• 23.06.2010, 12:16:42
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Leopold Museum entdeckt wichtigen Olbrich-Bau im Wiener Prater

Bausubstanz fast original erhalten - Presseführung am 30.6.

Joseph Maria Olbrich, Pavillon des Radfahrerclubs der Staats- und Hofbeamten. Vorderansicht des Radfahresclubs, 1898
Secession, Wien, Inv. 1673

Wien (OTS) - Jeder Kulturinteressierte kennt wohl das Hauptwerk
des Jugendstilarchitekten Joseph Maria Olbrich (1867-1908), die
Wiener Secession. Im Zuge der Recherchen für die neu eröffnete
Sommerausstellung des Leopold Museum ist nun ein weiteres "Baujuwel"
wieder entdeckt worden: Der 1898, also im Jahr der
Secessionseröffnung entstandene Pavillon des Radfahrclubs der Staats-
und Hofbeamten im Wiener Prater.

Jahrhundertwendebau in erstaunlich gutem Zustand

Bereits kurz nach Fertigstellung des Clubhauses weitete sich der
Clubbetrieb vom Radsport auf den Tennissport aus. Der Pavillon wird
auch heute noch vom selben Club - unter seinem jetzigen Namen "SV
Schwarz-Blau" - zu diesem Zweck verwendet. Das Clubhaus hat diverse
Adaptierungen und Umbauten relativ unbeschadet überstanden.

1898: Secession und Clubpavillon

Ein Monat nach Baubeginn der Wiener Secession hatte Joseph Maria
Olbrich im Frühjahr 1898 den Auftrag erhalten, ein Clubhaus für den
im Prater gelegenen Radfahrclub der Staats- und Hofbeamten zu
errichten. Die überraschend ruhige Lage in der Rustenschacherallee 7,
abseits der Hauptverkehrsströme, lassen ein Verweilen auf der
Terrasse im Schatten alter Bäume zu einem "Sommerfrische-Erlebnis"
werden.

Mondäner Club für Trendsportarten um 1900

Dass ein exklusiver Architekt aus dem Umkreis der Secession für
die Errichtung eines Clubhauses für einen Fahrradclub beauftragt
wurde, entsprach dem Selbstverständnis der damals mondänen und
schicken Fahrrad-Clubs. Erst ein Jahr vorher, 1897, waren Fahrräder
nach langen Diskussionen als Verkehrsmittel zugelassen worden.
Radfahren galt am Ende des Jahrhunderts als exklusive Sportart der
gehobenen Gesellschaftsschichten. Binnen kurzer Zeit wurden in Wien
zahlreiche Radfahrvereine gegründet, um 1900 gab es bereits 300. Die
Vermittlung dieses Auftrags erfolgte über Erich Graf von
Kielmannsegg, der nicht nur Ehrenmitglied des Radfahrclubs war,
sondern als Mitglied der Donaukanal- bzw.
Wienflussregulierungskommission auch gute Kontakte zu Otto Wagner und
seinen Mitarbeitern hat. Olbrich sah sich bei diesem Bau mit einem
Limit von 10.000 Gulden an Baukosten konfrontiert. Im Vergleich dazu
beliefen sich die Baukosten für das zur selben Zeit in Bau
befindliche Secessionsgebäude auf 74.000 Gulden.

Funktionale Architektur, effektvolle Lösung

Bei diesem weitgehend funktionalen Bau erzielte Olbrich mit
wenigen, aber effektvollen Mitteln eine eindrucksvolle
architektonische Lösung. Die Hauptfront des Baues etwa wurde als
zentrale, breite Portalnische gestaltet und erinnert an die Eingänge
der Pavillons der Wiener Stadtbahnstationen von Otto Wagner. Anders
als bei Wagners Stadtbahnstationen, wo die Blendbögen aus
Schmiedeeisen gearbeitet sind, besteht Olbrichs Portalbogen
allerdings aus grün gestrichenem Holz.

Großartige Formensprache und ein Schuss Nostalgie

Leopold Museum-Managing Director Mag. Peter Weinhäupl freut sich,
die Zeichnungen zu diesem herrlichen Bauwerk exklusiv für die
Ausstellung in Wien präsentieren zu können. "Die großartige
Formensprache, gepaart mit einem Schuss Nostalgie machen den mit
interessanten Widmungsinschriften aus der Zeit versehenen Bau zu
einem Geheimtipp der besonderen Art", so Weinhäupl. Die von Rudolf
Leopold, Peter Weinhäupl und Franz Smola kuratierte Schau, die in
Zusammenarbeit mit dem Institut Mathildenhöhe, Darmstadt und der
Kunstbibliothek Berlin zusammengestellt wurde, ist bis Ende September
im Leopold Museum zu sehen.

Presseführung zu Olbrichs Radfahrclub

LEOPOLD MUSEUM und Tennisclub SV-SCHWARZ BLAU laden herzlich zu
einer Presseführung in Olbrichs Clubpavillon:

Mi, 30. Juni 2010, 10.30 Uhr
SV Schwarz-Blau
Rustenschacherallee 7, 1020 Wien
erreichbar mit Straßenbahnlinie 1 (Wittelsbachstraße)

Teilnahme nur mit Anmeldung möglich
Um Anmeldung wird gebeten bis Mo, 28.6.2010 an
[email protected]

Es sprechen:
Mag. Peter Weinhäupl, Managing Director, LEOPOLD MUSEUM, Kurator
der Olbrich Ausstellung
Dr. Harald Ropper, Obmann des SV-SCHWARZ BLAU

Jugendstil und Secession
Joseph Maria Olbrich
Bis 27. September im Leopold Museum
www.leopoldmuseum.org

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
Leopold Museum-Privatstiftung
Mag. Klaus Pokorny - Presse / Public Relations
Tel.: 0043 1 525 70 - 1507
mailto:[email protected]
www.leopoldmuseum.org

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