- 16.03.2010, 12:33:23
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Rektoren von österreichischen MedUnis gegen vierte Medizinische Universität
Lokale Interessen bringen keinen Nutzen für Ärzteversorgung aber Verschlechterung der Lehr- und Forschungssituation
Wien (OTS) - Zur Intention einer vierten öffentlichen
Medizinischen Universität (in Linz) geben die Rektoren der
Medizinischen Universitäten von Graz, Innsbruck und Wien die folgende
Stellungnahme ab:
Kein zunehmender Ärztebedarf sondern Wartezeit auf Ausbildungsplätze
und Kassenverträge
Von verschiedenen politischen Kräften Oberösterreichs wird auf den
Bund zunehmend Druck zur Errichtung einer aus öffentlichen Mitteln
finanzierten Medizinischen Universität in Linz ausgeübt. Der nach
außen vermittelte Grund dafür sei ein absehbarer Mangel an Ärzten in
Österreich. Keine Studie von zu dieser Frage unabhängigen Autoren
belegt diese Annahme. Die Zahl der Medizin-Absolventen ist seit 2001
auf einem unverändert hohen Niveau, durch-schnittlich um ein Drittel
höher als in den Neunziger-Jahren - und damals (genaugenommen sogar
bis Juli 2005, wo der Europäische Gerichtshof die österreichischen
Zulassungskriterien wegen Diskriminierung nicht-österreichischer
EU-Bürger aufhob) hat die Ärztekammer noch von einer drohenden
"Ärzteschwemme" gesprochen. Mit einer sinkenden Absolventenzahl wird
auch in Hinkunft nicht zu rechnen sein, da die Erfolgsrate der neu
aufgenommen Studierenden aufgrund der seit drei Jahren angewandten
Zulassungsverfahren deutlich angestiegen ist.
Davon unabhängig ist die Schlussfolgerung, dass mehr
Medizinstudierende zu einer größeren Zahl versorgungswirksamer Ärzte
führen, unzulässig, denn es gibt je nach Bundesland unterschiedlich
lange Wartezeiten auf einen Ausbildungsplatz zum Allgemeinarzt oder
Facharzt (erst nach erfolgter Ausbildung herrscht
Berufsberechtigung!). Oberösterreich wäre glücklich zu schätzen, wenn
dort keine Wartezeiten existieren. Aber auch nach Berufsberechtigung
gibt es keine Anzeichen, dass die Zahl der für eine Niederlassung
essentiellen Kassenverträge oder die für eine Spitalsanstellung
notwendigen Facharztstellen ansteigen werden; aufgrund leerer Kassen
in Bund und Ländern ist eher das Gegenteil zu befürchten. Ebenso
wenig ist die partielle Unterversorgung mit Ärzten in ländlichen
Regionen durch mehr Medizinstudierende behebbar, sondern nur durch
strukturelle Maßnahmen.
Sollte sich in den nächsten Jahren trotzdem ein allfälliger Bedarf
an mehr versorgungsfähigen Ärzten abzeichnen und sollten Länder und
Kassen gleichzeitig bereit sein, Ausbildungsstellen, Facharztstellen
und die Zahl der Kassenverträge überproportional zu erhöhen, so
werden auch die drei Medizinischen Universitäten in Innsbruck, Graz
und Wien darauf vorbereitet sein: durch das Universitätsgesetz und
die darauf basierenden Leistungsvereinbarungen mit dem Bund
angehalten erarbeiten sie bis Jahresmitte eine bedarfsinduzierte
Umsetzung von zusätzlich 500 Plätzen für Studienanfängerinnen und
Studienanfänger.
Nicht mehr Studierende sondern mehr Absolventen und mehr
Lehrkrankenhäuser - Angebot zur Kooperation
Aufgrund der schon derzeit kritischen Finanzierung der
öffentlichen Universitäten, deren Lage sich durch die vom Bund
geplanten Sparmaßnahmen nur verschlimmern kann, ist eine Verdünnung
des Universitätsbudgets durch eine weitere Universität aufgrund der
geschilderten Faktenlage kontraproduktiv. Die Ausbildung in den
Grundlagenfächern würde quantitativ zunehmen aber sich qualitativ
verschlechtern. Der Engpass in der klinischen Ausbildung würde sich
weiter verschärfen. Es besteht kein Bedarf für mehr Studienplätze,
sondern zur Verbesserung der klinischen Ausbildung durch mehr
Lehrkrankenhäuser.
Hier kann die ausgezeichnete oberösterreichische Spitalslandschaft
akademisch genutzt werden. Die Medizinischen Universitäten in Graz
und Innsbruck betreiben schon jetzt das letzte Studienjahr ihres
Medizincurriculum als Praktisches Jahr, die Medizinische Universität
Wien stellt ihr Curriculum gerade in diesem Sinne um. Für die
Vermittlung der erforderlichen klinischen Fertigkeiten in diesem
Praktischen Jahr sind zusätzliche Lehrspitäler notwendig, wofür sich
die oberösterreichischen Spitäler schon jetzt hervorragend eignen.
Herbert Lochs, MedUni Innsbruck
Wolfgang Schütz, MedUni Wien
Josef Smolle, MedUni Graz
Rückfragehinweis:
Mag.a phil. Nina Hoppe Pressesprecherin Medizinische Universität Wien mobil: +43 664 800 16 11 501 email:[email protected] www.meduniwien.ac.at/publicrelations
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