OTS0332 / 18.03.2010 / 17:36 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Forschungsausschuss / Parlament


Beatrix Karl ruft zu Wissenspartnerschaft für den Aufschwung auf Aussprache des Forschungsausschusses über aktuelle Fragen =


   Wien (PK) - Bei ihrem ersten Auftritt im Forschungsausschuss rief 
Wissenschaftsministerin Beatrix Karl heute im Rahmen einer 
Aussprache mit den Abgeordneten über aktuelle Fragen zu einer 
Wissenspartnerschaft für den Aufschwung auf. Karl brach im 
Besonderen eine Lanze für die Grundlagenforschung als Motor für 
die angewandte Forschung, sah aber kein Spannungsverhältnis 
zwischen den beiden Bereichen. Die Grundlagenforschung sei die 
intellektuelle Visitenkarte unserer Gesellschaft, ohne sie gebe 
es keine Innovation, betonte sie. 
Wichtig war für die Ministerin weiters das Zusammenspiel zwischen 
den Hochschulen als zentralen Stätten der Forschung mit 
außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft. 
Insgesamt bekannte sich Karl zur wirkungsorientierten 
Weiterentwicklung von Forschung und Innovation, wobei sie 
feststellte, Österreich habe in den letzten Jahren einen sehr 
beeindruckenden Aufholprozess absolviert, nun gelte es, die Basis 
für den Sprung an die Spitze zu legen. Dafür bedürfe es aber 
einer Effizienzsteigerung auf allen Ebenen sowie eines 
Strukturwandels in Richtung stärker wissensorientierter Felder. 
In der Debatte stand vor allem die Frage der 
Forschungsfinanzierung im Mittelpunkt. Während Abgeordneter Kurt 
Gartlehner (S) die Forschungsfinanzierung gefordert sah, die 
Verlässlichkeit der einzelnen Projekte sicher zu stellen, brachte 
Abgeordnete Roberta Lichtenecker (G) ihre Besorgnis aufgrund der 
geplanten Budgeteinsparungen zum Ausdruck. Abgeordneter Rainer 
Widmann (B) wiederum plädierte dafür, die öffentlichen 
Förderungsmittel zu steigern, um die in der Krise rückläufige 
private Forschungsförderung zu kompensieren. Abgeordneter Gerhard 
Deimek (F) sprach sich dafür aus, bei der Förderung auch die 
Mittel der Länder zu berücksichtigen. Für den Abgeordneten Martin 
Bartenstein (V) stand fest, dass es bei Forschung und Innovation 
zu geringeren Budgetkürzungen kommen sollte, als in anderen 
Bereichen. Abgeordnete Sonja Steßl-Mühlbacher (S) schlug eine 
verstärkte Nutzung von Synergieeffekten zwischen universitärer 
und außeruniversitärer Forschung vor. 
Bundesministerin Beatrix Karl trat für einen ausgewogenen Mix aus 
indirekter und direkter Forschungsförderung ein und meinte, 
Instrumente, die Steuerungseffekte haben und wettbewerbsfördernd 
sind, sollten stärker betont werden. Ein ausgewogenes Verhältnis 
wünschte Karl auch zwischen der öffentlichen Hand und privaten 
Mitteln. Vom Forschungsfinanzierungsgesetz erwartete sich die 
Ministerin insgesamt eine nachhaltige Finanzierungssicherheit für 
die Forschungsprojekte. Was die Budgetkürzungen betrifft, gab 
Karl zu bedenken, die Verhandlungen müssten erst beginnen. 
Wichtig sei aber, dass möglichst viele Mittel in Wissenschaft, 
Forschung und Bildung fließen, zumal dies Zukunftsfragen seien, 
wo man nicht zurückfahren dürfe. Jeder Euro der in diese Bereiche 
investiert werde, müsse aber wirkungsorientiert eingesetzt 
werden, betonte sie. 
