OTS0066   23. März 2010, 09:56

Krank und nicht versichert in Österreich: 100.000 betroffen

Mix aus strukturellen Lücken, sozialen Benachteiligungen, fehlenden persönlichen Ressourcen und mangelnder Information


"Insgesamt sind um die 100.000 Menschen in Österreich
nicht krankenversichert, das sind fast zwei Prozent der
Wohnbevölkerung. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie geringes
Einkommen haben", verweist die Armutskonferenz auf die Situation in
Österreich. "Der Versicherungsschutz ist sehr gut im Vergleich zur
USA, aber es gibt auch hier neue Probleme", so Sozialexperte Martin
Schenk.

"Zwei Drittel befanden sich zum ersten Mal in dieser Situation,
immerhin ein Drittel war schon öfters davon betroffen. Für viele ist
der mangelnde Krankenversicherungsschutz kurzzeitlich, für manche
dauerhaft. Es ist ein Mix aus strukturellen Lücken, sozialen
Benachteiligungen, fehlenden persönlichen Ressourcen und mangelnder
Information.", verweist Schenk auf die aktuellst verfügbaren Daten.

Davon betroffen sind Menschen in prekärer Beschäftigung, Personen
in schweren psychischen Krise, Arbeitssuchende ohne
Leistungsanspruch, vormals mit ihrem Ehemann mitversicherte Frauen
nach der Scheidung, Hilfesuchende, die ihren Sozialhilfeanspruch aus
Scham nicht einlösen.

- Jeder zweite Anspruchberechtigte, beantragt keine Sozialhilfe.
Die Gründe sind: Scham, Schikanen am Sozialamt, Angst vor
Armutsverfestigung. Wer als Mittelloser aber ohne Sozialhilfe lebt,
lebt auch ohne Krankenversicherung.

- Viele haben zwar einen Job, davon leben können sie eigentlich
nicht. Mit dem geringen Einkommen kann man gerade noch die Miete
zahlen, die Sozialversicherungsbeiträge sind diesmal aufgeschoben,
weil eine kaputte Therme repariert werden musste. Arm trotz Arbeit
und ohne Versicherung. Wenn man dann überraschend schwer erkrankt,
überfallen einem die Behandlungskosten.

- Unfassbar Grausames müssen Flüchtlinge in ihrer Heimat erleben.
Zumindest jetzt hier in Sicherheit quälen die Folgen der schweren
Traumatisierungen. Hätte eine Hilfsorganisation nicht die Kosten der
Therapie übernommen, viele wären noch immer von Schlafstörungen und
Flashbacks geplagt.

- Herr Gubitzer hat einen depressiven Schub. In solchen Phasen
psychischer Krise versagen Betroffenen die Fähigkeiten zur
Selbstorganisation. Sie versäumen z.B. den Termin am
Arbeitsmarktservice und drohen aus der Krankenversicherung zu fallen.

- Viele Jugendliche suchen Arbeit, haben aber keinen
Leistungsanspruch. Es sind nur jene Arbeitslosen krankenversichert,
die auch eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung beziehen.
Viele Personen erfüllen jedoch nicht die notwendige Wartezeit, die
bei erstmaliger Inanspruchnahme notwendig ist. Darunter auch viele
Jugendliche, die noch nicht genug Versicherungsmonate haben.

"Die Lücken im Netz suchen nach politischen Lösungen", fordert die
Armutskonferenz. "Wirtschafts-, Sozial- und Gesundheitsministerium
sollen sich zusammensetzen, die Lücken im Krankenversicherungsschutz
auflisten und rasch Lösungsmöglichkeiten vorschlagen.", so Schenk
abschließend.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0066 2010-03-23 09:56 230956 Mär 10 ARM0001 0401



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