OTS0284 / 29.06.2010 / 16:06 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Parlament / Petitionsausschuss


Petitionsausschuss: Vom Augarten bis zum Schutz von Fließgewässern Abgeordnete befassen sich mit Bürgeranliegen =


   Wien (PK) - Der Petitionsausschuss des Nationalrats befasste sich 
auch in seiner heutigen Sitzung wieder mit einer Reihe von 
Bürgeranliegen. Die Themenpalette reichte vom geplanten 
Konzertsaal für die Wiener Sängerknaben im Augarten und den 
Schutz von Fließgewässern über die Reform des 
Pensionskassengesetzes bis hin zu Fragen des Tierschutzes. 
Außerdem lagen dem Ausschuss erneut zahlreiche Petitionen und 
Bürgerinitiativen zu verschiedenen regionalen Verkehrsprojekten 
vor. Zu den einzelnen Anliegen werden nun, sofern sie nicht 
ohnehin schon vorliegen, Stellungnahmen der verantwortlichen 
Ministerien bzw. anderer zuständiger Stellen eingeholt. Über 
insgesamt sieben Petitionen und Bürgerinitiativen wurden die 
Beratungen abgeschlossen und ein Sammelbericht zur Vorlage an den 
Nationalrat in Aussicht genommen.
Der Petitionsausschuss einigte sich außerdem darauf, in seiner 
nächsten Sitzung gemeinsam mit der Volksanwaltschaft darüber zu 
diskutieren, wie die Arbeit des Ausschusses im Sinne der 
BürgerInnen verbessert werden könnte. Es gehe darum, den 
BürgerInnen den Zugang zum Ausschuss zu erleichtern, hob 
Ausschussvorsitzende Ursula Haubner hervor. Ihr zufolge soll der 
Rechtsdienst des Parlaments bis zur nächsten Sitzung 
diesbezügliche Möglichkeiten prüfen. Sie selbst kann sich etwa 
nach dem Vorbild Deutschlands die Auflage "öffentlicher 
Petitionen" vorstellen. Dabei werden die BürgerInnen aktiv 
eingeladen, sich auf elektronischem Weg an einer Petition zu 
beteiligen, und das Anliegen bei großem Zuspruch in einer 
öffentlichen Sitzung des Ausschusses mit dem zuständigen 
Regierungsmitglied diskutiert.
Auf inhaltlicher Ebene wandten sich die Abgeordneten zunächst 
einer Petition zu, die unter dem Titel "Flüsse voller Leben" 
darauf drängt, die letzten naturnahen Flüsse und Bäche in 
Österreich nicht mit Kraftwerken zu verbauen und so zu zerstören. 
Abgeordneter Günther Kräuter (S) wies darauf hin, dass angesichts 
aktueller Kraftwerkspläne dringender Handlungsbedarf bestehe und 
wurde dabei insbesondere auch von den Grünen und vom BZÖ 
unterstützt. In manchen Gebieten sei ein Kraftwerksbau aus 
ökologischen Gründen einfach nicht möglich und mache auch 
ökonomisch keinen Sinn, zeigte sich etwa Abgeordnete Christiane 
Brunner (G) überzeugt. Sie sieht es in diesem Zusammenhang als 
einen großen Mangel an, dass der österreichische 
Gewässerbewirtschaftungsplan keine "no-go-areas" enthält. 
Abgeordneter Wolfgang Spadiut (B) bekräftigte die ablehnende 
Haltung seiner Partei gegen einen unkontrollierten Ausbau der 
Wasserkraft. 
Kein Verständnis für die Anliegen des WWF und der anderen 
Initiatoren der Petition zeigte hingegen FPÖ-Abgeordnete Susanne 
Winter. Sie trat definitiv für einen Ausbau der Wasserkraft ein 
und machte geltend, dass es zu herkömmlichen Kraftwerken 
verschiedene naturnahe Alterativen wie Strombojen oder 
Wasserwirbelkraftwerke gebe. Seitens der ÖVP hob Abgeordnete Anna 
Höllerer (V) die Notwendigkeit des Schutzes von 
Fließwasserstrecken hervor und verwies auf die Sensibilität des 
Themas. 
Die Abgeordneten einigten sich darauf, zunächst einmal 
Stellungnahmen des Umweltministeriums und des 
Wirtschaftsministeriums einzuholen. 
Eine umfassende Diskussion im Ausschuss löste eine Petition aus, 
die sich einen Stopp der Verbauung des Augartens zum Ziel gesetzt 
hat. Während sich die Grünen ausdrücklich hinter das Anliegen der 
Petition stellten und die Missachtung von Anraineranliegen beim 
geplanten Bau eines Konzertsaals für die Wiener Sängerknaben 
kritisierten, sprach Abgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager 
(V) von bewussten Fehlinformationen, durch die sich die 
BürgerInnen zunehmend "belästigt" fühlten. Es habe ein 
umfangreiches Genehmigungsverfahren für das Projekt gegeben und 
auch die Volksanwaltschaft habe keine behördlichen Fehler 
feststellen können, betonte sie. Die einzigen, die das Recht 
nicht einhalten würden, seien die Besetzer des Bauplatzes selbst. 
Cortolezis-Schlager machte überdies geltend, dass die Grünen ein 
anderes Projekt am selben Platz unterstützt hätten. 