Das Thema Forschungsprämie wurde im Anschluss an die Aussprache 
vom Abgeordneten Rainer Widmann (B) zur Sprache gebracht. Seine 
Forderung (940/A(E)) nach einer stärkeren Berücksichtigung junger 
KMUs - kleinere und jüngere Unternehmen sollten einen höheren 
Prozentsatz von bis zu 20 % der Forschungsprämie erhalten können 
- wurde allerdings vertagt. Als noch nicht entscheidungsreift 
stufte die Ausschussmehrheit auch Widmanns Vorstoß (1005/A(E)) in 
Richtung einer Sicherstellung der Finanzierung der 
Grundlagenforschung an den Universitäten ein. 
Abgeordnete Karin Hakl (V) unterstützte grundsätzlich die Idee 
einer Staffelung der Forschungsprämie, warnte aber ebenso wie ihr 
Fraktionskollege Abgeordneter Martin Bartenstein, dass dann große 
Unternehmen kleine Unternehmen gründen würden, um eine höhere 
Prämie zu lukrieren. Bessere wäre es ihrer Meinung nach, 
spezielle Förderungsinstrumente für kleinere Unternehmen zu 
entwickeln. Den Vertagungsbeschluss begründete Hakl mit der 
Notwendigkeit, das Thema Forschungs- und Technologiestrategie im 
Zuge einer parlamentarischen Enquete zu erörtern.
Bundesministerin Doris Bures erinnerte, bei den Konjunkturpaketen 
sei es gelungen, die KMUs zu fördern, denen gerade in der 
Automobilbranche als Zulieferer eine gesamtwirtschaftliche 
Bedeutung zukomme. Sie sprach sich allerdings dagegen aus, bei 
der Förderung die einzelnen Bereiche auseinander zu dividieren 
und meinte, vielmehr gelte es, Wirtschafts- und 
Forschungslandschaft als Ganzes zu sehen.
Erste Erfahrungen mit der Flexiklausel-Einheit Patentamt
Mit den Stimmen von SPÖ ÖVP und FPÖ nahm der Ausschuss einen 
Bericht von Bundesministerin Doris Bures über die 
Erfolgskontrolle der Flexiklausel-Einheit Österreichisches 
Patentamt zur Kenntnis, der eine grundsätzlich positive Bilanz 
über das Projekt zieht, gleichzeitig aber auf eine Reihe von 
Schwachstellen hinweist und Nachjustierungen vorschlägt. Als 
problematisch wertet das Papier unter anderem die Budgetierung 
über einen vierjährigen Zeitraum, die es nicht erlaube, in 
ausreichendem Maß auf einnahmen- bzw. ausgabenseitige externe 
Effekte flexibel genug zu reagieren. Beim Personalmanagement 
wiederum fehlt es nach Meinung des Berichts an der nötigen 
Flexibilisierung. 
Aufgrund der Wortmeldungen der Abgeordneten Kurt Gartlehner (S), 
Karin Hakl (V), Gabriela Moser (G), Rainer Widmann (B) und 
Gerhard Deimek (F) betonte Bundesministerin Doris Bures, Ziel sei 
es gewesen, ausgelagerten Institutionen einen Anreiz zum Sparen 
zu geben, um Rücklagen bilden zu können und mehr Verantwortung zu 
tragen. In Zukunft werde die Flexiklausel-Einheit nicht mehr 
notwendig sein, da das neue Budgetrecht die Bildung von Rücklagen 
ohnehin möglich mache. 
Die Ministerin zeigte sich mit der Entwicklung der 
Patentanmeldungen in Österreich zufrieden. Trotz Wirtschaftskrise 
sei ein leichter Anstieg zu verzeichnen gewesen, während auf 
europäischer Ebene die Anmeldungen aufgrund der Einsparungen bei 
Forschung und Entwicklung zurück gegangen sind. Österreich habe 
die richtigen Maßnahmen gesetzt und die bürokratischen Kosten bei 
Patentanmeldungen gesenkt. Durchschnittlich würden im Jahr 3.500 
Erfindungen in Österreich angemeldet, das europäische Patentamt 
in München registriere 135.000 Erfindungen, erläuterte sie. Davon 
kommen zirka 1.100 Anträge von ÖsterreicherInnen. 
