OTS0251 / 17.03.2010 / 15:55 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Parlament / Umweltausschuss


Umweltausschuss analysiert neue Energiestrategie der Regierung Weitere Themen: Artenschutz, AKW-Politik, Gentechnik, Verpackungen =


   Wien (PK) - Der Umweltausschuss hat sich eingangs seiner heutigen 
Sitzung in einer aktuellen Aussprache mit "Herausforderungen im 
Klima- und Energiefonds (KLI.EN)" und mit dem Verlangen der FPÖ 
beschäftigt, eine Studie über die Nutzung der Photovoltaik an 
öffentlichen Gebäuden zu erstellen.
Im weiteren Verlauf seiner Sitzung vertagte der Umweltausschuss 
eine lange Reihe von Anträgen der Oppositionsparteien. Die FPÖ 
hatte vor einem Umschwenken der deutschen Bundesregierung auf 
einen Pro-Gentechnikkurs unter dem Titel "Grüne Gentechnik" 
gewarnt und einen gezielten Humusaufbau in den Ackerböden als 
Beitrag zur Senkung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre und somit 
zum Klimaschutz gefordert. Die Grünen und das BZÖ verlangten den 
konsequenten Schutz der Elefanten bei der Konferenz der 
Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. Dazu 
formulierte der Ausschuss mit S-V-F-B-Mehrheit eine 
Entschließung.  
Beim Thema Strahlenschutz beantragte die FPÖ die Unterstützung 
des Anti-Nuklear-Forums durch die EU und eine Volksabstimmung 
über den Ausstieg Österreichs aus dem EURATOM-Vertrag. Die Grünen 
warnten einmal mehr vor den gesundheitlichen Risiken der Handy-
Strahlung und verlangten ein spezielles Schutzgesetz. 
Obligatorische Information der KonsumentInnen über die Ergebnisse 
von Wasseruntersuchungen, insbesondere über die Nitrat- und 
Pestizidbelastung, verlangte die FPÖ, die schließlich auch für 
die Förderung von Mehrwegverpackungen eintrat.
Die neue Klima- und Energiestrategie der Bundesregierung 
Im Mittelpunkt der Aussprache stand aber die kürzlich vom 
Umweltminister und vom Wirtschaftsminister in ihren Eckpunkten 
vorgestellte neue Klima-und Energiestrategie. Abgeordneter 
Norbert Hofer (F) leitete die Debatte mit dem Vorschlag ein, ein 
Österreich-Ticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel zu 
schaffen. Beim Einsatz der Photovoltaik gehe es seiner Fraktion 
nicht darum, auf jedes öffentliche Gebäude eine 
Photovoltaikanlage zu montieren, wohl aber darum, durch Studien 
zu erheben, wo dies sinnvoll sein könnte. Großes Interesse zeigte 
der Abgeordnete an einer Novellierung des Ökostromgesetzes. 
Gegenüber den Plänen der Regierung zur Erhöhung von Massensteuern 
warnte der Redner davor, dies als "Ökologisierung des 
Steuersystems" zu verkaufen, dies wäre ein schlechter Dienst an 
der Idee ökologischer Lenkungssteuern, es würde die Akzeptanz der 
Menschen für Ökologisierungsmaßnahmen beeinträchtigen.
Abgeordnete Gabriela Moser (G) sprach von der Erfolgsgeschichte 
des Klima- und Energiefonds und zeigte sich angesichts der 
aktuellen Budgetprobleme besorgt um seine Weiterentwicklung. Eine 
Schieflage der neuen Energiestrategie ortete die Rednerin 
zwischen der ambitionierten Förderungspolitik für E-Mobilität bei 
gleichzeitigen Defiziten in der thermischen Sanierung. Öffis 
bieten in Österreich seit hundert Jahren E-Mobilität, erinnerte 
Moser und problematisierte hohe Förderungsaufwendungen für die 
Entwicklung eines "Ein-Liter-Autos" statt des wünschenswerten 
Ausbaus öffentlicher Verkehrsnetze. Wo Autos unverzichtbar seien, 
will Moser auf die Biogastechnologie setzen.
Abgeordneter Wolfgang Pirklhuber (G) erbat Informationen über 
konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Energiestrategie, schlug 
vor, die Tätigkeit des Umweltfonds und jene des Klimafonds besser 
aufeinander abzustimmen und verlangte mehr Transparenz bei der 
Förderung von Photovoltaikanlagen. Zentrale Frage der künftigen 
Klimaschutz- und Energiepolitik sei eine ausreichende 
Budgetierung, zeigte sich Pirklhuber überzeugt und verlangte mit 
Nachdruck, Gemeinden in ihren Bemühungen um Investitionen in die 
Nutzung erneuerbarer Energieträger zu unterstützen; das sei auch 
aus konjunktur- und arbeitsmarktpolitischen Gründen unerlässlich. 
Besorgt zeigte sich Pirklhuber wegen der Blockade eines wirksamen 
Ökostromgesetzes durch den Wirtschaftsflügel der ÖVP. Die 
Energiedebatte müsse über die Ebene der heute vorgelegten 
"Überschriften" hinaus gemeinsam mit ExpertInnen vertieft werden, 
forderte der Abgeordnete.
Abgeordneter Robert Lugar (B) problematisierte die Förderung von 
Photovoltaikanlagen zum gegenwärtigen Zeitpunkt über private 
Einzelprojekte hinaus. Solange Geld knapp sei sowie Windkraft-, 
Biomasse- und Wasserkraftanlagen wesentlich billigeren Strom 
produzierten, sollte man Fördermittel schwerpunktmäßig dort 
einsetzen, wo eine maximale Reduktion der CO2-Emissionen möglich 
sei. Das sei derzeit noch nicht die Photovoltaik. Es sei 
wesentlich effizienter, öffentliche Gebäude thermisch zu sanieren 
als Photovoltaikanlagen zu montieren. Eine sehr wirksame 
energiesparende Maßnahme wäre auch der Einbau von Chips in 
Elektrogeräte, um deren Energieverlust im Standby Betrieb auf ein 
Minimum zu reduzieren.
Abgeordneter Werner Neubauer (F) meinte, Österreich hinke bei der 
Nutzung der Photovoltaik nach. Die geplanten Steuern auf Öl und 
andere fossile Energieträger würden Arbeitslose, 
KurzarbeiterInnen und PensionistInnen sowie Personen, die es sich 
nicht leisten können, ihre Heizkessel auszutauschen, schwer 
treffen, sagte Neubauer und ersuchte die Minister um eine 
Stellungnahme zu dieser Problematik. Scharf kritisierte der 
Redner die Übernahme einer Aufsichtsratsfunktion in einem großen 
Atomstromunternehmen durch VP-Abgeordneten Wolfgang Schüssel. Die 
ÖVP wende sich von der bisher konsensual betriebenen Anti-AKW-
Politik in Österreich ab, kritisierte Neubauer. 
Abgeordnete Christiane Brunner (G) unterstützte die Forderung der 
FPÖ nach Erhebungen über Einsatzmöglichkeiten der Photovoltaik im 
öffentlichen Bereich und meinte gegenüber Abgeordnetem Lugar, sie 
sehe keinen Sinn darin, das Energiesparen sowie verschiedene 
alternative Energieträger gegeneinander auszuspielen. Die 
Tätigkeit in einem Atomstromkonzern hielt auch Brunner für einen 
österreichischen Abgeordneten für unvereinbar mit der Anti-AKW-
Politik des Landes. Auch Brunner hielt es für angebracht, 
Menschen zu unterstützen, die sich einen Heizkesseltausch nicht 
leisten können.
Abgeordnete Petra Bayr (S) interessierte sich für die Evaluierung 
von Klimaschutzmaßnahmen durch den KLI.EN und drängte darauf, die 
Bundesländer in die Umsetzung der Klima- und Energiestrategie 
einzubinden. Außerdem brach die Abgeordnete eine Lanze für die 
Nutzung des "größten Kraftwerks" in Österreich, nämlich der 
Energieeffizienz und trat einmal mehr für ein Energie-
Effizienzgesetz ein. 
Abgeordneter Hermann Schultes (V) zeigte sich fasziniert von der 
Photovoltaik und der Möglichkeit, Sonnenenergie direkt zur 
Stromerzeugung zu nutzen. Man dürfe aber nicht übersehen, dass 
diese Technologie noch sehr teuer sei und es aus wirtschaftlichen 
Gründen noch zu früh für große öffentliche Investitionen in 
diesem Bereich sei. Sinnvoll sei es aber, die Weiterentwicklung 
der Photovoltaik und ihre punktuelle Nutzung durch Private zu 
fördern. Der ehemalige Bundeskanzler Schüssel werde auch in 
seiner Aufsichtsratsfunktion nicht die Atomkraft forcieren, 
zeigte sich Schultes überzeugt.  
Abgeordneter Josef Auer (S) schloss sich in der Einschätzung der 
Photovoltaik der Aussage des Abgeordneten Schultes an und 
forderte, diese Technologie weiter zu entwickeln, um sie 
wirtschaftlich attraktiver zu machen. 
Umweltminister Nikolas Berlakovich verteidigte den Schwerpunkt E-
Mobilität in der Klimaschutz- und Energiestrategie mit dem 
Argument, es gehe darum, erschwingliche und zugleich komfortable 
Elektrofahrzeuge in die Massenproduktion zu bringen, um den 
Individualverkehr in den Städten umweltfreundlicher zu gestalten. 
Ziel der neuen Energiestrategie sei es, die österreichischen 
Verpflichtungen im Hinblick auf die Reduktion der CO2-Emissionen, 
die Erhöhung der Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer 
Energieträger bis 2020 zu erfüllen. Die Strategie sei im Vorjahr 
in einem offenen Prozess unter Teilnahme von 180 Personen in neun 
Arbeitsgruppen ausgearbeitet worden und enthält 370 Maßnahmen, 
die in 39 Cluster zusammengefasst wurden. WIFO, Bundesumweltamt, 
Energieverwertungsagentur und E-Control haben seriöse Bewertungen 
vorgenommen, die in die Strategie aufgenommen wurden. Die 
Langfassung des Papiers werde heute Abend auf der Homepage des 
Lebensministeriums abrufbar sein, teilte der Minister mit.
Für Minister Berlakovich ist die neue Energiestrategie politisch 
sehr ambitioniert und sehr konkret ausformuliert. Die Ziele 
lauten auf Energiesparen, Energieautarkie, einen Anteil der 
erneuerbaren Energieträger von 34 % bis 2020 und auf die 
Stabilisierung des Energieverbrauchs auf dem Niveau von 2005. 
Gelinge es, alle vorgesehenen Maßnahmen umzusetzen, würde dies 
2020 einen Anteil an erneuerbaren Energieträgern von 35,5 % 
bedeuten. Schon heute sei Österreich bei den erneuerbaren 
Energieformen das viertbeste Land in der EU. Die Kosten der 
Umsetzung bezifferte der Minister mit 700 Mio. € bis 1 Mrd. € 
jährlich. Die Klima- und Energiestrategie bringe eine Trendwende 
in Richtung erneuerbare Energieträger und Klimaschutz, betonte 
der Umweltminister.
Auf die Detailfragen der Abgeordneten eingehend, kündigte 
Berlakovich ein Screening der Förderpolitik an und sprach sich 
nachdrücklich für eine sozial verträgliche Ökologisierung des 
Steuersystems aus. Auch der Faktor Arbeit sei steuerlich zu 
entlasten, bekannte der Minister und bezifferte das Potenzial an 
"Green Jobs" durch eine ambitionierte Klimaschutz- und 
Energiepolitik mit 80.000 neuen Arbeitsplätzen. Auch der Ausbau 
der öffentlichen Verkehrsmittel und die Berücksichtigung von 
Energiefragen in der Raumordnung sowie die Steigerung der 
jährlichen Sanierungsrate bei den Gebäuden auf 3 % zählt laut 
Berlakovich zur neuen Energiestrategie. Zusätzlich zum Ausbau des 
öffentlichen Verkehrs will Berlakovich aber auch Initiativen in 
Richtung private E-Mobilität unterstützen. Österreich soll an der 
Entwicklung neuer Batterien sowie von Ladestationen mitwirken und 
von neuen Arbeitsplätzen in der E-Mobilität profitieren. 
