OTS0022   11. Juni 2010, 09:00

Struktur und Finanzierungsformen der Sozialausgaben 2008


Im Jahr 2008 betrugen die Sozialausgaben nach
der EU-weit einheitlichen Berechnungsmethode (ESSOSS) in Österreich
79,77 Mrd. Euro. Sie waren damit um 4 Mrd. Euro oder 5,2% höher als
im Jahr davor. Dies war die stärkste Steigerung seit 2001. Die am
Bruttoinlandsprodukt gemessene Sozialquote betrug 28,3%. Sie war seit
2004 rückläufig gewesen und erhöhte sich 2008 erstmals wieder.

Die Stärke der EU-einheitlichen Systematik zur Erfassung der
Sozialschutzleistungen liegt darin, dass institutionelle Unterschiede
der Länder den Erfassungsgrad nicht verändern. Sicherungssysteme auf
betrieblicher Ebene sind ebenso erfasst wie Sozialleistungen der
öffentlichen Hand. Weiters sind die Daten um Übertragungen zwischen
den Trägern der sozialen Sicherheit bereinigt. Die Schwäche liegt in
der sehr späten Verfügbarkeit der einheitlich erfassten
Sozialleistungen. Derzeit liegen erst Daten für das Jahr 2008 vor.

Innerhalb der Sicherungsfunktionen nach ESSOSS entfällt in
Österreich knapp die Hälfte aller Sozialausgaben auf die
Altersaufwendungen. Die Altersleistungen mit 42,2% und die
Hinterbliebenenleistungen mit 7,1% bildeten 2008 die größte
Ausgabenkategorie vor den Gesundheitsausgaben (26,1%) und den
Familienausgaben (10,3%). Die Ausgaben für Invalidität erforderten
7,8% der Mittel, der Bereich der Arbeitslosigkeit 5% aller
Sozialleistungen.

Im Vorjahresvergleich war 2008 in zwei Ausgabenbereichen ein
überdurchschnittlicher Anstieg zu verzeichnen: den Altersausgaben und
den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Wohnen und der sozialen
Ausgrenzung. Die Dynamik der Altersausgaben wird durch den Anstieg
der Zahl der Pensionistinnen und Pensionisten sowie dadurch bestimmt,
dass die Zugänge höhere Pensionen beziehen als die Abgänge. Die
bedarfsgeprüften Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Wohnen und der
sozialen Ausgrenzung (überwiegend Sachleistungen) stellen nur 1,6%
aller Sozialausgaben. Ihr überdurchschnittlicher Anstieg dürfte sich
im Krisenjahr 2009 fortgesetzt haben. Die Aufwendungen für
Gesundheit, Familie und Invalidität entwickelten sich deutlich
unterdurchschnittlich. Im Bereich der Arbeitslosigkeit wurde
ebensoviel aufgewandt wie im Vorjahr, der Schwerpunkt verlagerte sich
aber vom Arbeitslosengeld hin zu Maßnahmen der Arbeitsmarktförderung.

Österreich nahm bezüglich der Sozialquote 2007 innerhalb Europas
den sechsten Platz ein. Die Niederlande, Dänemark, Belgien, Schweden
wandten einen größeren Anteil des Bruttoinlandsproduktes für soziale
Zwecke auf als Österreich. In Österreich werden die
Sozialaufwendungen zu zwei Dritteln durch Beiträge der Versicherten
und Unternehmen finanziert und zu einem Drittel aus den allgemeinen
Steuereinnahmen. Im europäischen Vergleich weisen Länder mit einer
geringeren Beitragsfinanzierung einen etwa gleich hohen
Finanzierungsanteil aus indirekten Steuern auf wie Österreich. Der
Anteil der direkten Steuern an der Finanzierung der Sozialleistungen
unterscheidet sich aber erheblich: In Österreich liegt er unter dem
Durchschnitt der Eu 15, in Dänemark und Schweden erheblich darüber.

Abbildung 1: Sozialausgaben im Konjunkturverlauf

Übersicht 1: Sozialausgaben nach Sozialrisken - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Für das Krisenjahr 2009 sind noch keine vergleichbaren Daten
verfügbar. Wegen des Rückgangs der Wirtschaftsleistung - das
nominelle Bruttoinlandsprodukt sank um 1,8% - wäre allein bei
konstanten Sozialausgaben 2009 mit einem Anstieg der Sozialquote um
0,5 Prozentpunkte zu rechnen gewesen. Die Mehrausgaben im Bereich der
aktiven Arbeitsmarktpolitik und Wirkung der automatischen
Stabilisatoren dürften die Zunahme der Sozialausgaben 2009 verstärkt
haben.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
5/2010
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=39524&typeid=8&
display_mode=2)

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0022 2010-06-11 09:00 110900 Jun 10 WFO0001 0511




Rückfragehinweis: Mag. Christine Mayrhuber
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-269 * Fax. +43 1 798 93 86
Christine.Mayrhuber@wifo.ac.at

Aussendungen von WIFO abonnieren: als RSS-Feed per Mail

Geokoordinaten:


Errechnete Personen: