OTS0292 / 16.03.2010 / 18:27 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Tourismusausschuss / Tourismusstrategie / ÖBB


Österreichs Tourismus gewinnt in der Krise Marktanteile Minister mit Tourismusstrategie und guten Nachrichten im Ausschuß =


   Wien (PK) - Der Tourismusausschuss befasste sich in seiner 
heutigen Sitzung unter der Leitung seiner Obfrau Heidrun Silhavy 
mit der neuen "Tourismusstrategie", die Wirtschaftsminister 
Reinhold Mitterlehner den Abgeordneten präsentierte. 
Es gehe nicht darum, den österreichischen Tourismus neu zu 
erfinden, sagte der Minister, der auf der Grundlage einer 
Stärken-Schwächen-Analyse und angesichts der Wirtschaftskrise 
aber neue Akzente in der Tourismuspolitik setzen will. Vorweg 
qualifizierte der Minister die aktuelle Lage der Branche als 
solide und erfreulich. "Wir haben in der Krise gut 
gewirtschaftet", sagte Mitterlehner. Es sei nach den 
Rekordergebnissen im Winter 2008/09 trotz eines schwachen Starts 
in den Winter 2009/10 durch Werbemaßnahmen gelungen, Spätbucher 
anzusprechen. Der zunächst befürchtete Umsatzeinbruch von bis zu 
5 % wird laut Mitterlehner nicht eintreten. Im Jahr 2009 habe 
Österreich seinen Tourismusmarktanteil in der EU-15 erstmals seit 
Mitte der neunziger Jahre steigern können. Für den Sommer 2010 
werden einerseits deutsche Gäste sowie Gäste aus Ost- und 
Zentraleuropa gezielt beworben. 70- bis 80-prozentige 
Zuwachsraten jährlich auf den Tourismusmärkten Osteuropas seit 
der EU-Erweiterung zeigten, wie richtig diese Strategie sei. Auf 
dem deutschen Markt wiederum gewinne Österreich sowohl Anteile 
bei Kurzurlaubern, zunehmend punkte die Österreich in Deutschland 
aber auch bei Langzeiturlaubern. 
Die neue Tourismusstrategie erläuterte der Minister insofern als 
eine politische, als es ihm darum gehe, Tourismusmaßnahmen 
zwischen Bund und Ländern besser zu koordinieren, insbesondere 
bei folgenden Themen: Kooperation der Donau-Bundesländer bei der 
Bewerbung des Donau-Radwegs, Darstellung des Themas Landschaft-
Kultur-Kulinarik und ein besser koordinierter Einsatz der 
Werbemittel. Zudem will Mitterlehner die Marke "Urlaub in 
Österreich" stimmiger bewerben als bisher, wichtige 
Tourismusinnovationen gezielter unterstützen und Förderungen 
durch intensivere Bund/Länder-Koordination effektiver ausrichten, 
etwa durch Ausrichtung auf Schwerpunktthemen wie "Radtourismus", 
"Internet" oder "Familienurlaub". Erfreut zeigte sich der 
Wirtschaftsminister über die geplante Abschaffung der 
Kreditvertragsgebühr. 
Grundsätzlich sei die Strategie eine systematische, aber offene 
und prozessorientierte Entscheidungsgrundlage, aber kein 
betriebswirtschaftliches Konzept. Die Entscheidungen werden 
weiterhin in den Unternehmen, nicht auf der bürokratischen Ebene 
getroffen, betonte der Minister. 
Die österreichische Tourismuswirtschaft habe sich in der Krise 
als eine solide Branche erwiesen, die Marktanteile gewinnen.
Abgeordnete Gabriela Moser (G) fand lobende Worte zur 
Tourismusstrategie, merkte aber kritisch an, dass die 
Arbeitsgruppen, aus denen sie hervorging, allzu ÖVP-dominant 
besetzt gewesen und ökologische Fragen unterrepräsentiert seien. 
Moser, die einen echten "Masterplan" erwartet hatte, mahnte 
konkretere Zielsetzungen ein und überdies die Einbindung des 
Tourismusausschusses in die Umsetzung der Strategie. Einzelfragen 
richteten sich auf eine Lösung der Gastgarten-Problematik und auf 
geplante Veränderungen bei der Saisonnierbeschäftigung.
Abgeordneter Johann Hell (S) unterstrich seinerseits die 
Bedeutung des Tourismus für die Volkswirtschaft und machte 
hinsichtlich der generell erhobenen Forderung nach mehr 
Qualitätsangeboten im Tourismus auf die Bedeutung der Mitarbeiter 
und ihrer Dienstleistungen in der Branche aufmerksam. Er drängte 
auf bessere Arbeitsbedingungen und problematisierte den Einsatz 
unqualifizierten Personals anstelle von Fachkräften im 
Wintertourismus. 
Abgeordneter Franz Hörl (V) würdigte das persönliche Engagement 
des Wirtschaftsministers für die Tourismusbranche und erinnerte 
an den "tollen Auftritt" Österreichs bei der Berliner 
Tourismusmesse. Die neue Tourismusstrategie qualifizierte der 
Abgeordnete als gut gelungen und überzeugend präsentiert, das sei 
wichtig, um die gute Stimmung im Tourismus zu erhalten. Voll 
eingeschlagen habe nach Wahrnehmung des Abgeordneten Hörl die 
Werbeoffensive um den Inlandsgast.
Abgeordneter Maximilian Linder (o.F.), der eingangs der Sitzung 
vom Ausschuss einstimmig als beratendes Mitglied beigezogen 
wurde, sah gute Ideen der Touristiker in der neuen Strategie 
dokumentiert; nun komme es darauf an, diese umzusetzen. Linder 
drängte darauf, den Tourismusgemeinden bei der Bereitstellung von 
Kinderbetreuungseinrichtungen zu helfen und interessierte sich 
für Pläne zur Umwandlung der Österreich Werbung in eine GmbH. 
Abgeordneter Stefan Markowitz (B) erinnerte an den Vorschlag des 
SP-Abgeordneten Matznetter, die Basel II-Bestimmungen bei 
Krediten unter 1 Mio. Euro auszusetzen und drängte zudem darauf, 
die Kreditvertragsgebühr rasch abzuschaffen. 
Abgeordnete Roman Haider (F) begrüßte die Tourismusstrategie, bei 
der "etwas Gescheites" herausgekommen sei. Der Redner unterstrich 
die Forderung nach Anpassung der AfA an die Lebensdauer der 
Investitionen und verlangte auch die Anhebung der Pauschalierung 
bei Einzelunternehmen sowie eine intensivere Koordination der 
Länder und des Bundes bei der Tourismusförderung. Haider bekannte 
sich auch zur Absicht, die Dachmarke "Urlaub in Österreich" zu 
stärken. 
Abgeordneter Josef Auer (S) unterstrich die Forderung seines 
Fraktionskollegen Hell, die Bedeutung der Arbeitnehmer in der 
Tourismusbranche stärker zu beachten, und setzte sich angesichts 
des hohen Frauenanteils bei den Tourismusbeschäftigten dafür ein, 
mehr Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. Es gehe 
darum, den ländlichen Raum und die KMU dort zu stärken sowie die 
Auslastung der Betriebe zu sichern.
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner bekundete seine 
Absicht, den Anteil der Tourismuswirtschaft am BIP der derzeit 
8,4 % betrage, zu halten oder womöglich zu steigern. Die in der 
neuen Strategie dokumentierten Vorschläge werde man teilweise 
kurzfristig umsetzen können, andere Vorschläge werden längere 
Zeit für die Realisierung brauchen, vor allem dort, wo 
Einstellungsänderungen notwendig seien, etwa beim Übergang zum 
Ganzjahresbetrieb. 
Zur Lösung der Gastgartenproblematik liegen Vorschläge des 
Städtebundes vor, über die im Ausschuss zu beraten sein wird, 
sagte der Minister. Praktikablere und flexiblere Vorschriften für 
die Saisonnierbeschäftigung werde er gemeinsam mit dem 
Sozialressort ausarbeiten, kündigte der Minister an, der sich 
einmal mehr dafür aussprach, den Ganzjahrestourismus zu 
forcieren, um die Anlagen besser zu nutzen. 
Zur besseren Qualifikation der Mitarbeiter bemühe man sich in der 
Ausbildung, mehrere Berufe zu verbinden und zugleich 
Spezialisierungen zu ermöglichen. Hinsichtlich der Forderung nach 
einer besseren Entlohnung sei die vielfach angespannte 
finanzielle Lage der Tourismusbetriebe zu berücksichtigen, sagte 
Mitterlehner. Das Lehrstellenangebot wurde ausgeweitet, 
touristische Lehrstellen seien aber nach wie vor nicht sehr 
beliebt, klagte der Minister. Was die rechtliche Form der 
"Österreich Werbung" - sie ist derzeit ein Verein - anlange, 
werde er die Vor- und Nachteile einer GmbH-Struktur prüfen, sagte 
Mitterlehner. Mehr Budgetsicherheit für die Österreich Werbung 
könne er angesichts der budgetären Situation nicht versprechen. 
"Wir müssen froh sein, wenn wir halten können, was wir haben", 
sagte der Minister.
In einer zweiten Verhandlungsrunde beantwortete Bundesminister 
Mitterlehner Detailfragen der Abgeordneten Gabriel Obernosterer 
(V), Gabriela Moser und Birgitt Schatz (beide G) sowie von 
Abgeordneter Rosa Lohfeyer (S). Wie der Minister informierte, 
werde das Konzept der Modellregionen in 4 bis 5 Regionen 
fortgesetzt. Die Wegeinfrastruktur im alpinen Gelände soll GPS-
gestützt dokumentiert werden, das Schutzhüttenprogramm 
fortgesetzt und die Nationalparkinitiative präzisiert werden. 
Vorschläge mit neuen Regelungen für "Minijobs" im Tourismus werde 
er mit dem Sozialminister verhandeln, teilte Mitterlehner 
Abgeordneter Birgitt Schatz (G) mit. 
Abgeordneter Gabriel Obernosterer (V) hatte in seiner Wortmeldung 
eine Lanze für die Entbürokratisierung kleiner Tourismusbetriebe 
und für die Anhebung von Pauschalierungsgrenzen gebrochen. 
Nach der aktuellen Aussprache befasste sich der Ausschuss mit der 
Frage der Optimierung der Zusammenarbeit von Tourismuswirtschaft 
und ÖBB. In einem einstimmig angenommenen Allparteienantrag 
(908/A [E]) wird die Bundesregierung ersucht, gemeinsame 
Maßnahmen zu setzen, um die Urlaubsanreise mit der Bahn 
attraktiver zu gestalten und damit die Zahl der Anreisen mit der 
Bahn zu erhöhen. Insbesondere soll dabei auch auf den 
Fahrradtourismus Bedacht genommen werden. Die Antragsteller 
erhoffen sich davon einen Beitrag zum Umweltschutz und eine 
Steigerung der Wertschöpfung durch eine entsprechende 
Verlängerung der Aufenthaltsdauer. Zu den Beratungen wurde die 
Vorstandssprecherin der Personenverkehrs AG der ÖBB, Gabriele 
Lutter, als Auskunftsperson beigezogen.
Abgeordnete Gabriela Moser (G) meinte, es sei wichtig, die 
Möglichkeiten zur Mitnahme von Rädern durch die ÖBB zu 
verbessern. Derzeit gebe es auf diesem Gebiet Probleme, was die 
Frage aufwerfe, wie die Strategie der ÖBB hier aussehe. 
Abgeordneter Roman Haider (F) erklärte, es sei eine 
Selbstverständlichkeit, diesen Antrag zu unterstützen, um sich 
sodann nach der Zukunft der Mühlkreisbahn zu erkundigen. 
Abgeordneter Christoph Hagen (B) thematisierte die Nebenbahnen 
und verwies darauf, dass es in den Zügen oftmals zu wenig 
Stauraum für das Gepäck gebe.
Abgeordneter Elmar Mayer (S) wies auf das beispielgebende Vorbild 
der Schweiz hin, der man in dieser Hinsicht nacheifern sollte. 
Der Antrag sei in dieser Hinsicht eine Punktlandung. Abgeordneter 
Franz Hörl (V) würdigte gleichfalls die Schweiz als vorbildlich 
und sagte, für die ÖBB sollte eigentlich eine 
Selbstverständlichkeit sein, derartigen Service im Sinne der 
Kundenfreundlichkeit anzubieten.
Lutter sagte, die ÖBB böten seit Jahresbeginn in 55 Prozent der 
Fernverkehrszüge Radtransporte an, der Service werde weiter 
ausgebaut, denn er sei der ÖBB ein Anliegen, weshalb sie dem 
Ausschuss auch für seine Initiative danke. Die Schweiz sei auch 
der ÖBB an dieser Stelle Vorbild, deren Standard man auf Sicht 
erreicen wolle. Auch an der Gepäckfrage werde gearbeitet.
Die Mühlkreisbahn, so Lutter weiter, sei zumindest bis 2017 
vertraglich gesichert, der öffentliche Verkehr müsse auch in 
Hinkunft seinen Stellenwert haben, wobei es von Fall zu Fall zu 
prüfen sei, ob die Bahn oder der Bus die optimale Lösung für eine 
Region darstelle.
Vertagt wurde ein weiteres Mal der BZÖ-Antrag auf Halbierung des 
Mehrwertsteuersatzes für Beherbergungsbetriebe. Das BZÖ sieht 
diese Forderung als wirkungsvolle Unterstützung des heimischen 
Tourismus, mit der die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen 
Tourismuswirtschaft erhalten werden soll. (843/A [E])
Nachdem der zu den Beratungen beigezogene fraktionslose Mandatar 
Maximilian Linder für die Annahme des Antrags geworben hatte, da 
dieser sowohl im Sinne der heimischen Hotellerie wie auch dem der 
Gäste sei, und Abgeordneter Roman Haider (F) diese Sichtweise 
bekräftigt hatte, brachte Abgeordneter Gabriel Obernosterer (V) 
einen Vertagungsantrag ein, der von Abgeordnetem Franz Hörl (V) 
unterstützt wurde. Der Antrag komme zum falschen Zeitpunkt und 
weise auch inhaltlich Verbesserungsbedarf auf. 
Bundesminister Reinhold Mitterlehner ergänzte die Ausführungen 
seiner Parteikollegen dahingehend, dass man das Gesamtbild 
betrachten müsse und nicht eine Einzelmaßnahme herausnehmen und 
isoliert betrachten dürfe. Abgeordnete Gabriela Moser (G) 
votierte dafür, den Antrag abzulehnen, da eine Aufsplitterung des 
Mehrwertsteuersatzes nach Branchen einem "Öffnen der Büchse der 
Pandora" gleichkomme.
Der Antrag wurde mit Stimmenmehrheit vertagt. (Schluss)
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