OTS0290 / 10.03.2010 / 15:42 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Finanzausschuss / Parlament / Transparenzkonto


Finanzausschuss: Transparenzkonto und internationale Finanzpolitik Abgeordnete erledigen umfangreiche Tagesordnung =


   Wien (PK) - Die Diskussion um mehr Verteilungs- und 
Leistungsgerechtigkeit sowie mehr Transparenz und Fairness bei 
Einkommen, Transfers und Vermögen war bei der ganztägigen 
Parlamentarischen Enquete vom 20. Jänner 2010 mit vielen Experten 
geführt worden. Die Verhandlung über das Stenographische Protokoll 
dieser Enquete im heutigen Finanzausschusseserlaubte es den 
Fraktionen, das Ergebnis dieser Enquete noch einmal zusammenzufassen 
und Stellung zu dem von der Regierung geplanten "Transparenzkonto" zu 
nehmen. Nach einer lebhaften Debatte mit teils unterschiedlichen, 
teils gegensätzlichen Akzentsetzungen von Seiten der Fraktionen wurde 
das Protokoll einstimmig zur Kenntnis genommen. 
In weiterer Folge empfahl der Ausschuss mit S-V-G-Mehrheit neue 
Doppelbesteuerungsabkommen mit Irland und Schweden zur Umsetzung der 
OECD-Grundsätze für die internationale Amtshilfe bei der Verfolgung 
ausländischer Steuersünder. Plenumsreif machte der Ausschuss auch 
eine Regierungsvorlage zur Teilnahme Österreichs an der 5. 
allgemeinen Kapitalerhöhung der Asiatischen Entwicklungsbank. 
Vertagt wurden BZÖ-Anträge zur Abschaffung der Kreditvertragsgebühr 
und für den Ausschluss politischer Parteien vom Stiftungsrecht. Auf 
eine bessere Aufklärung der Anleger über die Risken von 
Finanzprodukten drängten die Grünen, während die FPÖ ihr Modell für 
eine Bankensolidarabgabe vorlegte. - Klar abgelehnt wurde die 
freiheitliche Forderung nach Ausschluss Griechenlands aus dem 
Euroraum. 
Was erwarten Abgeordnete vom geplanten Transparenzkonto? 
Abgeordneter Konrad Steindl (V) bekannte sich zur geplanten 
Einrichtung eines Transparenzkontos, weil Förderungen des Bundes, der 
Länder und der Gemeinden kumuliert würden und es wünschenswert sei, 
sich einen Überblick zu verschaffen, um die soziale Treffsicherheit 
zu verbessern. Mehr Effizienz bei den Sozialausgaben sei zudem 
notwendig, weil Österreich im internationalen Vergleich sehr hohe 
Sozialausgaben habe. Steindl sprach die Hoffnung auf eine 
erfolgreiche Arbeit der für das Transparenzkonto vorgesehenen 
Arbeitsgruppe aus. 
Abgeordneter Karl Öllinger (G) zeigte sich verwundert, dass die 
Regierung nach dem Ergebnis der ganztägigen Enquete über ein 
Transferkonto noch beabsichtige, eine "Transparenzdatenbank" 
einzurichten. Es sei doch hinreichend klar geworden, dass man eine 
solche Transparenzdatenbank nicht brauche. Immer noch offen sei zudem 
die Frage, wer die gesammelten Daten wie analysieren solle. Schon 
jetzt sei zu prüfen, ob irgendjemand zu viel oder zu wenig gefördert 
werde, und schon jetzt müssten Gesetze geändert werden, wenn solches 
festgestellt würde. Der geplanten "Transparenzdatenbank" prophezeite 
Öllinger ein ähnliches Schicksal wie dem vor einigen Jahren 
eingeführten "Pensionskonto", auch dieses funktioniere nicht. 
Während im Bereich der Sozialtransfers Transparenz herrsche und alle 
gegenteiligen Beispiele die dort genannte wurden, sich als falsch 
gerechnet erwiesen hätten, könne man Rechnungshofberichten laut 
Öllinger klar entnehmen, wo mehr Transparenz gefragt wäre: Bei 
Agrarförderungen, der Vergabe von EU-Strukturfondsmitteln und bei 
intransparenten Förderungsstukturen. Die schon vor vielen Jahren 
festgestellte Überförderung bei der Lehrlingsbeschäftigung habe bis 
heute zu keiner transparenten Förderungsdatenbank im 
Wirtschaftsministerium geführt, klagte Öllinger. 
