OTS0196 / 31.03.2010 / 13:34 / Channel: Chronik / Aussender: Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Stichworte: Gesundheit / Hilfe / Kirchen / Kriminalität / Missbrauch / Soziales


PsychotherapeutInnenverband fordert österreichweite Soforthilfe und Opferfonds für Missbrauchsopfer - statt Gremien und Kommissionen

Utl.: Das Rad ist schon erfunden. ExpertInnen warnen: Die Zeit heilt keine seelischen Wunden =


   Wien (OTS) - Sehr viele Missbrauchsopfer weisen auch noch im
Erwachsenenalter schwere Folgeschäden auf, die mit massiven
Beeinträchtigungen und Einschränkungen des gesamten Lebens
einhergehen. Starke Ohnmachts-, Minderwertigkeits- und Schuldgefühle,
Depressionen, Ängste, Selbstverletzungen, psychosomatische
Erkrankungen, Suizidgefährdung, Flash Backs, Suchterkrankungen und
Psychosen können die gravierenden Folgen sein. Darüber hinaus auch
sozialer Rückzug oder problematisches Beziehungs- und
Sexualverhalten.
   Traumatisierungen durch Missbrauchs- oder Gewalterfahrungen können
manchmal über Jahrzehnte hinweg bestehen bleiben, besonders wenn die
Opfer das Erlebte nicht verarbeiten konnten. Traumatisierung bedeutet
seelischer Dauerstress, der sich nicht von selber abbaut.
Dementsprechend gravierend sind die Langzeitfolgen.
   Die aktuelle öffentliche Diskussion zum Thema sexueller Missbrauch
und Gewalterfahrungen ist einerseits sehr begrüßenswert, weil sie
helfen kann, Missbrauch und Misshandlung ans Licht zu fördern und die
Gesellschaft dafür zu sensibilisieren. Die kollektive Aufdeckung
fördert aber auch, wie PsychotherapeutInnen im ganzen Land berichten,
häufig solche traumatisierenden Erlebnisse wieder zu Tage. Da tauchen
Bilder und Szenen von damals plötzlich im Alltag wieder auf und
wollen nun endlich ausgesprochen und verarbeitet werden.
   Ernst gemeinte Aufarbeitung und professionelle Opferberatung
erfordern klare Beratungsstrukturen, ExpertInnen-Wissen,
Dokumentation und Soforthilfe!
Fachkundige Beratung erfordert:
- Personelle Besetzung der Hilfsstellen mit erfahrenen
  PsychotherapeutInnen und JuristInnen.
- Klare Rahmenbedingungen, die Unabhängigkeit von kirchlichen
  Einrichtungen und Verschwiegenheit der BeraterInnen sichern.
- Opfer dürfen nicht weg geschickt oder vertröstet werden, jeder
  Fall muss anonymisiert dokumentiert werden.
- Beratung, die Betroffenen hilft, für sich selbst klar zu werden,
  wie sie mit dem Erlebten weiter umgehen wollen und können.
- Was immer der Klärungsprozess erbringt, die Betroffenen sollten
  unkompliziert Hilfe erhalten! Das differenzierte Hilfsangebot muss
  jedenfalls die Möglichkeit zur Beratung, anonymisierte
  Falldokumentation, Betreuung rechtlicher Schritte und
  Psychotherapie enthalten.
Und was ist die Realität in Österreich?
- Statt bestehendes Erfahrungswissen planmäßig umzusetzen, tun
  Kommissionen, Plattformen und runde Tische nun so, als müsste man
  das Rad neu erfinden!
- Bestehende, hochqualifizierte Opferschutzeinrichtungen werden
  soeben personell und finanziell ausgehöhlt und sind dramatisch
  unterbesetzt!
- Erfahrene PsychotherapeutInnen bieten auch im niedergelassenen
  Bereich Behandlung und Beratung an. Aber auch hier gilt: Die
  Finanzierung ist nicht gesichert!
Was ist zu tun:
~
- Einheitliche Festlegung der Rahmenbedingungen für
  Opferhilfestellen und Kommissionen; Unabhängigkeit von der Kirche
  herstellen und sichern!
- Sofortige Einrichtung eines Opferhilfefonds, der Betroffenen einen
  raschen und unbürokratischen Zugang zur fachlich kompetenten Hilfe
  ermöglicht; Die Soforthilfe nur für die Bearbeitung der aktuellen
  Fälle erfordert nach Einschätzung von ExpertInnen zusätzliche
  finanzielle Mittel im Ausmaß von mindestens Euro 300.000,-.
- Zusätzlich sofortige bedarfsgerechte finanzielle Ausstattung der
  Opferschutzeinrichtungen.
- Zusätzlich sofortige Finanzierung von Psychotherapie im
  niedergelassenen Bereich.
- Bei klarer Sachlage, sofortige Finanzierung der psychosozialen
  Versorgung und Therapie nach dem Verbrechensopferschutzgesetz
  (Bundessozialamt).
~
   Der ÖBVP ist in der Lage, eine österreichweite Liste erfahrener
PsychotherapeutInnen für die Soforthilfe, Erstberatung und
Psychotherapie zu stellen. PsychotherapeutInnen arbeiten dabei mit
Opferhilfsorganisationen, ÄrztInnen und JuristInnen zusammen.
   Die Politik und die katholische Kirche sind dringend gefordert!
Wir dürfen in den nächsten Wochen gespannt sein, ob es nur um das
Aussitzen der aktuellen Krise geht, oder ob den gut gemeinten Worten
auch konkrete Taten und finanzielle Mittel folgen!
Rückfragehinweis:
~
   Dr.in Eva Mückstein
   Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP)
   E-Mail: eva.mueckstein@aon.at
   
   Dr. Winfrid Janisch
   Vorsitzender des Niederösterreichischen Landesverbandes für Psychotherapie (NÖLP)
   E-Mail: janisch@vereinbasis.at
   Tel: +43.(0)664.2012716
   
   
   Mag.a Eva Plaz
   Opferschutzanwältin
   E-Mail: plaz@datonet.at
   Tel: +43.(0)1.5224522
   
   
   Links:
   www.betroffen.at
   www.psychotherapie.at
   Tel: +43.(0)676.6004676
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