vorbereitet
werden".
Eine erfreuliche Bilanz zieht Schmied zudem hinsichtlich des
Projekts "Linz 09". 220 Projekte, 7.700 Veranstaltungen und fast
3,5 Millionen Besucher unterstrichen den Erfolg dieser
Initiative, heißt es abschließend im Vorwort der Ministerin.
Teilhabe an der heimischen Kultur
Die Bilanz der heimischen Bundesmuseen für das Jahr 2009 ist
gleichwohl durchwachsen. Insgesamt verloren sie gegenüber dem
Jahr 2008 rund 10 Prozent ihrer Besucher, wobei von den
verbliebenen Gästen gerade noch etwas mehr als drei Viertel
Eintritt bezahlten. Die stärksten Verluste fuhren dabei die
Albertina, die Österreichische Galerie im Belvedere und die
Nationalbibliothek ein, während immerhin das Pathologisch-
Anatomische Bundesmuseum sich über einen Besucherzuwachs von fast
sieben Prozent freuen konnte.
Ebenfalls bergab ging es in der Besucherstatistik der heimischen
Bundestheater. Während die Burg ihre Besucherzahlen im
wesentlichen halten konnte, verloren Staats- und Volksoper an
Zuspruch. Als kleines Trostpflaster wurden diesen Institutionen
2009 insgesamt 142 Mio. Euro an Förderungen überwiesen. Die
zahlreichen Bundesmuseen mussten sich im Berichtszeitraum mit
schlanken 160 Mio. Euro an Förderungen begnügen. Für das
Büchereiwesen und die Volkskultur standen im Vergleich dazu 2,4
Mio. Euro zur Verfügung.
Die Bundesmuseen
Die Albertina setzte nach den erfolgreichen Großschauen der
letzten Jahre 2009 auf ein eher diskretes Ausstellungsprogramm.
Lediglich die Rembrandt- und die Impressionismusausstellung (die
allerdings erst Ende 2009 startete) waren programmierte
Publikumsmagneten, die übrigen Ausstellungen wandten sich qua
nomine eher an Insider. Der Zuschauerzuspruch fiel denn auch von
803.000 im Jahr 2008 auf 542.578 im Jahr 2009, wobei hievon
insgesamt 221.372 Personen den vollen Eintrittspreis zahlten.
Künstlerisch bedeutsamer gab sich die Österreichische Galerie im
Belvedere, in deren Programm vor allem die Schauen über Alfons
Mucha, Lovis Corinth und Ferdinand Georg Waldmüller herausragten.
Doch auch die kleineren Ausstellungen - "Die Macht des
Ornaments", "Franz West" oder die Retrospektive zu Herbert Boeckl
- fanden ihr Publikum. Insgesamt ging der Besucherzustrom dennoch
leicht zurück, was aber auch dem Umstand geschuldet war, dass
sich 2008 als ein Rekordjahr erwiesen hatte. Vergliche man die
Zahlen von 2009 nämlich mit jenen von 2007, so ergäbe sich ein
Besucherplus von über 25 Prozent.
Positiv konnte auch das KHM bilanzieren. Highlight der regen
Ausstellungstätigkeit war im Berichtszeitraum die vielbeachtete
Exhibition über Karl den Kühnen, wobei auch in den anderen, dem
KHM angeschlossenen Institutionen wie Schloss Ambras, das
Theater- oder das Völkerkundemuseum, Beachtliches wie etwa
"Thomas Bernhard" oder "Sitting Bull" zur Schau gestellt wurde.
Der hohe Besucherstandard von mehr als 1,1 Millionen Personen
konnte auch 2009 gehalten werden.
In NHM befand man sich 2009 nicht nur auf den Spuren der Römer in
Vindobona, anlässlich des Darwinjahres wurde auch dem Schöpfer
der Evolutionstheorie breiter Raum gewidmet. Die Besucherzahlen
waren 2009 leicht ansteigend, wobei auch die Gruppe der zahlenden
Besucher gegenüber 2008 zunahm.
Nationalbibliothek
Polen, Homer und Wenzel von Böhmen standen im Fokus der
Ausstellungen der Nationalbibliothek. Während sich diese
Ausstellungen großer Beliebtheit erfreuten, ging jedoch die Zahl
jener, die allein die Räumlichkeiten besichtigten, nennenswert
zurück, sodass auch die ÖNB das Berichtsjahr mit einem
Gesamtminus an Besuchern abschließen muss. Zurückgeführt wird
dies nicht zuletzt auch auf einen generellen Rückgang im
Städtetourismus, unter dem auch bauliche Sehenswürdigkeiten zu
leiden hätten.
Bundestheater
Mit einem engagierten Programm und teilweise vielbeachteten
Premieren konnte das Burgtheater auch 2009 positiv bilanzieren.
Neben Klassikern wie "Ende gut, alles gut" (Shakespeare), "Das
Leben ein Traum" (Calderon de la Barca), "Der Schein trügt"
(Bernhard) oder "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" (Albee) galt
es 2009 auch Neues bzw. Unbekanntes zu entdecken, sodass der
ausgewogene Mix zwischen Klassik und Moderne, Mainstream und
Avantgarde auch 2009 für volle Häuser an der Burg, an der
Akademie und im Kasino sorgten.
Besuchereinbrüche - allerdings von einem hohen Niveau ausgehend -
hatte die Staatsoper zu konstatieren, wofür auch in diesem Fall
der Rückgang im Städtetourismus ins Treffen geführt wird. Neben
einigen Wiederaufnahmen gab es 2009 zwei Wagner-Premieren
("Götterdämmerung" und "Rheingold") sowie die Premiere von
Tschaikowskis "Eugen Onegin".
Tschaikowski stand auch auf dem Spielplan der Volksoper.
Diesfalls wurde der "Nussknacker" neu auf die Bühne gebracht.
Zusätzlich gab es Premieren von Werken Kreneks ("Kehraus um St.
Stephan"), Strauss ("Ariadne auf Naxos"), Künnekes ("Der Vetter
aus Dingsda") und Puccinis ("Tosca"). Mit 83 Prozent Auslastung
gab es ein leichtes, wenngleich nicht besorgniserregendes Minus
in der Besucherstatistik.
Museumsquartier
Abermals ein Plus bei den Besuchern verzeichnet das MQ, in dem
sich 2009 knapp eineinhalb Millionen Menschen einfanden. Neben
den permanenten Ausstellungen gab es auch im Berichtszeitraum
wieder beachtliche Sonderausstellungen zu sehen, unter denen die
Werkschau zu Barlach und Kollwitz und jene zu Edvard Munch im der
Stiftung Leopold herausragten.
Denkmalschutz
Positives gibt es weiterhin vom Denkmalschutz zu vermelden, wo
der Bericht ausführlich auf die diversen Projekte eingeht. Auch
die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen und die
Arbeit der Landeskonservatorate sind hier Thema.
Eine Darstellung der weiteren Kulturangelegenheiten, worunter das
Büchereiwesen ebenso fällt wie die Volkskultur oder die Wiener
Hofmusikkapelle, sowie ein Überblick über den Themenbereich
"Restitution" runden den umfangreichen Bericht ab. (Schluss)
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