Ausschussobmann Günter Stummvoll (V) hielt fest, der Ministerrat habe 
sich bislang lediglich für die transparente Darstellung staatlicher 
Leistungen ausgesprochen und dazu eine Arbeitsgruppe eingerichtet.
Abgeordneter Bernhard Themessl (F) sah ein "Transparenzkonto" 
grundsätzlich positiv, verlangte aber, alle Förderungen und 
Geldflüsse einzubeziehen und transparent darzustellen. Noch wichtiger 
sei es aber, von dem Grundsatz abzugehen, den Menschen zuerst in Form 
von Steuern zehn Euro abzunehmen, ihnen davon fünf Euro mit Transfers 
zurückzugeben und fünf Euro für die Kosten dieser Umverteilung 
aufzuwenden. Themessls Hoffnung richtete sich auf sinnvolle 
Einsparungen, wo dies möglich sei, sowie auf ein gerechteres 
Steuersystem. 
Abgeordneter Robert Lugar (B) wandte sich entschieden dagegen, aus 
Gerechtigkeitsgründen mehr Umverteilung und noch mehr Sozialstaat zu 
fordern. Derzeit bekomme jeder Sozialleistungen, der das wolle. In 
Zukunft sollten nur noch jene Menschen Sozialleistungen erhalten, die 
das wirklich brauchten und Regelungen abgeschafft werden, die 
Menschen veranlassen, auf Einkommenschancen zu verzichten, nur um den 
Bezug von Sozialleistungen nicht zu gefährden. Es gelte, das 
Sozialsystem leistungsfreundlicher zu machen und die 
Eigenverantwortung zu stärken, verlangte Lugar. 
Abgeordneter Kai Jan Krainer (S) hielt als Kernaussagen der Enquete 
fest, dass mehr als 90 % der Sozialleistungen Versicherungsleistungen 
darstellten oder Leistungen, die ohne Einkommensgrenze bezogen werden 
können, wie die Familienbeihilfe. Krainer legte ein 
leidenschaftliches Bekenntnis zu einem leistungsfähigen Sozialstaat 
ab. Viele Experten hätten bei der Enquete darauf aufmerksam gemacht, 
dass der Sozialstaat ein Wachstumsmotor sei, der für die 
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Qualität des Standorts 
wichtig sei. Völlig falsch wäre es daher, den Sozialstaat nur unter 
dem Gesichtspunkt seiner Kosten zu betrachten. 
Ein großes Maß an Transparenz ortete Krainer bei den 
ArbeitnehmerInnen hinsichtlich Einkommen, Konsum und Sparverhalten. 
Eine mehr als 90-prozentige Transparenz bestehe auch hinsichtlich der 
Transferleistungen an ArbeitnehmerInnen. Deutlich geringer sei die 
Transparenz im Agrarbereich und noch weniger transparent seien die 
Kapitaleinkommen. Daher sei es richtig, eine Arbeitsgruppe 
einzurichten, die für mehr Transparenz dort sorge, wo diese noch 
nicht bestehe, sagte Krainer und stimmte Abgeordnetem Öllinger in 
zwei Punkten zu: Erstens sei die Frage nach der Analyse der Daten zu 
klären und festzustellen, dass die Beispiele, mit denen die 
Notwendigkeit eines Sozialtransferkontos hätten untermauert werden 
sollen, durchwegs falsch gerechnet gewesen seien. 
Das Stenographische Protokoll der Enquete wurde einstimmig zur 
Kenntnis genommen. 
Die Liste der neuen Doppelbesteuerungsabkommen wird länger 
Protokolle zur Änderung der Doppelbesteuerungsabkommen mit Irland 
(584 d.B.) und Schweden (585 d.B.) erzielten bei der Abstimmung 
jeweils eine Mehrheit von SPÖ, ÖVP und Grünen. 
Abgeordneter Lutz Weinzinger (F) lehnte die neuen 
Doppelbesteuerungsabkommen ab, weil sie im Zusammenhang mit der 
Abschaffung des Bankgeheimnisses stünden. Das aber sei ein wichtiger 
Teil der österreichischen Wirtschaftskultur und Privatsphäre des 
Einzelnen. 
Die Abgeordneten Martin Bartenstein (V) und Christoph Matznetter (S) 
hielten es demgegenüber für unverständlich, dass sich die FPÖ hinter 
ausländische Steuersünder stelle. 
Abgeordneter Karl Öllinger (G) sah es für unlogisch an, auf der einen 
Seite ein Transparenzkonto zu fordern und auf der anderen Seite am 
Bankgeheimnis festhalten zu wollen. 
