OTS0192 / 22.03.2010 / 14:42 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Bebic / Besuch / Kroatien / Parlament / Prammer


Viele Übereinstimmungen zwischen Österreich und Kroatien Prammer - Bebic: Keine Alternative zur europäischen Integration =


   Wien (PK) - Der Präsident des Sabors der Republik Kroatien, Luka 
Bebic, der gestern zu einem offiziellen Besuch in Österreich 
eingetroffen ist, wurde heute Mittag von Nationalratspräsidentin 
Barbara Prammer im Hohen Haus begrüßt und zu einem 
Gedankenaustausch gebeten. Im Mittelpunkt des einstündigen 
Gedankenaustauschs standen die Themen EU-Beitritt Kroatiens, die 
Rolle der nationalen Parlamente bei der Umsetzung des Lissabon-
Vertrags, Minderheiten- und Volksgruppenpolitik in Kroatien und 
Österreich und das Projekt einer gentechnikfreien Alpen-Adria-
Region.
Barbara Prammer und Luka Bebic bezeichneten die österreichisch-
kroatischen Beziehungen übereinstimmend als hervorragend, 
erinnerten an weit in die Geschichte zurückreichende 
Gemeinsamkeiten der beiden Länder und äußerten beiderseits den 
Wunsch, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Parlamenten weiter 
zu vertiefen. In diesem Zusammenhang zeigte sich Präsidentin 
Prammer einmal mehr überzeugt, dass die nationalen Parlamente bei 
der Umsetzung des Lissabon-Vertrags vor großen Herausforderungen 
stehen. Von der Umsetzung des Lissaboner Vertrags und der neuen 
Rolle der nationalen Parlamente in der EU, auf die sich der 
kroatische Sabor intensiv vorbereite, erwartet sich Präsident 
Bebic eine deutliche Verringerung des demokratischen Defizits in 
der EU.
Für die Anstrengung Kroatiens und seines Parlaments, die EU-
Beitrittsverhandlungen voran zu treiben, zeigte Prammer große 
Anerkennung und äußerte große Freude über den Beschluss des 
kroatischen Umweltausschusses für eine gentechnikfreie Zone in 
der Alpen-Adria-Region. Prammer gab ihrer Freude darüber 
Ausdruck, Kroatien schon bald als 28. Mitgliedstaat in der EU 
begrüßen zu können. Für sie sei die europäische Integration "ein 
Weg ohne Alternative", sagte die Nationalratspräsidentin, auch 
für die anderen Länder auf dem Westbalkan, in denen die 
Zustimmung der Bevölkerung zur europäischen Integration 
erfreulicherweise zunehme. 
Der kroatische Parlamentspräsident berichtete seiner Gastgeberin 
von den intensiven Anstrengungen des Sabors, den kroatischen 
Rechtsbestand an jenen der Europäischen Union anzupassen. 220 
Gesetze habe das kroatische Parlament bereits beschlossen, eine 
Verfassungsänderung und weitere 10 neue Gesetze stünden noch aus, 
aber auch diese Arbeit werde in den kommenden Monaten 
abgeschlossen werden können, sagte Bebic mit Zuversicht. 
Kroatien sei vollkommen offen für den Beitritt der anderen 
Westbalkanländer zur EU, versicherte Bebic, mehr noch, er zeigte 
sich überzeugt, dass Wohlstand und Stabilität auf dem Westbalkan 
nur im Rahmen der Europäischen Union erhalten und gesichert 
werden könnten. 
Nationale Minderheiten genießen in Kroatien besonderen 
rechtlichen Schutz sowie politische Mitbestimmungsmöglichkeiten 
und seien im Sabor durch acht Abgeordnete vertreten, informierte 
Bebic. Als ein besonderes Anliegen nannte der kroatische 
Parlamentspräsident den ökologischen Schutz der Adria, die er 
weder als ein europäisches Meer sehe. Der Fischfang sei 
einzuschränken, um die Bestände zu schützen. Kroatien sei bereit, 
die Fischerei in Küstengebieten mit wichtigen Laichgründen zu 
verbieten. Vor großen Aufgaben stehe Kroatien noch beim Kampf 
gegen die organisierte Kriminalität und gegen die Korruption. 
Sein Land werde aber auch dieses Problem lösen, sagte Bebic, der 
über die Einrichtung von vier Sondergerichtshöfen für den Kampf 
gegen das organisierte Verbrechen berichtete. 
Präsidentin Prammer unterstrich das besondere Interesse 
Österreichs an der Zusammenarbeit mit Kroatien und den anderen 
Ländern des Westbalkans, begrüßte das Interesse ihres Gastes an 
einer Vertiefung der parlamentarischen Zusammenarbeit und 
informierte den kroatischen Parlamentspräsidenten über die 
österreichische Volksgruppenpolitik, wobei sie das hervorragend 
gute Klima zwischen den Volksgruppen im Burgenland, namentlich 
auch mit der kroatischen Volksgruppe, besonders hervorhob. 
Fortschritte habe Österreich in den vergangenen Jahrzehnten auch 
bei der Integration der Roma und Sinti erreicht, berichtete 
Prammer, die sich europäische Lösungen für die Probleme von Roma 
und Sinti in der EU aussprach. 
Der Prozess der europäischen Integration setze die Zustimmung der 
Bürgerinnen und einen intensiven Dialog zwischen Politik und 
Bürgerinnen voraus, sagte Prammer und meinte, für diesen Dialog 
sei keine Institution besser geeignet als die nationalen 
Parlamente. Ressourcen, die in den nationalen Parlamenten nach 
der Umsetzung des Lissabon-Vertrags frei werden, sollten daher 
verstärkt für gemeinsame Projekte zur Information der Bürgerinnen 
eingesetzt werden. 
Der Präsident des Sabors der Republik Kroatien wird seinen 
Gesprächsreigen im Parlament heute Nachmittag mit Mitgliedern der 
parlamentarischen Gruppe Österreich-Kroatien unter der Leitung 
des Obmanns der Gruppe, Abgeordnetem Oswald Klikovits, 
fortsetzen. Im Anschluss an dieses Gespräch wird Präsident Bebic 
auch mit dem Obmann des EU-Unterausschusses, dem Zweiten 
Nationalratspräsidenten Fritz Neugebauer, zusammentreffen. 
Morgen Vormittag wird Bebic das Parlament neuerlich besuchen und 
eine Unterredung mit dem Präsidenten des Bundesrates Peter 
Mitterer führen. Am Nachmittag wird der kroatische 
Parlamentspräsident das Burgenland besuchen. Morgen Abend wird 
Präsident Bebic seinen Österreich-Aufenthalt beenden und in seine 
kroatische Heimat zurückkehren. (Schluss)
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