• 13.03.2010, 09:18:16
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Gefahr des Missbrauchs lauert überall" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 13. März 2010

Innsbruck (OTS) - Die Sensibilisierung der Gesellschaft sorgt
dafür, dass mehr Missbrauchsdelikte aufgezeigt und geahndet werden.

Österreich und Tirol stehen im Banne einer Missbrauchswelle bisher
noch nicht gekannten Ausmaßes. Wie zuvor in Deutschland bricht jetzt
auch hierzulande die Mauer des Schweigens, die Opfer aus Angst und
Scham aufgebaut hatten. Betroffen sind bei Weitem nicht nur
kirchliche Einrichtungen, auch wenn es anfangs den Anschein hatte.
Sexueller Missbrauch von Kindern ist zwar auch ein innerkirchliches
Problem, aber nicht ausschließlich. Sportvereine, weltliche
Internate, Jugendgruppen - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Gefahr lauert, vereinfacht gesagt, immer dann, wenn Kinder engen
Kontakt zu Erwachsenen haben.

Die jetzt angezeigten Fälle datieren meist aus den 70er- und
80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das erschwert in erster Linie
die strafrechtliche Verfolgung der Täter. Gleichzeitig stellt sich
aber die Frage, wie es denn heutzutage ausschaut. Ist davon
auszugehen, dass in 30 bis 40 Jahren Gräuelberichte über sexuellen
Missbrauch auftauchen, der heute, quasi unter unseren Augen,
passiert?
Klar ist: Kindesmissbrauch hat es immer gegeben und wird es immer
geben. Aber zumindest drei gute Gründe nähren die Hoffnung, dass die
Zahlen abnehmen. Zum einen ist das die Weiterentwicklung am
wissenschaftlichen Sektor. Es gibt mittlerweile neuere, bessere und
umfassendere Therapieformen. Vor allem aber sorgen das gestiegene
Selbstbewusstsein und die schwindende Obrigkeitshörigkeit der Kinder
dafür, dass Übergriffe rascher aufgedeckt und Täter zur Rechenschaft
gezogen werden. Nicht zuletzt ist es die zunehmende Sensibilisierung
der Gesellschaft, die gegenseitige Aufmerksamkeit, die dafür sorgt,
dass Missbrauchsdelikte aufgezeigt und geahndet werden.
Schade nur, dass es immer erst einen Anlassfall oder - wie derzeit -
sogar eine Welle von Anlassfällen braucht, ehe diese
Abwehrmechanismen einsetzen.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion Tel.: 05 04 03 DW 610

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