• 07.06.2010, 08:00:19
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PsychotherapeutInnen: Hohe Professionalität trotz Verhinderungspolitik der Kassen

VKI und Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HVST) testen PsychotherapeutInnen und stellen gutes Zeugnis aus.

Wien (OTS) - PsychotherapeutInnen schneiden beim Erstgespräch gut
ab, so der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in seinem
Testbericht im Konsument 6/10. Bemängelt werden die
PsychotherapeutInnen-Listen des Gesundheitsministeriums und des
Internetportals PsyOnline, sowie Hindernisse bei der Anmeldung über
den Anrufbeantworter. Die Liste des Berufsverbandes (ÖBVP) wird
bedauerlicherweise nicht erwähnt, obwohl diese laufend aktualisiert
wird.

Grundsätzlich begrüßt der ÖBVP den Test als Maßnahme zur
Qualitätssicherung ausdrücklich. Erstaunlich aber, dass die
schwierigen Arbeitsbedingungen der PsychotherapeutInnen in der
niedergelassenen Praxis trotz Mitwirkung des HVST überhaupt nicht zur
Sprache kommen: Die psychotherapeutische Behandlung ist seit 1992
eine Pflichtleistung der Kassen und steht per Gesetz allen
Psychotherapiebedürftigen auf Kassenkosten zu. Die Kassen umgehen die
gesetzliche Regelung seither jedoch konsequent, vermeiden den
Abschluss eines Gesamtvertrages für Psychotherapie, rationieren die
kassenfinanzierten Behandlungsstunden auf sehr niedrigem Niveau und
muten etwa der Hälfte der Psychotherapie-PatientInnen einen hohen
Eigenanteil zu. Der Zuschuss zur Psychotherapie ist seit 1992 gleich
bleibend mit 21,80 Euro eingefroren, die Honorare für die
psychotherapeutische Behandlung liegen aber zwischen 70,-- und 120,--
Euro.

Die Auswirkungen dieser Restriktionspolitik sind katastrophal:

- Viele Psychotherapiebedürftige können sich Psychotherapie nicht
leisten - der Versorgungsgrad liegt in Österreich bei 0,5 Prozent der
Bevölkerung, das sind geschätzt 46.000 Personen, wobei der errechnete
Bedarf etwa zehn Mal so hoch ist.

- Praxen, die ausschließlich Psychotherapie mit Zuschuss anbieten
können, sind kaum wirtschaftlich zu führen;

- 2/3 der PsychotherapeutInnen arbeiten nicht nur in der Praxis,
sondern müssen zugleich im Angestelltenverhältnis oder in einem
anderen Beruf arbeiten, um ihr Einkommen zu sichern; Professionelle
Kapazität für den niedergelassenen Bereich geht daher zunehmend
verloren;

- Nur 60 Prozent der berufsberechtigten PsychotherapeutInnen
entscheiden sich wegen der schlechten Rahmenbedingungen, in der
Krankenbehandlung tätig zu werden;

- Sprechstundenhilfen sind in der psychotherapeutischen Praxis
generell nicht finanzierbar; Die Schwierigkeiten bei der Anmeldung
erklären sich auch daraus.

- Beinahe zynisch erscheint die abschließende Aufforderung, dass
sozial schwächere PatientInnen nach günstigeren Tarifen bei der/dem
PsychotherapeutIn nachfragen sollen!

Der Berufsverband spricht sich entschieden dagegen aus, dass
PsychotherapeutInnen nun auch noch die Versäumnisse der Kassen
kompensieren und ihren PatientInnen die Behandlung auf eigene Kosten
finanzieren sollen! Man stelle sich die Reaktionen vor, würde man
einem anderen Gesundheitsberuf, z. B. den ÄrztInnen, eine solche
Zumutung ausrichten!

Die PsychotherapeutInnen haben ihre Vorleistungen unter
schwierigsten Bedingungen erbracht. Nun sind die Kassen gefordert,
ihren Beitrag zur Professionalisierung der psychotherapeutischen
Praxen durch sofortige Aufnahme von Gesamtvertragsverhandlungen und
die sofortige Erhöhung des Zuschusses für die psychotherapeutische
Behandlung auf 40 Euro zu leisten!

Rückfragehinweis:
ÖBVP Büro
Tel.: 01/512 70 90
mailto:[email protected]
www.psychotherapie.at

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