Wien (OTS) - Sehr viele Missbrauchsopfer weisen auch noch im
Erwachsenenalter schwere Folgeschäden auf, die mit massiven
Beeinträchtigungen und Einschränkungen des gesamten Lebens
einhergehen. Starke Ohnmachts-, Minderwertigkeits- und Schuldgefühle,
Depressionen, Ängste, Selbstverletzungen, psychosomatische
Erkrankungen, Suizidgefährdung, Flash Backs, Suchterkrankungen und
Psychosen können die gravierenden Folgen sein. Darüber hinaus auch
sozialer Rückzug oder problematisches Beziehungs- und
Sexualverhalten.
Traumatisierungen durch Missbrauchs- oder Gewalterfahrungen können
manchmal über Jahrzehnte hinweg bestehen bleiben, besonders wenn die
Opfer das Erlebte nicht verarbeiten konnten. Traumatisierung bedeutet
seelischer Dauerstress, der sich nicht von selber abbaut.
Dementsprechend gravierend sind die Langzeitfolgen.
Die aktuelle öffentliche Diskussion zum Thema sexueller Missbrauch
und Gewalterfahrungen ist einerseits sehr begrüßenswert, weil sie
helfen kann, Missbrauch und Misshandlung ans Licht zu fördern und die
Gesellschaft dafür zu sensibilisieren. Die kollektive Aufdeckung
fördert aber auch, wie PsychotherapeutInnen im ganzen Land berichten,
häufig solche traumatisierenden Erlebnisse wieder zu Tage. Da tauchen
Bilder und Szenen von damals plötzlich im Alltag wieder auf und
wollen nun endlich ausgesprochen und verarbeitet werden.
Ernst gemeinte Aufarbeitung und professionelle Opferberatung
erfordern klare Beratungsstrukturen, ExpertInnen-Wissen,
Dokumentation und Soforthilfe!
Fachkundige Beratung erfordert:
- Personelle Besetzung der Hilfsstellen mit erfahrenen
PsychotherapeutInnen und JuristInnen.
- Klare Rahmenbedingungen, die Unabhängigkeit von kirchlichen
Einrichtungen und Verschwiegenheit der BeraterInnen sichern.
- Opfer dürfen nicht weg geschickt oder vertröstet werden, jeder
Fall muss anonymisiert dokumentiert werden.
- Beratung, die Betroffenen hilft, für sich selbst klar zu werden,
wie sie mit dem Erlebten weiter umgehen wollen und können.
- Was immer der Klärungsprozess erbringt, die Betroffenen sollten
unkompliziert Hilfe erhalten! Das differenzierte Hilfsangebot muss
jedenfalls die Möglichkeit zur Beratung, anonymisierte
Falldokumentation, Betreuung rechtlicher Schritte und
Psychotherapie enthalten.
Und was ist die Realität in Österreich?
- Statt bestehendes Erfahrungswissen planmäßig umzusetzen, tun
Kommissionen, Plattformen und runde Tische nun so, als müsste man
das Rad neu erfinden!
- Bestehende, hochqualifizierte Opferschutzeinrichtungen werden
soeben personell und finanziell ausgehöhlt und sind dramatisch
unterbesetzt!
- Erfahrene PsychotherapeutInnen bieten auch im niedergelassenen
Bereich Behandlung und Beratung an. Aber auch hier gilt: Die
Finanzierung ist nicht gesichert!
Was ist zu tun:
~
- Einheitliche Festlegung der Rahmenbedingungen für
Opferhilfestellen und Kommissionen; Unabhängigkeit von der Kirche
herstellen und sichern!
- Sofortige Einrichtung eines Opferhilfefonds, der Betroffenen einen
raschen und unbürokratischen Zugang zur fachlich kompetenten Hilfe
ermöglicht; Die Soforthilfe nur für die Bearbeitung der aktuellen
Fälle erfordert nach Einschätzung von ExpertInnen zusätzliche
finanzielle Mittel im Ausmaß von mindestens Euro 300.000,-.
- Zusätzlich sofortige bedarfsgerechte finanzielle Ausstattung der
Opferschutzeinrichtungen.
- Zusätzlich sofortige Finanzierung von Psychotherapie im
niedergelassenen Bereich.
- Bei klarer Sachlage, sofortige Finanzierung der psychosozialen
Versorgung und Therapie nach dem Verbrechensopferschutzgesetz
(Bundessozialamt).
~
Der ÖBVP ist in der Lage, eine österreichweite Liste erfahrener
PsychotherapeutInnen für die Soforthilfe, Erstberatung und
Psychotherapie zu stellen. PsychotherapeutInnen arbeiten dabei mit
Opferhilfsorganisationen, ÄrztInnen und JuristInnen zusammen.
Die Politik und die katholische Kirche sind dringend gefordert!
Wir dürfen in den nächsten Wochen gespannt sein, ob es nur um das
Aussitzen der aktuellen Krise geht, oder ob den gut gemeinten Worten
auch konkrete Taten und finanzielle Mittel folgen!
Rückfragehinweis:
~
Dr.in Eva Mückstein
Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP)
E-Mail: eva.mueckstein@aon.at
Dr. Winfrid Janisch
Vorsitzender des Niederösterreichischen Landesverbandes für Psychotherapie (NÖLP)
E-Mail: janisch@vereinbasis.at
Tel: +43.(0)664.2012716
Mag.a Eva Plaz
Opferschutzanwältin
E-Mail: plaz@datonet.at
Tel: +43.(0)1.5224522
Links:
www.betroffen.at
www.psychotherapie.at
Tel: +43.(0)676.6004676
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