OTS0337 / 11.03.2010 / 17:51 / Channel: Politik / Aussender: Tiroler Tageszeitung
Stichworte: Bildung / Medien / Pressestimmen / Studenten / Universitäten / Vorausmeldung


"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Bologna hat in Sackgassen geführt" (von GABRIELE STARCK)


Utl.: Ausgabe vom 12. März 2010 =

   Innsbruck (OTS) - Der Bologna-Prozess ist nicht wie eigentlich
geplant 2010 beendet. Er muss neu gestartet werden.

   Die räumliche Distanz ist minimal, die inhaltlichen Positionen
sind meilenweit voneinander entfernt. Denn nur wenige 100 Meter vom
Ausgangspunkt der europaweiten Studentenproteste im Herbst entfernt -
dem Audimax an der Uni Wien - feiern heute in der Wiener Hofburg 47
Wissenschaftsminister den gemeinsamen europäischen Hochschulraum, der
vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde.

   Grund zum Feiern ist der zehnte Jahrestag der Bologna-Erklärung
aber keineswegs - schon gar nicht in Österreich, wie ein Blick in die
Universitäten zeigt: Die gegenwärtige Studentengeneration ist nicht
zu beneiden. Ihr Titel Bachelor wird belächelt, sein Wert für den
Arbeitsmarkt kleingeredet. Da ist es auch kein Trost, dass es vielen
Eltern der Studenten damals ähnlich ergangen ist, als sie statt des
Doktortitels plötzlich nur noch den Magister erhielten. Doch auch das
Studium selbst ist heutzutage nicht mehr mit früher zu vergleichen,
gemahnt es doch eher an zusätzliche Schuljahre denn an einen
selbstverantwortlich bestimmten Bildungsweg. Und von
Auslandssemestern kann keine Rede sein, seit man innerhalb von drei
Jahren den Abschluss in der Tasche haben sollte, wie es die
öffentliche Meinung - verschärft durch Wirtschaftskrise - verlangt.

   Natürlich darf nicht die ganze Hochschulmisere Bologna in die
Schuhe geschoben werden. Ebenso wenig wie die Universitäten allein
dafür verantwortlich sind, dass die erwünschte Mobilität und der
Austausch von Studierenden nicht funktioniert - übrigens nicht einmal
innerhalb Österreichs. Es war vielmehr der Übereifer aller
Beteiligten, der in einige Sackgassen führte. 2010 ist also nicht das
Jahr, in dem der Bologna-Prozess abgeschlossen ist, wie geplant.
Vielmehr sollte der Gipfel als Arbeitsauftakt verstanden werden,
jetzt endlich einen Weg zu suchen, der wirklich zum Ziel führt - dem
gemeinsamen europäischen Hochschulraum.

Rückfragehinweis:
   Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion 
   Tel.: 05 04 03 DW 610


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