Vorantreiben wolle er auch den Einsatz von Biogas im Verkehr, 
sagte Berlakovich und informierte die Abgeordneten über seine 
Absicht, das Ökostromgesetz zu novellieren. Die Strategie sehe 
außerdem die Ausarbeitung eines Energie-Effizienzgesetzes vor. Er 
unterstütze die Photovoltaik, beachte aber die Effizienzfrage und 
trete dafür ein, diese Technologie durch Förderung der Forschung 
weiter zu entwickeln.  
F-Abgeordneter Norbert Hofer hatte in der Debatte darauf 
gedrängt, das Potential direkter Stromerzeugung aus Solarzellen 
besser zu nutzen und eine Machbarkeitsstudie für die Installation 
von Photovoltaikanlagen an öffentlichen Gebäuden vorgeschlagen. 
Der Antrag wurde auf Vorschlag des Abgeordneten Josef Auer (S) 
mit S-V-Mehrheit vertagt. 
FPÖ: Unterstützung des Anti-Nuklear-Forums und EURATOM-Ausstieg  
Die Abgeordneten Norbert Hofer und Werner Neubauer (beide F) 
verlangten von der EU, das Anti-Nuclear-Forum (ANEF) in gleicher 
Weise zu fördern wie das European Nuclear Energy Forum (ENEF). 
Außerdem traten sie einmal mehr dafür ein, aus EURATOM 
auszusteigen.- Beide Initiativen wurden auf Antrag des 
Abgeordneten Rudolf Plessl (S) mit S-V-Mehrheit vertagt. Plessl 
hielt den Antragstellern entgegen, die Bundesregierung engagiere 
sich in der EU klar gegen Atomkraftwerke. Einen Ausstieg aus 
EURATOM hielt Plessl aus rechtlichen Gründen für nicht möglich.
Abgeordneter Wolfgang Pirklhuber (G) bedauerte die Vertagung und 
schlug eine koordinierte Vorgangsweise atomkraftfreier Länder in 
der EU vor. Seine Fraktionskollegin Christiane Brunner 
unterstützte die beiden FPÖ-Anträge ausdrücklich. Abgeordneter 
Werner Neubauer hielt einen EURATOM-Ausstieg unter Berufung auf 
ein diesbezügliches Gutachten für möglich und warf Abgeordnetem 
Plessl mangelnde Glaubwürdigkeit in der Anti-AKW Politik vor. 
Grüne warnen vor gesundheitlichen Risiken der Handy-Strahlung 
Unter Hinweis auf aktuelle Studien über Gesundheitsgefahren 
niederfrequent pulsmodulierter Strahlung forderten die G-
Abgeordneten Gabriela Moser und Wolfgang Pirklhuber ein Gesetz 
zum Schutz der Menschen vor Handy-Strahlung.
Abgeordneter Norbert Hofer (F) hielt den Vertagungsantrag des 
Abgeordneten Rudolf Plessl (S), der auf aktuelle Gespräche 
zwischen mehreren Ressorts hinwies, deren Ergebnisse man abwarten 
sollte, für unverständlich und plädierte dafür, die Anliegen der 
Oppositionsparteien auch im Plenum zu behandeln. Abgeordneter 
Wolfgang Pirklhuber stimmte Hofer zu und meinte, es wäre 
demokratiepolitisch wünschenswert, würden sich die 
Regierungsparteien seriöser mit Oppositionsanträgen 
auseinandersetzen. Demgegenüber klagte Abgeordneter August 
Wöginger (V) über die Praxis der Oppositionsparteien, abgelehnte 
Anträge umgehend in derselben Form wieder einzubringen.