Kapital der Asiatischen Entwicklungsbank soll erhöht werden
Der Beteiligung Österreichs an der 5. allgemeinen Kapitalerhöhung der 
Asiatischen Entwicklungsbank zur finanziellen Absicherung der 
Langzeitstrategie "Strategy 2020" stimmte der Ausschuss mit S-V-G-B-
Mehrheit zu. Die Einzahlung soll bis 2019 in jährlichen Tranchen mit 
einer Gesamtsumme von 9,325 Mio. € erfolgen. In den Erläuterungen 
wird auf die antizyklische Rolle der Entwicklungsbanken und die 
Notwendigkeit hingewiesen, den Ausfall privater Geldströme in 
Entwicklungs- und Schwellenländer infolge der Krise auszugleichen 
(603 d.B.).
Abgeordneter Lutz Weinzinger (F) kritisierte die Entwicklungshilfe 
und die Entwicklungszusammenarbeit der letzten Jahrzehnte als falsch, 
weil sie trotz enormer Geldbeträge, die vor allem nach Afrika 
geflossen seien, nicht habe verhindern können, dass dort heute mehr 
Menschen in Armut lebten denn je. Es sei notwendig, über eine andere 
Form der Entwicklungszusammenarbeit nachzudenken und zu verhindern, 
dass weiterhin menschenverachtende Diktatoren unterstützt werden. 
Abgeordnete Petra Bayr (S) räumte ein, dass heute mehr Menschen in 
den Entwicklungsländern unter Armut leiden als je zuvor. Weinzingers 
Kritik an der EZA wies Bayr aber zurück. Nicht diese sei die Ursache 
vieler Fehlentwicklungen, sondern eine falsche Finanz-, Handels- und 
Agrarpolitik. Nach wie vor würden Bauern in den EZA-Ländern mit hoch 
subventionierten Produkten aus dem Norden konkurrenziert. Die 
Behauptung, österreichische EZA-Gelder gingen an korrupte 
Regierungen, wies Bayr entrüstet zurück. Jeder könne sich davon 
überzeugen, dass die Mittel ordnungsgemäß verwendet werden, sagte 
Bayr mit Unterstützung ihres Fraktionskollegen Christoph Matznetter 
(S), der im Detail darstellte, wie in Mosambik Menschen durch 
österreichische Brunnen mit gesundem Wasser versorgt, Kinder 
erfolgreich gegen drohende Erblindung behandelt und Brücken errichtet 
werden, um die Menschen mit lebensnotwendigen Gütern zu versorgen. 
Österreichs Wirtschaft profitiere davon, wenn Menschen in den 
Entwicklungsländern die Armut überwinden und sich Importwaren aus 
Österreich leisten können. 
Die Abgeordneten Martin Bartenstein (V) und Karl Öllinger (G) machten 
Abgeordneten Weinzinger (F) unisono darauf aufmerksam, dass er einen 
Beitrag zur Asiatischen Entwicklungsbank mit Kritik an der 
Entwicklungshilfe in Afrika ablehne. Bartenstein wies auf den Erfolg 
der Entwicklungszusammenarbeit in Asien hin, die es Millionen von 
Menschen ermöglicht habe, sich bescheidenen Wohlstand zu 
erwirtschaften und in den Mittelstand aufzusteigen. Öllinger wollte 
gewährleistet sehen, dass nicht jede Lieferung in Entwicklungsländer 
als eine Maßnahme der Entwicklungszusammenarbeit gewertet werde. 
Abgeordneter Robert Lugar (B) hielt Entwicklungszusammenarbeit für 
notwendig und sinnvoll und bekannte sich dazu, sich an einer Bank zu 
beteiligen, die Menschen mit Kapital versorgt, die in ihre 
wirtschaftliche Zukunft investieren wollen. Die Frage laute, ob die 
Asiatische Entwicklungsbank auf Entwicklungshilfe oder nicht doch auf 
Profit ausgerichtet sei, was Abgeordneter Matznetter verneinte. 
Die Abgeordneten Marianne Hagenhofer und Petra Bayr (beide S) mahnten 
ein, bei der Unterstützung von Projekten in Entwicklungsländern auf 
die Einhaltung der Menschenrechte zu achten und zu verhindern, dass 
bei der Aufschließung von Rohstofflagerstätten Menschen aus ihren 
Heimatregionen vertrieben werden. 
