OTS0276 / 11.03.2010 / 14:25 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Gemeindeprüfung / Parlament / Rechnungshof


Gemeindeprüfung: Rechnungshof könnte bald mehr Kompetenzen bekommen Gahr will Frage noch im April im Nationalrat behandeln =


   Wien (PK) - Im vergangenen September hat sich der Nationalrat in Form 
einer Entschließung einhellig dafür ausgesprochen, die Kompetenzen 
des Rechnungshofs in Bezug auf die Gemeindeprüfung auszuweiten. 
Innerhalb von sechs Monaten sollte die Regierung einen entsprechenden 
Entwurf ausgearbeitet haben. Dieser Zeitplan wird nun zwar nicht ganz 
eingehalten werden können, die Koalitionsparteien äußerten sich in 
der heutigen Sitzung des Rechnungshofausschusses aber zuversichtlich, 
bald zu einem Gesetzesbeschluss zu kommen.
Laut ÖVP-Bereichssprecher Hermann Gahr gibt es bereits eine "grobe 
Einigung" zwischen den Koalitionsparteien, die jedoch intern noch 
abgeklärt werden müsse. In weiterer Folge soll, wie Gahr und seine 
SPÖ-Kollegin Christine Lapp betonten, die Opposition in die 
Verhandlungen einbezogen werden. Ziel sei es, das Thema noch im April 
im Nationalrat zu behandeln, bekräftigte Gahr. Die Opposition sprach 
sich einhellig dafür aus, alle Gemeinden der Prüfaufsicht des 
Rechnungshofs zu unterwerfen, unabhängig von ihrer Einwohnerzahl und 
ihrem Budget.
Eingangs der aktuellen Aussprache erinnerte Ausschussvorsitzender 
Werner Kogler (G) an die gemeinsame Entschließung des Nationalrats 
vom September. Er betonte, dass es nach den Bemühungen der Koalition, 
zunächst untereinander zu einem Konsens zu kommen, nunmehr an der 
Zeit sei, die anderen Fraktionen in die Verhandlungen einzubinden. 
Kogler verwies darauf, dass die Gemeinden immer mehr Aufgaben 
erhielten, aus denen sich verpflichtende Ausgaben ergeben, ohne dass 
die Einnahmen immer mithalten könnten. Gerade in kleinen Gemeinden 
fragten sich immer mehr Bürgermeister, warum sie sich das antun 
sollten. 
Von Seiten der Koalitionsparteien stellten Abgeordneter Gahr und 
Abgeordnete Lapp Gespräche mit der Opposition innerhalb der nächsten 
14 Tage in Aussicht. Lapp selbst sprach sich dabei dafür aus, 
sämtliche Gemeinden in die Prüfkompetenz des Rechnungshofs 
einzubeziehen, wobei sie sich die Anwendung verschiedener 
Prüfkriterien für unterschiedlich große Gemeinden vorstellen kann. 
Die Gespräche seien jedenfalls auf einem guten Weg, bekräftigte Lapp. 
Als VertreterInnen der Oppositionsparteien traten Daniela Musiol (G), 
Alois Gradauer (F) und Wolfgang Spadiut (B) dafür ein, bei der 
Ausweitung der Prüfkompetenz des Rechnungshofs keinen Unterschied 
zwischen den Gemeinden zu machen. Alle Gemeinden sollten der 
Prüfaufsicht unterliegen, so der allgemeine Tenor. Abgeordneter 
Gradauer wies darauf hin, dass beispielsweise in Oberösterreich von 
444 Gemeinden 300 nicht mehr in der Lage seien, ein ausgeglichenes 
Budget zu erstellen.
Abgeordnete Rosemarie Schönpass (S) unterstrich, dass die Ausweitung 
der Prüfkompetenzen des Rechnungshofs bei der Gemeindeprüfung 
ursprünglich ein Wunsch der Opposition gewesen sei. Sie plädierte 
daher dafür, die Oppositionsparteien rechtzeitig in die Verhandlungen 
einzubinden und nicht erst dann, wenn sich die Regierungsparteien 
bereits festgelegt haben. Den Gemeinden sei es wichtig, dass es keine 
Willkür gebe, sagte Schönpass, alle sollten, unabhängig von ihrer 
Einwohnerzahl oder ihrem Budgetumfang, gleich behandelt werden. Sie 
plädierte auch dafür, dass die Landesrechnungshöfe nach den gleichen 
Kriterien prüfen sollten wie der Bundesrechnungshof. 
Abgeordnete Dorothea Schittenhelm (V) machte darauf aufmerksam, dass 
die niederösterreichischen Gemeinden bereits umfassend geprüft 
würden. Es gebe laufende Prüfungen durch den Prüfungsausschuss, den 
Landesrechnungshof und die Gebietskrankenkasse, skizzierte sie. Die 
Gemeinden würden sich vor keiner Prüfung fürchten, meinte 
Schittenhelm, man müsse aber dafür sorgen, dass eine 
Rechnungshofprüfung die Arbeit und die Gestaltungsmöglichkeiten der 
Gemeinde nicht lähme. Eine Prüfungslücke sehen Schittenhelm und ihr 
Fraktionskollege Erwin Hornek bei ausgegliederten Unternehmen und 
Strukturen. 
Rechnungshofspräsident Josef Moser sprach sich für eine umfassende 
Prüfungsmöglichkeit des Rechnungshofs in Bezug auf Gemeinden aus. Er 
gab zu bedenken, dass aufgrund der derzeitigen Faktenlage keine 
generellen Aussagen darüber getroffen werden könnten, inwieweit die 
Gemeinden die ihnen übertragenen Aufgaben überhaupt noch erfüllen 
könnten und in welcher finanziellen Lage sie sich befinden. Moser 
sieht in diesem Sinn eine Ausweitung der Prüfkompetenzen des 
Rechnungshofs eher als Hilfe und als kostenloses Beratungsangebot für 
die Gemeinden. 
Dem Einwand, dass bereits die Gemeindeaufsicht die Gemeinden 
umfassend kontrolliere, hielt Moser entgegen, hier stünde die 
Ordnungs- und Rechtmäßigkeit der Beschlüsse im Vordergrund, während 
der Rechnungshof seinen Fokus auf Wirtschaftlichkeit, Zweckmäßigkeit 
und Effizienz lege. Er sicherte außerdem zu, keine Doppelprüfungen 
durchzuführen, sprach sich aber dagegen aus, Prüfungseinschränkungen 
gesetzlich festzulegen. 
Von Abgeordnetem Gradauer und Abgeordneter Musiol zu den 
Fortschritten bei der Verwaltungsreform angesprochen, merkte Moser 
an, die geplante ausgabenseitige Budgetsanierung werde ohne Reformen 
im Verwaltungsbereich nicht möglich sein. Ihm zufolge liegen bereits 
in mehreren Bereichen, etwa bei den Förderungen, der 
Bildungsverwaltung und der Verwaltungseffizienz, konkrete Konzepte 
auf dem Tisch, bei denen nur noch der Wille zur politischen Umsetzung 
fehle. (Fortsetzung Rechnungshofausschuss)
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