- 12.03.2010, 09:00:26
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Weiterhin vorsichtige Konjunkturbelebung
Wien (OTS/WIFO) - Die jüngsten Daten zur internationalen
Wirtschaftslage deuten insgesamt auf ein Anhalten des Aufschwungs
hin, sind aber etwas uneinheitlich. In den USA und in Südostasien
bleibt das Wachstum robust, auch wenn es sich im I. Quartal etwas
verlangsamt haben dürfte. Im Euro-Raum entwickelt sich die private
Nachfrage verhalten. In Österreich wuchs das BIP im IV. Quartal 2009
gegenüber dem Vorquartal saison- und arbeitstägig bereinigt um 0,4%.
Gemäß der vorläufigen Rechnung des WIFO zur vierteljährlichen VGR
wuchs das BIP in Österreich im IV. Quartal 2009 saison- und
arbeitstägig bereinigt gegenüber dem Vorquartal um 0,4%. Getragen
wurde das Wachstum von den Exporten (+1,6%) und dem privaten Konsum
(+0,2%), während die Bruttoanlageinvestitionen weiterhin zurückgingen
(-1,6%).
Die Wertschöpfung der Sachgütererzeugung nahm im IV. Quartal
saisonbereinigt gegenüber dem Vorquartal um 1,3% zu (III. Quartal
+1,9%). Die stärker an der Inlandsnachfrage orientierten Bereiche
entwickelten sich ungünstiger. In der Bauwirtschaft und in den
Dienstleistungsbereichen Handel, Beherbergungswesen und Verkehr
stagnierte die Wertschöpfung weiterhin.
Die Erholung der internationalen Konjunktur hielt in den ersten
zwei Monaten 2010 an. Im IV. Quartal war die Wirtschaft in den USA
und in Südostasien stark gewachsen, getragen von Fiskalimpulsen in
den USA und China und einer Wiederbelebung des Welthandels, die mit
einem raschen Lageraufbau einherging. Im I. Quartal 2010 dürfte sich
die Expansion in den USA nun etwas verlangsamt haben, jedoch robust
bleiben. Die Stimmungsindikatoren waren im Februar eher
uneinheitlich, und der Lageraufbau könnte etwas an Dynamik verlieren.
Gleichzeitig weist einiges darauf hin, dass der Aufschwung in den USA
nunmehr den Unternehmenssektor erreicht: Die Investitionen sind nicht
länger rückläufig, und die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich
stabilisiert, wenn auch bei einer Arbeitslosenquote von 9,7%.
Der Euro-Raum verzeichnete im IV. Quartal eine Wachstumsrate von
nur 0,1% gegenüber dem Vorquartal. Der private Konsum stagnierte
(0,0%), und die Anlageinvestitionen sanken weiter, nur die Exporte
entwickelten sich günstig (+1,7%). Angesichts der Entwicklung der
Exporte und anderer Indikatoren könnte das BIP-Wachstum aber im IV.
Quartal etwas unterschätzt worden sein (Diskussionen um die
arbeitstägige Bereinigung). Dies könnte im I. Quartal 2010
kompensiert werden. Allerdings deuten die verfügbaren Indikatoren auf
ein weiterhin mäßiges Wachstum in den ersten zwei Monaten 2010 hin.
Die Unternehmererwartungen fielen zwar in der Industrie im Februar
neuerlich geringfügig besser aus, das Konsumentenvertrauen ging
dagegen zurück, möglicherweise aufgrund der Griechenland-Krise. Sie
lenkte die Aufmerksamkeit auf makroökonomische Ungleichgewichte in
einigen südeuropäischen Ländern, welche die Entwicklung im Euro-Raum
2010 weiter belasten könnten.
Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Die Rohölpreise haben sich in den letzten Monaten bei 80 $ per
Barrel stabilisiert. Sie liegen aber deutlich über den Werten von
Anfang 2009 und verursachten damit in den letzten Monaten einen
leichten Anstieg der Inflationsrate. Die Teuerungsrate lag in den USA
und im Euro-Raum im Jänner bei 2,6% bzw. 1,0%, ohne Energie und
Nahrungsmittel bei 1,6% bzw. 0,9%.
Auch für Österreich zeigt der WIFO-Konjunkturtest vom Februar eine
weitere Verbesserung der Unternehmererwartungen in der Industrie. In
der Bauwirtschaft fehlen hingegen weitgehend Hinweise auf eine
Erholung. Im IV. Quartal sanken die Bauinvestitionen (-0,8%)
gegenüber dem Vorquartal. Für das I. Quartal ist aufgrund des kalten
Wetters mit einer anhaltend schwachen Tendenz zu rechnen.
Die Tourismusumsätze lagen nach ersten Schätzungen in der ersten
Hälfte der Wintersaison zwar um 3% unter dem Rekordergebnis des
Vorjahres. Der Rückgang ist aber im internationalen Vergleich gering
und schwächer als angesichts der Finanzmarktkrise befürchtet.
Offenbar ersetzten sowohl inländische Reisende als auch Gäste aus den
Nachbarländern teure Fernreisen durch einen Aufenthalt in Österreich.
Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der
WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Die Lage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt blieb in den ersten
zwei Monaten des Jahres unverändert. Saisonbereinigt stieg die Zahl
der unselbständig aktiv Beschäftigen geringfügig. Sie blieb damit im
Februar um 0,5% unter dem Vorjahreswert. Die saisonbereinigte
Arbeitslosenquote erhöhte sich (nach österreichischer Definition) im
Februar leicht und lag mit 7,5% um 0,8 Prozentpunkte über dem
Vorjahreswert. Die Inflationsrate laut VPI betrug im Jänner 1,2%,
ohne Energie und unbearbeitete Nahrungsmittel 1,1%.
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird von "saison- und arbeitstägig bereinigten Veränderungen"
gesprochen.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (siehe auch
http://www.statistik.at/).
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.100 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit (http://www.itkt.at/). Die Indikatoren sind
Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen
Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".
Rückfragehinweis:
Dr. Gerhard Rünstler
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-234 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
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