FPÖ will Menschen besser über Wasserqualität informieren 
Ein Entschließungsantrag der FPÖ, in dem Abgeordneter Norbert 
Hofer die Einhaltung der Trinkwasser-Informationspflicht durch 
die Trinkwasserversorger einmahnt und insbesondere die Mitteilung 
der Ergebnisse aktueller Wasseruntersuchungen über den Nitrat- 
und Pestizidgehalt an die Konsumenten verlangt, wurde auch vom 
BZÖ und den Grünen unterstützt. Viele Gemeinden wüssten nicht, 
dass sie verpflichtet seien, Ergebnisse von 
Trinkwasseruntersuchungen zu veröffentlichen, meinte etwa 
Abgeordneter Robert Lugar (B). Er kann sich auch eine 
verpflichtende Angabe der Nitrat- und Pestizidwerte auf der 
Wasserrechnung vorstellen.
Die Koalitionsparteien wiesen darauf hin, dass nicht der 
Umweltminister, sondern der Gesundheitsminister für sauberes 
Trinkwasser zuständig sei. Abgeordneter Hofer konnte sich 
allerdings mit seinem Ansinnen, den Antrag dem 
Gesundheitsausschuss zuzuweisen, nicht durchsetzen, vielmehr 
wurde dieser vertagt.
Sowohl Abgeordneter Gerhard Steier (S) als auch Abgeordneter 
Wolfgang Pirklhuber (G) sprachen das Problem der 
Trinkwasserverunreinigung durch landwirtschaftliche 
Intensivtierhaltung, insbesondere durch große 
Schweinemastbetriebe, an. Umweltminister Nikolaus Berlakovich 
verwies dem gegenüber auf die notwendige Erfüllung von 
gesetzlichen Vorgaben für die Betriebe.
FPÖ für Förderung von Mehrwegverpackungen 
Angesichts sinkender Mehrweganteile bei den Verpackungen verlangt 
F-Abgeordneter Norbert Hofer von der Bundesregierung Maßnahmen 
zur Förderung von Mehrwegverpackungen. Der Antrag wurde von SPÖ 
und ÖVP mit der Begründung vertagt, dass eine Arbeitsgruppe die 
bestehenden Bestimmungen in diesem Bereich gerade evaluiere. 
In der Debatte machte Umweltminister Nikolaus Berlakovich darauf 
aufmerksam, dass Mehrwegverpackungen von den Konsumenten nicht 
angenommen würden. So gebe es starke Rückgänge der Mehrwegquoten 
bei Bier, Wasser und Limonade. Derzeit würden im Ministerium 
verschiedene Studien zum Thema evaluiert. Die Verhandlungen über 
eine Änderung der Verpackungsverordnung sind ihm zufolge im 
Laufen. 
Abgeordnete Petra Bayr (S) gab zu bedenken, dass das 
Abfallwirtschaftsgesetz neuen EU-Vorgaben angepasst werden müsse. 
Abgeordnete Gabriela Moser und Ausschussvorsitzende Christiane 
Brunner (beide G) sprachen sich für die Abhaltung einer Enquete 
zur gesamten Verpackungsproblematik aus. Überbordende 
Verpackungen müssten, so Moser, auch dem Minister "ein Dorn im 
Auge sein". Abgeordnete Carmen Gartelgruber (F) verwies auf 
Studien, wonach Mehrwegverpackungen deutlich ressourcenschonender 
seien als Einwegverpackungen. 
Berlakovich soll sich für Schutz afrikanischer Elefanten 
einsetzen
Besonders emotional gestaltete sich die Ausschussdebatte über den 
Schutz afrikanischer Elefanten. Nach längerer Diskussion fasste 
der Ausschuss mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ eine 
Entschließung, in der Umweltminister Berlakovich aufgefordert 
wird, sich im Rahmen der laufenden Artenschutz-Konferenz in Doha 
für den Schutz des afrikanischen Elefanten einzusetzen und 
Anträge zum Abverkauf von Rohelfenbein abzulehnen. Gleichzeitig 
wird auf internationaler Ebene der Aufbau von wirksamen 
Einrichtungen zur Unterbindung des illegalen Elfenbeinhandels im 
engen Dialog mit den betroffenen afrikanischen Staaten urgiert.