Dem gegenüber brachte Abgeordneter Wolfgang Zinggl (G) vor, dass 
bei der Genehmigung des Projekts Bestimmungen des 
Denkmalschutzes, des Wasserrechts und des Naturschutzes verletzt 
worden seien. Er zeigte zudem kein Verständnis dafür, dass den 
Wiener Sängerknaben 2.000 Quadratmeter öffentlicher, 
denkmalgeschützter Grund dauerhaft zu einem "Niedrigstpreis" 
vermietet werden sollten. Niemand besetze einen Bauplatz "aus Jux 
und Tollerei", stimmte auch sein Fraktionskollege Wolfgang 
Pirklhuber in die Kritik ein.
Abgeordneter Wolfgang Spadiut (B) und Abgeordnete Susanne Winter 
(F) forderten ebenfalls die Aufklärung des Sachverhalts. Winter 
schloss sich inhaltlich zwar weitgehend den Ausführungen von 
Cortolezis-Schlager an, meinte aber, man müsse auch den Gegnern 
des Projekts die Möglichkeit zur Stellungnahme einräumen. 
Abgeordnete Rosa Lohfeyer (S) wies darauf hin, dass der Bau vom 
Bundesdenkmalamt bewilligt worden sei und kein Rechtsmittel gegen 
die Entscheidung eingebracht wurde. 
Der Petitionsausschuss ersucht nun das Wirtschaftsministerium, 
eine Stellungnahme zur Petition abzugeben. Mit ihrer Forderung, 
auch das Kulturministerium, den Verfassungsdienst des 
Bundeskanzleramts, die Volksanwaltschaft, das Bundesdenkmalamt, 
die Wiener Sängerknaben und die Projektgegner um Stellungnahmen 
zu ersuchen, konnten sich die Grünen nicht durchsetzen.
Mehrere Petitionen bzw. Bürgerinitiativen lagen dem Ausschuss zum 
Bereich Landwirtschaft und Tierschutz vor. Im Konkreten ging es 
etwa um ein Importverbot für gentechnisch veränderte 
Futtermittel, einen Stopp von Langstrecken-Tiertransporten und 
eine Verbesserung des Tierschutzes im Bereich der Schweinezucht. 
Abgeordnete Anna Höllerer (V) wies in diesem Zusammenhang unter 
anderem darauf hin, dass es in Österreich nicht genügend 
Anbauflächen für Eiweiß-Futtermittel gebe. Im Bereich der 
Schweinehaltung wird ihrer Darstellung nach an einer Verbesserung 
der Tierschutzbestimmungen gearbeitet, aus ökonomischen Gründen 
erachtet sie aber Gesetzesänderungen ohne Übergangsbestimmungen 
für nicht machbar. Was die Tiertransporte betrifft, hat 
Österreich laut Höllerer ein "sehr gutes Gesetz" und führe auch 
umfangreiche Kontrollen durch, sie sieht aber keine Möglichkeit, 
die Frage der Langstrecken-Tiertransporte auf nationaler Ebene zu 
lösen. 
Dem gegenüber wandte die Opposition ein, dass es auf den 
österreichischen Straßen viel zu selten Kontrollen gebe und die 
Strafen viel zu gering seien. Österreich könnte bei den 
Tiertransporten eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen, mache 
das aber nicht, kritisierte etwa Abgeordneter Bernhard Vock (F).
Auf verbreitete Skepsis stieß eine Bürgerinitiative betreffend 
die Gründung einer eigenen Kammer für Gesundheits- und 
Krankenpflegeberufe. Abgeordneter Johann Hechtl (S) stellte die 
Sinnhaftigkeit einer solchen Kammer in Frage und machte geltend, 
dass es mit der Arbeiterkammer bereits eine starke 
Interessenvertretung für die genannten Berufe gebe. Auch 
Abgeordneter Wolfgang Spadiut (B) und Abgeordneter Bernhard Vock 
(F) standen einer neuen Kammer mit Zwangsmitgliedschaft ablehnend 
gegenüber. Abgeordneter Wolfgang Pirklhuber (G) und Abgeordnete 
Anna Höllerer (V) gaben allerdings zu bedenken, dass von den 
Betroffenen offenbar gewisse Defizite beim Vertreten ihrer 
Anliegen wahrgenommen würden und verwiesen auf die "erkleckliche" 
Zahl von Unterschriften. 
Vom Ausschuss abgeschlossen wurden die Beratungen über eine 
Petition betreffend Reform des Pensionskassengesetzes. 
Abgeordnete Gertrude Aubauer (V) machte darauf aufmerksam, dass 
intensive Verhandlungen über ein neues Pensionskassengesetz 
liefen und damit eine Fortführung der Diskussion sichergestellt 
sei. Die zweite Pensionssäule müsse auf ein stabiles und 
tragfähiges Fundament gestellt werden, forderte sie. Auch 
Abgeordneter Wolfgang Pirklhuber (G) und Ausschussvorsitzende 
Ursula Haubner (B) verwiesen auf die Bedeutung eines 
transparenten, nachvollziehbaren und sicheren Systems. Ihr 
Vorschlag, ExpertInnen des Sozial- und des Finanzministeriums in 
den Ausschuss zu laden, fand aber keine Mehrheit.
Im Verkehrsbereich ging es unter anderem um die - mittlerweile 
ausgesetzte - Schließung der Autobahnmeisterei Haag, die 
Beseitigung von Tempolimit 50 auf der B14 zwischen Donauwarte und 
Kahlenbergerdorf, Lärmschutzmaßnahmen entlang der Autobahn im 
Bereich der Tiroler Gemeinde Pettnau, den Bau einer Straßenbahn 
nach Schwechat und den Vollausbau der Weinviertler Schnellstraße 
S 3.
Die gesamten Beschlüsse des Petitionsausschusses siehe Website 
des Parlaments (www.parlament.gv.at ), Menüpunkt 
Parlamentarisches Geschehen, Pressedienst. (Schluss)
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