Ausschussobmann Günter Stummvoll (V) regte an, die Kommunikation über 
Ziele und Erfolge der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit zu 
verbessern. Er gab den Eindruck wieder, "an manchen Stammtischen" sei 
man zu wenig darüber informiert, welch gute Arbeit österreichische 
Entwicklungshelfer in den Partnerländern des Südens leisten. 
Oppositionsinitiativen im Finanzausschuss vertagt
Um die Wirtschaft vor den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu 
schützen, schlug BZÖ-Abgeordneter Peter Westenthaler vor, im Rahmen 
einer umfassenden Steuerreform die staatliche Kredit(-vertrags)gebühr 
abzuschaffen, um die in der Krise ohnehin unter steigenden Kosten 
leidenden Kreditnehmer zu entlasten (591/A(E)). Außerdem wollte das 
BZÖ politische Parteien vom Stiftungssteuerrecht explizit 
ausschließen (646/A(E) und 647/A(E)).
Abgeordneter Michael Ikrath (V) berichtete beim Thema 
Kreditvertragsgebühr mit Freude von der Absicht des Finanzministers, 
diese Gebühr im Zusammenhang mit der Einführung einer Banken-
Solidarabgabe abzuschaffen, weil sie die KMU belaste. Ikrath schlug 
zugleich vor, als Bemessungsgrundlage für die geplante Solidarabgabe 
nicht die Bilanzsumme der jeweiligen Bank heranzuziehen, sondern bei 
der Besteuerung gezielt und mit Lenkungsabsicht zwischen 
Kreditgeschäften für die Realwirtschaft und spekulativen Investments 
zu unterscheiden. 
Abgeordneter Werner Königshofer (F) wandte sich gegen die von Ikrath 
beantragte Vertagung des Antrags und schlug vor, die 
Kreditvertragsgebühr sofort abzuschaffen. 
Abgeordneter Peter Westenthaler (B) hielt es für frustrierend und 
unverständlich, einen Antrag zu vertagen, der dasselbe wolle wie der 
Finanzminister. 
Auch Abgeordneter Werner Kogler (G) sah keinen Grund, einen Antrag zu 
vertagen, dessen Anliegen viele Fraktionen inhaltlich zustimmten. 
Beim Thema Bankenabgabe hielt es Kogler für wichtig, am Ziel 
festzuhalten, 500 Mio. € jährlich einzunehmen. Auch Kogler meinte, es 
wäre "nicht schlau", eine Bilanzsummensteuer einzuführen und hielt 
Lenkungseffekte für wünschenswert, warnte aber zugleich vor einer 
allzu komplizierten Regelung. Eine Experten-Arbeitsgruppe 
einzusetzen, um Detailprobleme zu lösen, sei ein richtiger Schritt 
der Regierung. 
Staatssekretär Reinhold Lopatka berichtete von der Einrichtung der 
Arbeitsgruppe, in der Vertreter der Banken und des Ressorts unter der 
Leitung der beiden Staatssekretäre eine optimale Lösung für die 
Banken-Solidarabgabe ausarbeiten sollen. Auch seine Präferenz laute, 
die Abgabe jeweils nicht nach der Bilanzsumme zu bemessen.
Zur Frage der Stiftungen stellte Abgeordneter Werner Kogler (G) fest, 
man werde hinsichtlich der Parteienfinanzierung nicht darum 
herumkommen, für transparentere Verhältnisse zu sorgen und das 
Parteiengesetz auf ein europäisches Niveau zu bringen. Zweitens werde 
man sich Gedanken über die Privilegien der Stiftungen machen müssen, 
allein schon deshalb, um den sozialen Frieden aufrechtzuerhalten. 
Abgeordneter Christoph Matznetter (S) stellte zunächst fest, dass 
Parteien Stiftungen nicht eingerichtet haben, um steuerliche Vorteile 
zu lukrieren. Über Stiftungen wollte der Abgeordnete im Hinblick auf 
das für Oktober geplante Budgetbegleitgesetz sprechen, die beiden 
BZÖ-Anträge seien daher zu vertagen. 
Vertagt wurde auch G-Entschließungsantrag 949/A(E), in dem 
Abgeordnete Birgit Schatz dafür eintrat, die AnlegerInnen nach 
deutschem Vorbild mit einem gesetzlich vorgeschriebenen, gut 
verständlichen Formular jeweils über Kosten, Gewinnentwicklung und 
Risiken von Finanzprodukten zu informieren.
