Wien (OTS/ÖGB) - "Wir wollen, dass Sozialpolitik kein Verteilen
von Almosen und Spenden ist, sondern Ermöglichungspolitik. Und nur
gute Bildung für alle ermöglicht ein besseres Leben", sagte Jürgen
Michlmayr, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend
(ÖGJ), bei der Bologna-Demo am Donnerstag Nachmittag. Die ÖGJ fordert
bessere Studienbedingungen vor allem für arbeitende Studierende sowie
die Komplettabschaffung aller Studiengebühren, auch an
Fachhochschulen.++++
"Was jetzt in die Bildung investiert wird, sind nicht die Schulden
unserer Kinder und Kindeskinder, sondern sinnvolle und unumgängliche
Investitionen, gerade auch für deren Zukunft. 'Bildung für alle' ist
ein schöner Satz - und der muss jetzt von der Regierung mit einem
Batzen Geld unterstrichen werden", sagte Michlmayr.
Damit mehr Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen und wenig
Bildung auch den Weg nach oben schaffen, müsse viel früher angesetzt
werden als bei der Uni-Politik. Michlmayr: "Derzeit übt sich das
Bildungssystem eher im Aussortieren als im Fördern. Die Schulen
nehmen sich noch immer das Recht heraus, zu entscheiden, welche
Zehnjährigen ins Gymnasium dürfen - und später wahrscheinlich
studieren gehen. Die Gewerkschaftsjugend fordert deshalb: Es darf nur
mehr eine einzige Schule geben, wo alle 6- bis 15-Jährigen hingehen."
Für arbeitende Studierende: Vorlesungen an Wochenenden und am Abend
"Für die Lehrlinge und für die Berufstätigen muss noch viel getan
werden, dass sie die Chance bekommen, sich höher zu bilden", sagte
der ÖGJ-Vorsitzende. Die Lehre mit Matura war ein ganz wichtiger
Schritt. Damit darf man an die Uni - aber dort ist man dann als
arbeitender Mensch massiv benachteiligt: Es gibt zu wenig Vorlesungen
am Abend oder am Wochenende, und Bibliotheken und so weiter haben
auch nur untertags offen. Michlmayr: "Die Gewerkschaftsjugend
verlangt bessere Bedingungen für ArbeitnehmerInnen, die Abend für
Abend studieren wollen - aber daran gehindert werden."
Studierende an FHs zahlen immer noch Studiengebühren
Die Gewerkschaftsjugend fordert außerdem, dass alle Formen von
Studiengebühren abgeschafft werden. Michlmayr: "Besonders schlimm ist
die Tatsache, dass Studierende an Fachhochschulen weiterhin
Studiengebühren zahlen müssen. Genau die Studentinnen und Studenten
an FHs kommen sehr oft aus Arbeiter- und Angestelltenfamilien mit
geringem Einkommen. Es ist vollkommen unverständlich, warum gerade
FH-Studierende weiterhin Studiengebühren zahlen müssen."
Die ÖGJ fordert:
+ Völlige Abschaffung der Zugangsbeschränkungen
+ Die gänzliche Abschaffung der Studiengebühren
+ Programme zur Förderung von ArbeiterInnenkindern an den
Universitäten
+ Vorlesungen und offene Unis auch am Wochenende und am Abend
+ Demokratische Universitäten und Mitbestimmung von Studierenden auf
allen Ebenen
+ Weg mit der gläsernen Decke für Frauen in allen Bereichen
+ Mehr Lehrpersonal an allen Universitäten
+ Keine Prekarisierung von WissenschafterInnen in Lehre und Forschung
+ Master- und Doktoratsstudienplätze für alle
Rückfragehinweis:
ÖGB Öffentlichkeitsarbeit
Florian Kräftner
(01)53 444-39 264
www.oegb.at
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OTS0235 2010-03-11/13:05
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