Das Handy und seine Gefahren: Ausschuss vertagt 
Oppositionsanträge
Mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP wurde schließlich eine Reihe von 
Anträgen der Oppositionsparteien vertagt, die sich mit dem Thema 
Mobilfunk auseinander setzen. Abgeordnete Gabriela Moser (G) 
machte auf die möglichen Gefahren der Mobiltelefonie aufmerksam 
und forderte in ihrem Antrag (13/A[E]) auf Änderung des 
Telekommunikationsgesetzes die Verankerung einer gesetzlichen 
Verpflichtung zur Berücksichtigung gesundheitlicher, ökologischer 
und anrainerrechtlicher Aspekte für den gesamten vom Gesetz 
abgedeckten Bereich. Abgeordneter Rainer Widmann (B) drängte in 
seiner Initiative (689/A[E]) auf eine regelmäßige Kontrolle der 
Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzwerte von Mobilfunkanlagen 
durch die Fernmeldebehörde. Abgeordneter Norbert Hofer (F) 
wiederum verlangte eine verpflichtende Angabe des SAR-Wertes auf 
der Verpackung von Mobiltelefonen (178/A[E]). Vor der Kostenfalle 
für junge Handybesitzer warnte Abgeordneter Gerhard Deimek (F), 
der in einem Entschließungsantrag (931/A[E]) dafür eintritt, bei 
Kinder- und Jugendtarifen verpflichtend eine kostenlose 
automatische Kostenwarnung und Kostenkontrolle zu verankern. 
Abgeordnete Gabriela Moser (G) thematisierte in ihrer Wortmeldung 
einmal mehr die gesundheitlichen Aspekte bei der Errichtung von 
Sendemasten und verlangte, dass auch Anrainer gehört werden. 
Dem gegenüber argumentierte Abgeordneter Kurt Gartlehner (S), 
dass die gesetzlich verankerten Grenzwerte bereits sehr niedrig 
seien, diese aber wesentlich unterschritten würden. Außerdem 
werde anhand eines anhängigen Verfahrens die Frage ausjudiziert. 
Man könne ein Gesetz auch nicht auf Einzelpersonen abstellen, 
sondern man müsse auch den Versorgungsauftrag berücksichtigen, 
sagte er. Dem schloss sich auch Bundesministerin Doris Bures an 
und bemerkte, die österreichischen Werte orientierten sich an den 
Vorgaben der WHO, die immer unterschritten würden. 
Dies wollte Abgeordnete Gabriela Moser nicht gelten lassen und 
wies darauf hin, man könne heute bereits mit einem 12 Millionstel 
der Sendeleistung telefonieren. Außerdem würden die Grenzwerte 
nicht die thermischen Effekte berücksichtigen. Ähnlich äußerte 
sich Abgeordneter Rainer Widmann (B), der ebenfalls auf die 
gesundheitlichen Belastungen hinwies. 
Abgeordnete Moser kritisierte auch, dass man in den Geschäften 
keinerlei Auskunft über die SAR-Werte der einzelnen Handys erhält 
und diese auch auf den Homepages der einzelnen Firmen nur sehr 
schwer zu finden seien. Sie reagierte damit auf eine Bemerkung 
von Abgeordneter Karin Hakl (V), die gemeint hatte, jedes 
Mobiltelefon müsse strenge Grenzwerte einhalten, andere würden in 
Europa nicht in Verkehr kommen. Die auf dem Markt angebotenen 
Handys würden die halben Werte der erlaubten Grenzwerte 
aufweisen. 
Nachdem Abgeordneter Gerhard Deimek (F) auf die finanziellen 
Belastungen durch das Nutzungsverhalten Jugendlicher hingewiesen 
und daher eine automatische Kostenwarnung und Kostenkontrolle 
verlangt hatte, stellte Abgeordnete Karin Hakl (V) fest, es gebe 
keine spezifischen Kinder- und Jugendtarife. Verträge müssten die 
Eltern unterschreiben und in diesem könne man auch eine Kontrolle 
vereinbaren. Außerdem seien die Tarife und Informationen dem 
geänderten Nutzungsverhalten Jugendlicher angepasst worden. 
(Schluss)
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