Während die Abgeordneten Werner Königshofer (F) und Robert Lugar (B) 
das Anliegen unterstützten, sprach sich Abgeordneter Peter Michael 
Ikrath (V), der die Intentionen der Grünen ebenfalls grundsätzlich 
teilte, dafür aus, den Ausgang der derzeit laufenden Arbeiten der EU 
zur Verbesserung der Information von Kleinanlegern abzuwarten und den 
Antrag zu vertagen. Abgeordneter Johannes Jarolim (S) sah auch 
Handlungsbedarf, meinte aber, man sollte nichts übers Knie brechen, 
die Diskussion sei noch nicht weit genug gediehen. 
Keine endgültige Entscheidung fällte der Ausschuss über F-Antrag 
(1004/A(E))für eine Bankensolidarabgabe, die dem Bundeshaushalt 700 
Mio. € jährlich bringen soll. Die Regierungsparteien beschlossen eine 
Vertagung der Materie und folgten damit der Argumentation des 
Abgeordneten Jakob Auer (V), der auf entsprechende Diskussionen 
innerhalb der Koalition hinwies. 
Klares Nein zu F-Vorstoß auf Ausschluss Griechenlands aus Eurozone
Nicht durchsetzen konnte sich Abgeordneter Lutz Weinzinger (F) mit 
der Forderung (994/A(E)) seiner Fraktion, Staaten wie Griechenland, 
deren wirtschaftliche Kennzahlen seiner Meinung nach einen Verbleib 
in der gemeinsamen Währungsunion nicht rechtfertigen, aus dem 
Euroraum auszuschließen und zu zwingen, ihre alten Währungen wieder 
einzuführen. Griechenland, das auf Basis falscher Wirtschaftsdaten 
dem Euro beigetreten ist, drohe für die EU zu einem "Fass ohne Boden" 
und zu einem verhängnisvollen Präzedenzfall zu werden, da auch 
Spanien, Portugal, Irland und Italien ein ähnliches Schicksal drohe, 
warnte Weinzinger.
Sein Fraktionskollege Abgeordneter Werner Königshofer gab in diesem 
Zusammenhang zu bedenken, man stehe heute vor dem "Diktat des 
Faktischen", die Staaten Südeuropas hätten ein großes Problem mit der 
Währungsunion, da sie den Wechselkursmechanismus nicht mehr einsetzen 
können. Man sollte für sie zumindest die Möglichkeit eines 
"geordneten Rückzugs" aus dem Euro schaffen.
Auf klare Ablehnung stieß die F-Initiative bei den übrigen 
Fraktionen. Abgeordneter Christoph Matznetter (S) bezeichnete den 
Antrag als "unsinnig", da ein Ausschluss aus der Währungsunion 
rechtlich gar nicht möglich sei. Er erinnerte überdies daran, dass 
die Union auf der Solidarität aufbaue und meinte, die Lösung des 
Problems könne nur auf europäischer Ebene durch die Entwicklung einer 
neuen Form der Zusammenarbeit gefunden werden. Auf Österreich 
umgemünzt würde die Forderung der FPÖ angesichts des Debakels bei der 
Hypo Alpe Adria jedenfalls auf einen Ausschluss Kärntens aus der 
Republik hinauslaufen, bemerkte Matznetter pointiert.
Die europäische Solidarität sah auch Abgeordneter Martin Bartenstein 
(V) angesprochen. Wenn man nicht wolle, dass andere, etwa der IWF, 
einspringen, dann werde die Union selbst Schritte setzen müssen, 
meinte er und hielt die Idee eines Europäischen Währungsfonds "unter 
dem Strich" für diskussionswürdig. Abgeordneter Wilhelm Molterer (V) 
zog aus der Griechenland-Krise die Lehre, dass den europäischen 
Institutionen mehr Rechte gegeben werden müssen und die 
Harmonisierung der Wirtschaftspolitik auf europäischer Ebene 
unabdingbar sei.
Abgeordneter Robert Lugar (B) warnte, der F-Antrag würde Türen 
öffnen, die man dann nicht mehr schließen könne. Er schlug hingegen 
die Schaffung einer Möglichkeit des freiwilligen Austritts verbunden 
mit dem Recht auf Wiedereintritt nach Lösung der Budgetprobleme vor.
Abgeordneter Werner Kogler (G) wiederum warf ein, die Entscheidung, 
manche Länder in die Eurozone aufzunehmen, könne man durchaus 
kritisieren, der Zusatzschaden durch einen Ausschluss sei aber 
wesentlich größer als ein Verbleib Griechenlands in der 
Währungsunion. (Schluss) 
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