Grundlage für die Diskussion im Ausschuss bildeten ein 
Entschließungsantrag der Grünen und ein Entschließungsantrag des 
BZÖ. Beide Parteien drängen darauf, die Anträge Tansanias und 
Sambias auf Lockerung der in ihren Ländern geltenden Elefanten-
Schutzbestimmungen bei der Konferenz in Doha abzulehnen und sich 
gegen eine Herabstufung der Bestände von Anhang I in Anhang II 
des Washingtoner Artenschutzübereinkommens auszusprechen, was von 
Seiten der ÖVP auf Ablehnung stieß.
ÖVP-Abgeordneter Hermann Schultes und seine Fraktionskollegen 
Franz Hörl und Franz Essl wiesen darauf hin, dass etliche 
Naturschutzorganisationen die Anliegen Sambias und Tansanias 
befürworteten. Man müsse auf die Überpopulation von Elefanten in 
einigen Gebieten reagieren, betonten sie. Schultes zeigte sich 
überzeugt, dass ein umweltgerechtes Bestandsmanagement Wilderei 
einschränken würde und sprach sich zudem für die 
eigenverantwortliche Entscheidung der betreffenden Länder aus.
Ausschussvorsitzende Christiane Brunner (G), Abgeordneter 
Wolfgang Pirklhuber (G), und Abgeordnete Petra Bayr (S) hielten 
dem entgegen, dass 17 afrikanische Staaten die EU "beknien" 
würden, den Schutzstatus für Elefanten in Sambia und Tansania 
nicht herabzustufen. Die betroffenen Länder und viele Experten 
würden einen Anstieg der Wilderei infolge eines solchen Schrittes 
befürchten. Bayr zufolge haben viele NGOs in dieser Frage 
außerdem eine andere Meinung als etwa der WWF. Es stimme einfach 
nicht, dass es eine Überpopulation von Elefanten in Sambia und 
Tansania gebe, die man schießen müsse, um das ökologische 
Gleichgewicht zu halten, bekräftigte Bayr.
Abgeordneter Norbert Hofer (F) hob hervor, dass der Abschuss von 
Wildtieren in Afrika ein guter Geschäftszweig geworden sei. 
Abgeordneter Robert Lugar (B) verwies auf den Antrag des BZÖ, 
wertete gleichzeitig den Koalitionszwist in dieser Frage 
allerdings als absurd.
Bei der Abstimmung wurde der zuvor aktualisierte Antrag der 
Grünen vertagt, jener des BZÖ in Form eines V-S-
Abänderungsantrages angenommen.
Schließlich vertagte der Umweltausschuss zwei Anträge der FPÖ. 
Zum einen drängte Abgeordneter Norbert Hofer auf die Fortsetzung 
der Gespräche von Minister Nikolaus Berlakovich mit Deutschland 
in Sachen Grüne Gentechnik, um weiterhin Unterstützung für das 
Gentechnik-Anbauverbot in Österreich zu erhalten. Zum anderen 
verlangt er einen gezielten Humusaufbau in den Ackerböden als 
Beitrag zur Senkung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre und als 
Beitrag zum Klimaschutz.
Abgeordnete Petra Bayr (S) wies darauf hin, dass fünf-Parteien-
Gespräche über einen gemeinsamen Antrag zum Thema Humusaufbau 
noch zu keinem Erfolg geführt hätten. Abgeordneter Franz Essl (V) 
machte geltend, Umweltminister Berlakovich habe in Bezug auf das 
Gentechnik-Anbauverbot in Österreich bereits viel erreicht und 
sei in ständigem Kontakt mit den anderen EU-Mitgliedstaaten. 
Abgeordneter Werner Neubauer (F) kritisierte, dass in immer mehr 
Produkten gentechnisch veränderte Organismen enthalten seien. Er 
erachtet es für notwendig, für das Gentechnik-Anbauverbot in 
Österreich laufend Verbündete über die Grenzen hinaus zu suchen. 
Laut Abgeordnetem Wolfgang Pirklhuber (G) nimmt die Anbaufläche 
für gentechnisch veränderte Pflanzen in Europa bereits ab. 
(Schluss) 
Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at
	
							
												
							
*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***
OTS0251    2010-03-17/15:55
171555 Mär 10
NPA0001 2472