- 01.06.2010, 10:49:36
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FPÖ-Karlsböck(2): "Managed Care"-System ist Sozialabbau
Wien (OTS) - Das in Österreich nun durch den
Versicherungsbauchfleck der SVA herumgeisternde Schlagwort des
"Managed Care"-Systems müsse genauer beleuchtet werden, sagte der
freiheitliche Ärztesprecher NAbg. Dr. Andreas Karlsböck. "Managed
Care ist nichts anderes als brutaler Sozialabbau", fasste Karlsböck
zusammen.
"Managed Care wurde in den 1990er-Jahren zur dominierenden
Versicherungs- und Versorgungsform in den USA. Dort sind
Krankenkassen zu riesigen Konzernen und Aktiengesellschaften mit
Milliardengewinnen herangewachsen. Dabei wurde nie das Prinzip, wie
wir es in Österreich haben, Menschen bestmöglich zu versichern ohne
dabei Gewinn zu machen, angestrebt", so Karlsböck.
Die Versorgung werde sowohl direkt durch Micromanagement (Utilization
Management, Leitlinien, Gatekeeping, Case Management, Disease
Management usw.) als auch indirekt durch monetäre Anreize
(Kopfpauschalen, Bonus-Malus-Systeme usw.) kontrolliert und
gesteuert. "In diesem System werden Patienten nicht behandelt,
sondern -?gemanagt?", kritisierte Karlsböck. Kostspielige Maßnahmen
(wie Diagnostik, Überweisungen zum Spezialarzt, Einweisungen ins
Krankenhaus) müssten von der Versicherung genehmigt werden. Dadurch
seien Arztwahl und ärztliche Autonomie stark eingeschränkt.
So werde in den USA von den Kassen vorgeschrieben, wie viele
Hospitalisationstage sie für eine Krankheit bezahle. Jede
Krankenkasse habe "Case Manager", die ans Krankenbett des Patienten
gingen und ihn darauf hinwiesen, dass die Krankenkasse nur noch bis
und mit diesem oder jenem Tag seinen Aufenthalt im Spital bezahle, so
Karlsböck. "Aus Angst, für enorme Summen aufkommen zu müssen, wird
der Patient trotz Krankheit lieber das Spital verlassen als einen Tag
länger hospitalisiert zu bleiben. Darüber hinaus sind solche "Case
manager" nur in Ausnahmefällen Ärzte, sondern Krankenschwestern,
Arztsekretärinnen oder Gesundheitsbeamte, die in kurzer Zeit dazu
ausgebildet wurden", zeigte Karlsböck auf.
Mit solchen Vorgaben, Vorschriften und Bestimmungen werde die
Arzt-Patient-Beziehung empfindlich gestört. Der Arzt sei gezwungen,
wider seines Fachwissens und seiner Ethik zu handeln, kritisierte der
freiheitliche Ärztesprecher.
Von Managed Care gingen auch Impulse zur Vergrößerung der
Versorgungseinheiten und zur Integration der Versorgungselemente aus.
Jedoch würden potenzielle Produktivitätseffekte und Vorteile auf den
Beschaffungs- und Absatzmärkten tendenziell eher in größtmöglichen
Gewinn für die Versicherung, denn in sinkende Beiträge für die
Patienten verwandelt werden, warnte Karlsböck.
Die Patienten müssten auf bisherige Wahlfreiheiten bei Ärzten
verzichten und unter Umständen eine höhere finanzielle Verantwortung
übernehmen. Die Gefahr der Unterversorgung, vor allem bei älteren
oder chronisch kranker Patienten, beziehungsweise der
Strukturqualität - wie zum Beispiel durch Krankenhauszusammenschlüsse
- seien ein besondere Probleme beim "Managed Care"-Modell. "Im
schlimmsten Fall könnte es zu einer krassen medizinischen
Unterversorgung der SVA-Versicherten kommen", so Karlsböck.
"Mit der Einführung des ?Managed Care?-Systems könnten wir in
kürzester Zeit amerikanische Verhältnisse haben, unter denen sich
tausenden Versicherte eine Krankenversicherung nicht mehr leisten
können, wogegen die Krankenkasse hohe Gewinne verbuchen kann", zeigte
Karlsböck den Anschlag der Wirtschaftskammer auf unser bewährtes
Sozialversicherungssystem auf.
Rückfragehinweis:
Freiheitlicher Parlamentsklub Tel.: 01/ 40 110 - 7012 mailto:[email protected] http://www.fpoe-parlamentsklub.at http://www.fpoe.at
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