Wien (OTS) - (GPA-djp/ÖGB) "Wenn laut Angaben der
Industriellenvereinigung 40.000 Beschäftigte in der Industrie als
Folge der Wirtschaftskrise ihre Arbeit verloren haben, kann doch
nicht ernsthaft behauptet werden, die ArbeitnehmerInnen wären nicht
die Hauptleidtragenden. Solche Behauptungen sind zynisch und sicher
kein Beitrag zur sachlichen Problemlösung", reagiert der Vorsitzende
der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier
(GPA-djp), Wolfgang Katzian auf die Äußerungen des Präsidenten der
Industriellenvereinigung Veit Sorger.
"Natürlich haben auch Vermögensbesitzer und Spekulanten Geld in der
Krise verloren. Man muss aber auch die Jahre zuvor in Betracht
ziehen, in denen die Besitzer von Vermögen enorm hohe
Einkommenszuwächse verzeichnen konnten. Dies führte zu einer extremen
Schieflage in der Einkommens- und Vermögensverteilung, was mit eine
Ursache für die krisenhaften Erscheinungen in der Weltwirtschaft war.
Statt Geld in produktive Bereiche anzulegen, wurde zunehmend in
Spekulationsgeschäfte investiert, mit den bekannten Folgen für die
Realwirtschaft. Es ist eigentlich unverständlich, dass Herr Sorger
sich mit seinen Äußerungen vor die Interessen der Finanzspekulanten
stellt", erklärt Katzian.
"Die Krise bietet nun die Chance, strukturelle Vorkehrungen zu
treffen, dass sich derartige Krisen nicht wiederholen. Neben einer
Regulierung des Finanzsektors gehört auch eine gerechtere Einkommens-
und Vermögensverteilung zu diesen strukturellen Maßnahmen. Eine
wieder steigende Lohnquote würde auch volkswirtschaftlich positive
Effekte haben. Alle Konsolidierungsmaßnahmen, die das Einkommen der
unselbständig Beschäftigten schmälern, sind kein guter Beitrag zu
Krisenbewältigung, während die stärkere Besteuerung von großen
Vermögen und Spekulationsgeschäften sehr wohl einen positiven Effekt
hätte. Die Wirtschaft der Zukunft muss eine stabilere und gerechtere
werden, sonst sind weitere schwere Krisen vorprogrammiert", so
Katzian.
ÖGB, 16. März 2010
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