OTS0338 / 11.03.2010 / 17:52 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Exporte / Hauptausschuss / Parlament / Wirtschaft


Ausfuhrförderung: Exporte brechen ein Hauptausschuss diskutierte Berichte der Bundesregierung =


   Wien (PK) - Die Berichte des Finanzministers über die im 2., 3. und 
4. Quartal 2009 übernommenen Haftungen, Haftungsinanspruchnahmen und 
Rückflüsse aus Haftungsinanspruchnahmen gaben heute Anlass zu einer 
grundsätzlichen Debatte im Hauptausschuss. 
Abgeordneter Werner Kogler (G) übte zunächst Kritik an einem Projekt 
auf der australischen Insel Tasmanien, das große Proteste hervorrufe, 
jedoch in den Berichten nicht erwähnt sei. Dabei handelt es sich um 
eine Zellstoffanlage, die von der Andritz AG errichtet werden soll. 
Kogler führte aus, dass dafür 200.000 Hektar Urwald gerodet werden 
sollen, rund 64.000 Kubikmeter Abwasser würden das Meer verunreinigen 
und Berechnungen prognostizierten Emissionen von 10 Mio. Tonnen CO2 
pro Jahr. Dazu erklärte Staatssekretär Reinhold Lopatka, das Projekt 
sei im Bericht deshalb nicht erwähnt, weil es derzeit noch geprüft 
werde. Bis dato sei jedoch noch keine Entscheidung gefallen, ob die 
Kontrollbank dafür Garantien übernimmt. 
Hier hakte Abgeordneter Wolfgang Zinggl (G) ein und meinte, er halte 
es für falsch, wenn der Hauptausschuss erst nach Erteilung der 
Garantien durch die Kontrollbank informiert werde. Die Abgeordneten 
sollten in einem wesentlich früheren Stadium über kritische Projekte 
diskutieren können. 
Auch Abgeordneter Peter Fichtenbauer (F) übte Kritik an der Art der 
Behandlung der gegenständlichen Berichte im Hauptausschuss. Man könne 
in diesem Zusammenhang nur "Vergangenheitsbewältigung" betreiben, 
aber keine vertieften Betrachtungen anstellen, sagte er. Außerdem 
erfahre man nichts über etwaige Bewertungen der Projekte. 
Fichtenbauer wünschte sich auch eine vertiefte Diskussion über 
Exportaussichten, zumal es aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise 
bei den Exporten Einbrüche gibt. 
Diesen Vorschlägen konnten die Abgeordneten Kai Jan Krainer (S) und 
Wilhelm Molterer (V) nur wenig abgewinnen. Würde man den 
Vorstellungen von Abgeordnetem Zinggl folgen, dann müsste man für 
jedes Projekt ein Einvernehmen mit dem Hauptausschuss herstellen, und 
das wäre weit übertrieben, reagierte Krainer. Molterer meinte, eine 
solche Änderung der Praxis wäre eine starke Behinderung der 
österreichischen Exporte. Eine einzelbetriebliche, firmenpolitische 
Debatte sei ein denkbar falscher Ansatz und ein zu großer 
wirtschaftspolitischer Eingriff. Die Kontrollbank habe bisher ihre 
Aufgaben sehr ernst genommen, das sehe man auch anhand des Ausstiegs 
beim Staudammprojekt Ilisu in der Türkei. 
Auch Staatssekretär Reinhold Lopatka machte eingehend darauf 
aufmerksam, dass die Kontrollbank außerordentlich bemüht sei, NGOs 
früh einzubinden und mittels ihrer Homepage möglichst große 
Transparenz herzustellen. Jedes Projekt würde eingehend auf dessen 
Einflüsse auf die Umwelt geprüft. Abgeordnetem Kogler gegenüber 
stellte er fest, dass sich alle Firmen, für die die Kontrollbank 
Haftungen übernimmt, vertraglich verpflichten, ohne Korruption 
vorzugehen. 
Was die Diskussion über die Perspektiven im Export betrifft, so 
verwies der Staatssekretär auf den kommenden Tätigkeitsbericht des 
Beirats. Mit Ende 2009 hätten die Rückflüsse 353 Mio. € betragen, 
Schuldenzahlungen 330 Mio. € und bei den Exporthaftungen habe man 112 
Mio. € erwirtschaftet. Dennoch schlügen die Einbrüche durch und das 
sehe man daran, dass sich die Exporthaftungen halbiert haben. 
Gemäß den vorliegenden Berichten wurden zwischen dem 1. April und 31. 
Dezember 2009 49 Garantien übernommen, die im Einzelfall den Betrag 
von 7 Mio. € überstiegen haben. Als Abnehmerländer werden im Bericht 
angeführt: Ägypten (1), Albanien (1), Aserbeidschan (1), Bhutan (1), 
Brasilien (1), China (13), Gabun (1), Ghana (1), Indien (5), 
Indonesien (1), Italien (1), Katar (1), Korea Republik (1), Libyen 
(1), Namibia (1), Rumänien (2) Russland (8), Saudi Arabien (1), 
Türkei (2), UK (1), Ukraine (1), Vereinigte Arabische Emirate (1) und 
weitere zwei zugunsten der Österreichischen Entwicklungsbank für 
diverse Länder. 
Nähere Informationen über die einzelnen Projekte sind auf der 
Homepage der Österreichischen Kontrollbank (www.oekb.at) zu finden. 
Die drei Berichte wurden mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und BZÖ jeweils 
mehrheitlich zur Kenntnis genommen. (Fortsetzung Hauptausschuss)
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